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Dodge Challenger SRT Hellcat Ausritt mit der Höllenkatze

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Der Dodge Challenger Hellcat geht für wenig Geld an den Start, ist aber in Deutschland nur schwer zu bekommen.

Die Devise, dass viel Kraft auch viel Geld kosten muss, gilt nicht für alle Sportwagenhersteller. Mit dem Challenger SRT Hellcat beweist Dodge, dass es auch anders geht: Für unter 60.000 US-Dollar bieten die Amis waffenscheinpflichtige 717 PS an.

Nein, mit einer zahmen Mieze hat der Dodge Challenger SRT Hellcat nichts zu tun, und Namensspiele dieser Art, die schon bei Jaguar abgedroschen sind, lassen wir sein. Woher der Namenszusatz für das stärkste Pony im Stall der Fiat-Chrylser-Tochter kommt, ist nicht offiziell bestätigt, doch geht die Mähr um, der Über-Challenger sei nach einem amerikanischen Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg benannt; eins mit enormer Durchschlagkraft. Die hat der zweitürige Dodge, der das Muscle-Car-Erbe deutlich würdiger als Mustang, Camaro und Co. vertritt, auch. Doch kommt der im kanadischen Ontario gebaute Doge in rein friedlicher Mission - der will doch nur spielen.

Vorsicht beim Bewegen des Pins

Dafür braucht es aber eigentlich bessere Spielstraßen als die rund um Las Vegas. Zum Beispiel eine, die Autobahn heißt. Oder Nordschleife. Denn mit 717 PS erreicht das über fünf Meter lange Coupé – von dessen Ausmaßen innen übrigens nicht viel zu spüren ist – verdammt schnell das US-amerikanische Tempolimit; spätestens nach 3,6 Sekunden ist es dringend angeraten, den Fuß vom Gas zu nehmen, dann steht die Tachonadel nämlich schon bei 60 Meilen pro Stunde; beim hiesigen Standardsprint auf 100 km/h vergeht ein läppisches Zehntel mehr, und wer nicht aufhört zu beschleunigen, landet, ehe er sich versieht, bei 320 km/h. Möglich macht den katapultartigen Vorwärtsdrang, der den Magen ordentlich durcheinanderbringt, ein V8 mit großvolumigen 6,2 Liter Hubraum. Das sind zwar 0,2 Liter weniger als beim Standard-SRT, die auf das Konto des auf 90,9 Millimeter verringerten Hubs gehen, doch presst der gigantische Kompressor 185 Pferde mehr aus dem Aggregat. Dafür muss er allerdings 30.000 Liter Luft pro Minute in das Triebwerk quetschen - und eine nicht zu geringe Menge Sprit.

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Mit 717 PS erreicht das über fünf Meter lange Coupé verdammt schnell das US-amerikanische Tempolimit.

Auf der anderen Seite kommen 881 Newtonmeter Drehmoment raus,  mit denen die Achtgang-Automatik von ZF gerade so zurechtkommt; die Hinterräder dagegen sind des Öfteren überfordert: Nicht nur beim Ampelstart, sondern auch bei Landstraßentempo wissen sie oft nicht, wie sie die immense Kraft, trotz 295er-Pirelli-Pneus auf geschmiedeten 20-Zöllern aus Aluminium, auf die Straße bringen sollen, wenn der Fahrer mal wieder seinen rechten Fuß nicht unter Kontrolle hat. Stattdessen lassen sie das muskulöse Heck des Coupés, je nach Einstellung des Stabilitätsprogramms, mehr oder weniger schwungvoll tänzeln oder verwandeln überschüssige Power direkt in Gummiabrieb.

Die Macht ist schnell beherrschbar

Angst ist im Hellcat trotzdem fehl am Platz. Wer sich ein bisschen mit den Grundsätzen der Fahrphysik auskennt, bekommt nach ein paar Schreckmomenten - etwa weil man beim Losfahren auf dem Parkplatz zu forsch aufs Gas kam und sich der Poller verdammt schnell näherte - ein sicheres Gespür für den Über-Challenger und kann den Ritt auf der Kanonenkugel gut kontrollieren: Der rechte Fuß gewöhnt sich schnell an die Macht, die in ihm steckt und die hydraulisch statt elektrisch arbeitende Lenkung sowie die bisher größten bei Dodge montierten Bremsen (Brembo-Stopper mit 39-Zetimeter-Scheiben vorne) geben einem das Gefühl, der Höchstleistung gewachsen zu sein. Auch das adaptive Fahrwerk arbeitet vertrauensbildend, nur fällt ihm hin und wieder das Gewicht in den Rücken: Mit 2,1 Tonnen stellt sich der Sportler bei flotten Richtungswechseln an wie Robert Harting beim Hürdenlauf.

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Der Arbeitsplatz des Fahrers in einem Dodge Challenger SRT Hellcat.

Wer dennoch bedenken hat, zum Beispiel den Junior hinters Steuer zu lassen, kann den roten Schlüssel in der Hosentasche lassen, und den serienmäßig mitgelieferten schwarzen aushändigen: Dann stehen nur 500 PS zur Verfügung, die aber immer noch für jede Menge Unfug reichen. Kleiner Tipp an den Sohnemann: Erst in deutlicher Entfernung zum Elternhaus mit dem Spielen anfangen, sonst hört Papa genau, was man gerade anstellt. Der V8 kann seine Freude an der Arbeit nämlich nicht verheimlichen und brabbelt laut und kraftvoll drauflos, während der Kompressor heiser fauchend alles einsaugt, was sich ihm in den Weg stellt.

Umweltfreundlicher als ein Diesel?

Fast meint man auch, den Sprit durch die Benzinleitung rauschen hören zu können. Die wurden für den Hellcat extra auf 1,3 Zentimeter Durchmesser erweitert, sonst würde der V8 den Treibstoff schneller verbrennen, als Nachschub gereicht werden kann. Deswegen schied übrigens auch die Direkteinspritzung aus. Selbst das beste System auf dem Markt arbeitet nicht flott genug. Umso erstaunlicher, dass der Hellcat sich auch zurückhaltend geben kann: Wer das Gaspedal nur leicht streichelt und vielleicht sogar die Leistung reduziert - was der schwarze Schlüssel automatisch macht, ist auch händisch einprogrammierbar - kann den Hellcat sogar mit unter zehn Litern auf 100 Kilometer fahren, und damit deutlich unter dem von US-Offiziellen ermittelten Durchschnitt von umgerechnet 14,7 Litern; damit dürfte der Dodge in den Augen der amerikanischen Behörden auf jeden Fall umweltfreundlicher sein als ein Diesel.

Was man ins Benzin investiert, spart man bei der Anschaffung. Der Dodge Challenger SRT Hellcat, der es leistungsmäßig locker mit den Topmodellen aus Maranello, Zuffenhausen oder Affalterbach aufnehmen kann, kostet nur ein Bruchteil dessen, was andernorts aufgerufen wird. Gerade einmal 59.995 US-Dollar muss man beim Dodge-Händler lassen. Wer jetzt schon das Scheckbuch zückt, muss allerdings enttäuscht werden; denn zum einen ist der Hellcat so gut wie ausverkauft, zum anderen gibt es ihn offiziell gar nicht bei uns. Letzteres wird allerdings von findigen Grauimporteuren umgangen, die dem Challenger dann auch gleich europäische Sitten, zum Beispiel in Sachen Lautstärke, beibringen. Und obwohl sie sich dafür kräftig entlohnen lassen, sind die hierzulande gehandelten Hellcats mit rund 85.000 Euro immer noch ein Schnäppchen - ein deutlich schwächerer Porsche 911 Turbo S kostet fast 200.000 Euro und der nur geringfügig stärkere Ferrari F12 schlägt sogar mit rund 270.000 Euro zu Buche.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x

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