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Mercedes, Texas Ranger AMG 53 Coupé - der Kickstarter der E-Klasse

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Wer hier einkehrt, sollte das Mercedes-AMG E 53 Coupé anschließend besser stehen lassen.

Mit zu hoher Geschwindigkeit kann man auf US-Highways nur verlieren. Anders an der Kreuzung: Hier kann auch das neue Mercedes-AMG E-Klasse Coupé 53 seine Vorzüge ausspielen. Welche, ist von n-tv.de in Texas ermittelt worden.

Die sportliche Seite des E-Klasse Coupés zu verleugnen, wäre schlichtweg falsch. Allein von der Optik steht der Wagen in der dynamischen Spur. Kurze Überhänge, AMG-Seitenschweller, knackige 19-Zoll-Felgen in den Radhäusern und eine feine Linie, die sich von der Front bis in den Heckbürzel spannt. Alles fein, alles schick, aber wenn AMG noch eine Schippe draufpackt, passt die Sportlichkeit auch unter dem Blech. Da werkelt im E 53 der nunmehr schon bekannte 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit 48-Volt-Bordnetz. Das garantiert rein aus dem Brennraum schon mal 435 PS und wenn der elektrische Kick kommt, werden weitere 22 Pferde auf die Reise geschickt. Ergo feuert der Affalterbacher Sportfreund mit 457 PS aus der Startaufstellung.

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Deutlich sportlicher steht das E-Klasse Coupé als AMG 53 auf der Straße.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Beim Kickstart werden dann auch gleich mal 770 Newtonmeter mit Schmackes auf die Achsen geschleudert. Wozu das gut ist, besprechen wir gleich. 520 gibt es aus den sechs Brennkammern, weitere 250 stellt der EQ Boost Startergenerator bereit. Das geht nicht über die lange Distanz, sorgt aber dafür, dass in 4,4 Sekunden die digitale Tachonadel an der 100 vorbeirauscht und es fraglos bis an die 270 schafft. Forciert wird der Vortrieb natürlich, wenn der Fahrmodischalter auf Sport Plus gestellt ist. AMG-typisch wird die Kraft, die an allen vier Rädern anliegt, beim Power-Start zu 60 Prozent ans Heck geleitet, den Rest bekommt die Vorderachse.

Natürlich ist die Abstimmung des Gesamtpakets hier ein gutes Stück von dem entfernt, was ein GT 4-Türer 53 bietet. Aber darüber, wie sich der sportlichste Familien-Racer fährt, wird auf diesen Seiten noch zu lesen sein. Bis dahin betrachten wir den Unterschied mal als eine Art Respektabstand, der sich natürlich auch preislich niederschlägt. Doch zurück zum E-Klasse Coupé, dessen Ausweis am Heck die 53 ist.

What are you doing here?

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Bis zu 270 km/h schnell kann das E-Klasse AMG 53 Coupé werden.

(Foto: Andreas Lindlahr)

In den USA gelten bekanntermaßen auf den Straßen rigide Geschwindigkeitsanweisungen. Nicht, dass alle Fahrer auf den Highways sich daran halten. Aber als Ausländer sollte man es tun, andernfalls kann es passieren, dass einem hollywoodgleich blau-rote Lichter folgen und ein Mann mit Pilotenbrille aussteigt, um die Frage zu stellen: "What are you doing here on my street?" Die Antwort ist klar, man fährt zu schnell. Darum geht es aber gar nicht, vielmehr darum, dass man sich auf der Straße des Sheriffs danebenbenommen hat. Das kommt dem unaufgeforderten Eindringen in ein Haus gleich und was dem folgt, dürfte klar sein. Jedenfalls, wenn der Besitzer daheim ist.

Nun gut, der Autor ist nicht im Gefängnis gelandet, hat sich also benommen und die Speed Limits nicht missachtet. Für etwas Aufsehen konnte er dennoch mit seinem 53er sorgen. Eben dort, wo in den USA die Achtender sonst den Dicken machen, an der Kreuzung. Hier spielt die Sportskanone ihr Können aus, setzt die oben erwähnte Kraft in Vortrieb um und feuert aus den runden Doppelendrohrblenden noch ein paar Salven auf die Konkurrenz ab, die versucht, ihre gewichtigen Bodybuilder auf Touren zu bringen.

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Die Sportsitze sind nicht nur sportlich, sondern taugen auch für die Langstrecke.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Damit das auch in den Kurven funktioniert, ist das AMG Coupé nicht nur mit einer elektromechanischen Parameterlenkung ausgestattet, sondern auch mit dem inzwischen ebenfalls bekannten AMG-Speedshift-Getriebe, das die Kraft über neun Stufen ausgesprochen feinsinnig an die Räder weiterleitet. Die Ingenieure sprechen hier davon, dass die elektromechanisch geregelte Kupplung die ständig angetriebene Hinterachse variabel mit der Vorderachse verbindet. So kann stufenlos vom traktionsorientierten Allradantrieb bis hin zum reinen Hinterradantrieb gefahren werden. Kurz, wer will, kann das Heck auch schön um die Kurve wirbeln lassen. Andererseits sorgt das System für eine hervorragende Stabilität in schnell gefahrenen Kehren.

Fahrkomfort eine Stufe höher

Anders als beim GT 4-Türer hat man beim E-Klasse Coupé bereits in die 53 das AMG-Ride-Control-Fahrwerk mit Luftfederung verbaut. Ein Feature, das es erst beim GT 63 und 63 S in der Serienausstattung gibt. Die Mehrkammer-Luftfederung sorgt im Zusammenspiel mit dem adaptiven Dämpfer-System zum einen für einen hohen Abrollkomfort, zum anderen reduziert sie beim Bremsen und in den schon viel besungenen Kehren die Wankbewegung. Das AMG Coupé kann also durchaus flott ums Eck gebracht werden.

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In den Fond des Mercedes-AMG E 53 Coué müssen sich die Fahrgäste schon etwas hineinzirkeln.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Allerdings hat das Federwerk auch einen durchaus erwähnenswerten praktischen Vorteil. Durch die pneumatische Rundum-Niveauregulierung erhält der 53er ein konstantes, von der Zuladung unabhängiges Fahrzeugniveau. Um die Bodenfreiheit an steilen Auffahrten zu vergrößern, kann das Niveau per Tastendruck angehoben werden. Bei hohem Tempo geht es natürlich wieder runter, was die Fahrstabilität aufgrund des niedrigen Schwerpunktes deutlich verbessert.

Und da gerade bei sportlicher Fahrweise die Kiste auch wieder zum Stehen gebracht werden muss, gibt es eine Bremsanlage mit innenbelüfteten Verbundbremsscheiben. An der Vorderachse gelocht und mit einem Durchmesser von 370 Millimetern, in die vier Kolben hacken, am Heck ist die Scheibe 10 Millimeter kleiner und mit einem 1-Kolben-Festsattel eingebremst. Doch kommen wir zurück auf den temporegulierten US-amerikanischen Highway, den wir mit dem folgenden Blick auf die dem AMG verabreichten Komfortvorzüge gerne auch auf die gar nicht mehr so schnellen deutschen Autobahnen verlegen können.

Entspannung an der ganzen Front

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Hier spielt die klappengesteuerte Musik des Mercedes-AMG E53 Coupés.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Ja, die Energizing Komfortsteuerung gibt es optional auch in "normalen" Mercedes-Modellen. Sie sei aber an dieser Stelle erwähnt, weil sie die Sportskanone wenigstens für die erste Reihe - hinten geht es doch etwas enger zu - auf der Langstrecke zur "Wellness-Oase" macht, wie die Stuttgarter gerne betonen. Hier werden unterschiedliche Komfortsysteme wie Klimaanlage, Sitze, Lenkradheizung sowie Licht- und Musikstimmung miteinander vernetzt. In Kombination soll das dann die Insassen auf der Langstrecke optimal entspannen.

Entspanne sollen natürlich auch die Fahrassistenten. Und hier ist natürlich alles Erdenkliche buchbar. In Serie gibt es den aktiven Brems-, den Spurhalte-, den Geschwindigkeitslimit- und den Aufmerksamkeits-Assistenten. Aus der S-Klasse wurde der Pre-Safe-Sound in die Serie übernommen. Hier bereitet eine entsprechende Geräuschkulisse das Gehör auf den zu erwartenden Unfall vor. Das will natürlich keiner und um nicht 81.582 Euro in den Sand zu setzen, gibt es natürlich noch das optionale Fahrassistenz-Paket. Das besteht aus einer Armada an adaptiv arbeitenden Assistenten, die den Abstand, die Lenkbewegung, die Bremse, die Kreuzung, den Totwinkel und die Spur neben dem Fahrer im Blick behalten.

Zusammenfassend kann man über die neuen Mercedes-AMG 53er Modelle sagen, denn das Gesagte gilt natürlich auch für das Cabrio, dass es nicht nur Sportfreunde, sondern gleichsam Sicherheitsfetischisten in den Bann ziehen kann. Immer vorausgesetzt, dass das nötige Kleingeld für ein solches Kleinod auf dem Konto vorhanden ist.

Quelle: n-tv.de

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