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Alle wollen elektrisieren Autohersteller in Genf voll unter Strom

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Ein echtes Wunder-Elektroauto, das zudem noch sehr schick aussieht, hat Piëch Automotive mit dem Mark Zero in Genf vorgestellt.

(Foto: Holger Preiss)

Es sind nicht alle Hersteller zum Autosalon nach Genf gekommen, aber die, die da sind, stehen offenbar voll unter Strom. Gefühlt gab es noch nie so viele ernst gemeinte E-Autos auf einer Messe wie auf dieser. n-tv.de hat sich elektrisieren lassen.

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Die Batterie des Mark Zero soll in fünf Minuten 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit wiedererlangen.

(Foto: Holger Preiss)

Es gab ja in den letzten Jahren schon häufiger den Trend auf Automessen, das Publikum für E-Autos zu begeistern. Doch was die Fülle an Stromern angeht, ob in Form von Konzepten oder serienreifen Fahrzeugen, hat die 89. Auflage des Genfer Salon tatsächlich alles Dagewesene übertroffen. Da spielt es gar keine Geige mehr, ob Ford, Hyundai oder Opel die Stellplätze geräumt haben. Die Macher haben den Platz geschickt umdekoriert und andere Hersteller sind in die Lücken gesprungen.

Vorrangig mit stromernden Fahrzeugen. Der wohl prestigeträchtigste Name ist Piëch. Nicht der alte VW-Haudegen ist hier mit der Marke Piëch Automotive an den Start gegangen, sondern sein Sohn Anton. Der Filius hat einen sehr schnittigen Elektroflitzer unter dem Namen Mark Zero nach Genf gebracht. Das Wundermobil soll aber nicht nur atemberaubend schnell sein, sondern der hier verbaute Akkumulator ist nach Angaben der Marke auch in fünf Minuten zu 80 Prozent geladen. Angesichts dieser unglaublichen Technologie soll neben dem Sportwagen dann auch noch eine ganze Modellfamilie entstehen. Da dürfte dann mit ziemlicher Sicherheit auch ein SUV dabei sein.

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So sieht Skoda seine Elektromobilität in der Zukunft.

(Foto: Holger Preiss)

Das hat Skoda wiederum mit seinem Konzeptfahrzeug Vision iV schon am Lac Léman geparkt. Die Grundlage für das Elektro-SUV bildet natürlich der elektrische Baukasten des Volkswagen-Konzerns. Für den Vortrieb sorgen zwei E-Motoren an beiden Achsen mit einer Gesamtleistung von 306 PS. Als Stromspeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 83 kWh, die im Unterboden vor der Hinterachse untergebracht ist. Die lässt sich zwar nicht in 5, aber immerhin in 30 Minuten an einer entsprechend starken Ladesäule zu 80 Prozent füllen. Die Reichweite ist mit 500 Kilometern im WLTP-Zyklus angegeben. Auch bei der Beschleunigung muss sich der Vision iV mit 5,9 Sekunden bis auf Tempo 100 nicht verstecken. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt.

Fahrspaß bei Volvo nur noch unter Strom

Das ist dann auch die Geschwindigkeit, mit der Volvo-Fahrer ab 2020 in der Spitze prinzipiell unterwegs sein werden. Die Schweden haben sich nämlich aufgrund eines selbst auferlegten Sicherheitsversprechens diese Höchstgeschwindigkeit für alle ihre Fahrzeuge verordnet. Ist aber auch egal, denn eigentlich ist Volvo gar nicht in Genf am Start, hat aber mit der Ankündigung für ordentlich Aufmerksamkeit gesorgt, ohne auch nur ein Fahrzeug zu präsentieren. Dafür haben die Schweden ihre Elektromarke Polestar zur Autoshow geschickt. Angetrieben wird der auf der modularen Architektur von Volvo ruhende Stromer von zwei Elektromotoren sowie einer 78-kWh-Batterie, die eine Reichweite von bis zu 500 Kilometer ermöglichen soll.

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Der Polestar2 von Volvos Submarke darf noch über 180 km/h schnell fahren.

(Foto: Holger Preiss)

Der Witz ist, dass Polestar für den Stromer "Fahrspaß und Performance" als "zentrale Bestandteile des Polestar-Fahrerlebnisses" ausruft. In Zahlen heißt das, dass der elektrische Allradantrieb 400 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 660 Newtonmeter zur Verfügung stellt. Unter fünf Sekunden geht es auf Tempo 100 und in der Spitze fährt der Wagen über 200 km/h. Nun ja, wat dem een sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall. Und die hört man hier vollelektrisch trapsen.

Doch gehen wir weiter und lassen uns von anderen Herstellern unter Strom setzen, die mit Limits so gar nichts am Hut haben. Das elektrische Wunderwerk heißt Battista und stammt von Pininfarina. Dieses Geschoss soll 1926 PS haben und ein maximales Drehmoment von 2300 Newtonmetern. Der Elektrorenner mit Kohlefaser-Karosserie soll in weniger als zwei Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Tempo 300 ist unter zwölf Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits der 400. Als Reichweite werden 480 Kilometer angegeben.

Mercedes setzt V-Klasse unter Strom

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Mit der V-Klasse als EQV sollen bis zu acht Personen rein elektrisch über 400 Kilometer kommen.

(Foto: Holger Preiss)

Doch kommen wir mal auf den Boden der Realität zurück. Mercedes zeigt in Genf eine elektrisierte V-Klasse. Ein "Fahrzeugsegment mit Zukunft" nennt es Daimler-Vorstand Wilfried Porth und weist auf den baldigen Serienstart der Großraumlimousine hin. Angetrieben wird der bis zu acht Personen befördernde Van von einem Elektromotor an der Vorderachse. Der leistet 204 PS und schöpft seine Energie aus einem Lithium-Ionen-Akku. Auch hier reicht der Strom für 400 Kilometer. Wer eine Wallbox sein Eigen nennt, der soll in nur 15 Minuten den Strom für weitere 100 Kilometer in der Batterie haben. Wer an der Haushaltssteckdose den Strom saugt, der braucht etwa zehn Stunden, bis der Akkumulator wieder die volle Leistung hat.

Optisch unterscheidet sich der EQV, wie Mercedes die V-Klasse unter Strom nennt, von seinen Verbrennerbrüdern vor allem in der Frontpartie. Hier stehen im Zentrum der Kühlergrill mit Chromspangen und ein LED-Leuchtband. In den Innenraum des EQV hat es jetzt auch das Infotainment-System MBUX geschafft. Allerdings wurde das Bedienkonzept durch E-Anzeigen wie Reichweite, Energiefluss oder Stromspartipps ergänzt.

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Über 50.000 Euro soll der Q4 E-Tron später kosten.

(Foto: Holger Preiss)

Auch Audi ist mit einem neuen Strom-SUV nach Genf gezogen. Q4 E-Tron heißt das gute Stück, soll im kommenden Jahr in den Schauräumen stehen und wird wohl mindestens 50.000 Euro kosten. Bei den technischen Daten reden die Ingolstädter von zwei Motoren, die zusammen 306 PS leisten. Strom gibt es aus einem Akku mit 82 kWh, der erst nach 450 Kilometern leer sein soll. Wie alle kommenden Elektrofahrzeuge nutzt auch der Audi den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) von Volkswagen.

Schöne E-Mobilität aus Spanien

Die Wolfsburger selbst präsentieren das, was sie auf Messen seit Jahren machen: eine weitere I.D.-Studie. Diesmal in Form eines Buggys, die an den Strandflitzer aus den 1960er-Jahren erinnern soll. Wieder in den Fokus der Realität rückt Seat das Bild mit seiner wirklich gelungenen Studie des El-Born, dessen Name übrigens auch der eines sehr hippen Stadtteils in Barcelona ist. Der ein wenig an den Altea erinnernde Stromer soll mit seiner 62-kWh-Batterie 420 Kilometer weit kommen, der E-Motor leistet 204 PS und der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h gelingt in 7,5 Sekunden.

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Optisch sehr gelungen: der El-Born von Seat.

(Foto: Holger Preiss)

Der Innenraum des El-Born wirkt sehr aufgeräumt, nur noch wenige Schalter und Knöpfe befinden sich am Lenkrad und auf der linken Seite des Armaturenbretts. Ansonsten gibt es zwei große Displays hinter dem Lenkrad und in der Mittelkonsole. Ob der Stromer bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommt, steht noch nicht fest, aber dass er wie der VW ID in sächsischen Zwickau gebaut werden soll, ist beschlossene Sache.

Auch bei Kia findet man Elektroautos. Allerdings sind die Koreaner mit ihrem elektrifizierten Niro schon auf dem Markt. Sie stellen dem jetzt aber noch den Kia E-Soul an die Seite. Auch hier beträgt die angesagte Reichweite 400 Kilometer. Mit der Studie Imagine und ihren 21 Monitoren im Innenraum zeigen die Asiaten dann auch noch, wo die Elektro-Reise in Zukunft hingehen soll.

Fiat bringt "Elektromobilität für alle"

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Mit dem Centovento will Fiat die E-Mobilität für alle erschwinglich machen.

(Foto: Holger Preiss)

Fiat zeigt in Genf mal wieder, dass noch Leben in der Marke steckt. Die Italiener besinnen sich auf ihre Wurzeln und kündigen mit dem Concept Centoventi die "Elektromobilität für alle" an. Der Mini-Stromer kann dank seiner modularen Auslegung dem Geschmack und dem Reichweitenbedarf der Kunden angepasst werden. So lassen sich Batteriemodule ordern, die für 100 bis 500 Kilometer Strom liefern. Die Upgrade-Akkus können nicht nur verkauft, sondern auch gemietet werden. Eine der Batterien lässt sich zudem ausbauen und im eigenen Wohnzimmer an der Steckdose aufladen.

Dass der Wagen optisch an Erfolgsmodelle wie Uno und Panda I erinnert, ist natürlich gewollt. Ob die Idee, dass die einzig verfügbare Farbe ein schlichtes Grau ist, eine gute ist, muss sich noch erweisen. Um dennoch etwas Individualität ins Spiel zu bringen, bietet Fiat für den Centoventi unterschiedlichste Folierungen an. Wer will, kann den Kleinwagen mit Stoffverdeck zum Cabrio machen. So klein der Wagen mit 3,70 Metern Länge ist, so viel Platz bietet er im Innenraum. Das Armaturenbrett verfügt zum Beispiel über kleine Löcher, die mithilfe eines Stecksystems den Einbau von zusätzlichen Komponenten ermöglichen. Selbst auf eine Instrumententafel kann der Käufer später verzichten. Stattdessen kann man das eigene Smartphone hinter dem Lenkrad einklinken und sich darüber mit dem Nötigsten versorgen.

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Der Fiat im Innenraum absolut reduziert und dennoch echt schick.

(Foto: Holger Preiss)

Wer jetzt glaubt, dass die Studie der Italiener nur ein Show Car für die Messe ist, der irrt. Fiat meint es nach eigenen Aussagen durchaus ernst. Beworben wird es jedenfalls als das preiswerteste und in allen Belangen unkomplizierteste Elektroauto, das es bis dato auf dem Markt gibt. Man darf also gespannt sein. Nicht nur auf den Fiat, sondern insgesamt. Genf jedenfalls vermittelt in diesem Jahr das Gefühl, dass die Elektro-Reise gerade begonnen hat und zu einem großen elektrisierenden Abenteuer werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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