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Performance eine Etage höher BMW schickt X3 und X4 als Wettkämpfer

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Ob man seinerzeit in Woodstock auf ein Auto wie den BMW X4 M abgefahren wäre?

(Foto: Holger Preiss)

Der BMW M3 gilt vielen als Maß der Dinge, wenn es um Performance geht. Jetzt hat die M GmbH sich den X3 und X4 vorgenommen, um genau diese Dynamik "ein Stockwerk" höher zu legen. n-tv.de durfte die neuen Competition-Modelle bereits fahren.

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Mit 510 PS bildet die Competition-Ausführung des BMW X4 M die Leistungsspitze.

(Foto: Holger Preiss)

Es ist schon komisch, die Autohersteller propagieren ihre Elektrooffensive und das fahrende Volk interessiert sich nach wie vor vor allem für potente, große, antriebsstarke Autos. Am meisten noch für SUV, die alle diese Attribute erfüllen. Allein im letzten Jahr wurden 100.000 BMW mit dem Zusatz M verkauft, insgesamt 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Der erfolgreichste Bolide aus der M-Schmiede war übrigens der X3 M40i. Das SUV schwang sich mit seinen weltweiten Verkaufszahlen zum erfolgreichsten M aller Zeiten auf. Ein Umstand, den sich BMW zunutze macht, um die M-Flotte um zwei Neuzugänge in zwei Leistungsstufen zu erweitern: den X3 M und den X4 M.

Unter der Haube des SUV und des SUV Coupés pumpt "der stärkste jemals in einem BMW M Automobil eingesetzte Reihensechszylinder" mit Benzin-Befeuerung. Aus 3,0 Litern Hubraum schöpft der Sechsender wahlweise 480 oder 510 PS. Den Hammer schwingen natürlich die Modelle mit dem Zusatz "Competition". In beiden Leistungsstufen wird ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmetern generiert. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Sprint auf Landstraßentempo lediglich um 0,1 Sekunde differiert. Für die Competition-Ausführung vermeldet das Datenblatt 4,1 Sekunden, was ebenso glaubhaft ist wie die Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h.

Mit der Fahrdynamik eines M3

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Der BMW X4 Competition macht sich auch gut auf der Rennstrecke.

(Foto: Uwe Fischer)

"Unser Ziel war es", so der neue Chef der M GmbH, Markus Flasch, "die Fahrdynamik eines M3 in den ersten Stock zu übersetzen". Und tatsächlich trägt nicht nur der intern als S58 bezeichnete, immens drehfreudige Reihensechszylinder dazu bei. Hinzu kommen eine 8-Gang M Steptronic, die erstmals im M5 vorgestellt wurde und die Kraft permanent an alle vier Räder verteilt. Auch das Fahrwerk wurde auf die Motorleistung abgestimmt und durch Karosserieversteifungen verfeinert. Am Ende sind X3 M und X4 M konsequent auf Sport ausgerichtet.

Doch der Reihe nach: Highend sind die Competition-Modelle, weshalb sie hier natürlich auch im Fokus stehen sollen. Und ganz ehrlich, die 30 PS Mehrleistung lassen sich abstrahieren und so dürfte alles, was hier für die Leistungsspitze erfahren wurde, auch für die "schlichten" M-Ausführungen gelten. Nur der Preis nicht, der differiert nämlich beim X3 M und X4 M zu den Competition-Brüder um 8500 Euro. Für den X3 M Competition rufen die Bayern 93.400 Euro auf, für den X4 M Competition 95.600 Euro.

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Spaß gibt es mit den Competition-Modellen auch abseits des Rundkurses. Eigentlich sogar mehr.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wer die knapp 100.000 Euro investiert, bekommt tatsächlich eine außergewöhnliche Fahrmaschine. Wobei einschränkend angemerkt werden muss, dass auch die Wettkampfausführungen bei aller Performance nicht die bevorzugten Fahrzeuge für die Rennstrecke werden dürften. Aber, und das muss ausdrücklich gesagt werden, sie können es. Getestet wurde das auf dem Gelände des Monticello Motor Clubs im US-Bundesstaat New York, auf einem 6,6 Kilometer langen Track, der alles bietet: hängende Kurven, ein schnelles S und lange Geraden, um Fahrt aufzunehmen.

Der lässt nichts anbrennen

Für die Freunde der schnellen Runde hat BMW in seinen Performance-Modellen zwei sogenannte M-Tasten am Lenkrad platziert. Die lassen sich individuell belegen und sorgen dafür, dass je nach persönlichem Gusto die Dämpfereinstellung, Schaltpunkte und Fahrstabilisierung vorkonfiguriert werden können. So präpariert kann bei den Rundenzeiten eigentlich nichts anbrennen. Das Gaspedal auf der Piste einmal richtig ins Blech gerammt, dreht der Sechszylinder mit solcher Freude auf, dass es den Fahrer vehement in die belederten Sportpolster presst, denn das maximale Drehmoment liegt bereits ab 2600 Kurbelwellenumdrehungen an und steht bis 5950 Umdrehungen. Hat sich der Drehzahlmesser auf die 6250 geschoben, ist die Höchstleistung erreicht und bei 7200 knallt die 8-Gang-Automatik die nächsthöhere Fahrstufe rein.

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Mit den roten M-Tasten am Lenkrad lässt sich der Fahrspaß im X4 M Competition noch steigern.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Natürlich kann der Pilot auch hier selbst Hand an die Schaltwippen legen und die Gänge hoch und runter stellen. Aber wie so oft würde der Autor empfehlen, die Elektronik die Arbeit machen zu lassen. Nur dann hat der Nicht-Profi eine Chance, den Boliden freudvoll unter Kontrolle zu halten, denn M hat dafür gesorgt, dass der Antrieb gewohnt hecklastig ausgelegt ist. Was wiederum nicht anderes bedeutet, als dass die hier beschleunigten zwei Tonnen ausgesprochen zackig mit dem Hinterteil wedeln können. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass der M Dynamic Mode zusätzlichen Radschlupf zulässt, um so kontrollierte Driftmanöver zu ermöglichen. Aber auch das will gelernt sein. Wer dann aber mit der von BMW gewohnt präzisen und engen Lenkung sauber in die Kurve eintaucht, sanft am Gas bleibt und am Kurvenausgang, wenn die Räder wieder in der Spur sind, auf den Pin drückt, wird erstaunt sein, mit welcher Leichtigkeit der Bolide unterwegs ist.

Der Sound-Zahn ist gezogen

Allerdings muss allen Sportfreunden an dieser Stelle der Sound-Zahn gezogen werden. Denn bei allen Neuerungen, die der Reihensechszylinder aufweist, bei aller Eleganz der Kraftentfaltung, bei aller Drehfreude, bei aller M- TwinPower-Turbo-Technologie, die zwei Otto-Partikelfilter und vier Katalysatoren verhelfen dem Hochleistungs-Triebwerk zwar zu dem verordneten Emissionsverhalten, aber auch zu einer fast erschreckenden Tonlosigkeit. Klar knurrt das Aggregat sonor vor sich hin, wechselt im Bassbereich die Tonart und verhehlt nicht seine Sportlichkeit. Aber dieses BMW-typische Spratzen, diese wunderbaren Schüsse aus dem Hintergrund, die sonst durch die elektrisch gesteuerten Klappen erzeugt werden, die vermisst man beim X3 M Competition ebenso wie beim X4 M Competition. "Wir haben alles, was uns die Gesetzeslage an Sound ermöglicht, herausgeholt", versichert Robert Biebl, Projektmanager Powertrain. Und das klingt aus seinem Mund genauso glaubhaft wie aus den Endrohren der SUV-Boliden.

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Vor der Kurve rettet den BMW M X4 Competition die Sportbremsanlage.

(Foto: Uwe Fischer)

Zurück auf die Rennstrecke, das Gewicht eines SUV - immerhin ballern hier an die zwei Tonnen ums Eck - bleibt spürbar. Zwar auf hohem Niveau "in den ersten Stock verschoben", aber es ist bei aller Dynamik nicht wegzureden. Wenn es am Ende doch mal eng wird, rettet den Fahrer die M Compound Bremsanlage. Deren Bremssättel stammen übrigens aus dem M 760i, dem nach dem X7 wohl schwersten BMW. Was nichts anderes heißt, als dass die Kolben vorn in 395 Millimeter und hinten in 370er-Scheiben hacken. Wer hier also den Anker wirft, der kommt auch bei 220 km/h auf der Geraden am Kurveneingang rechtzeitig auf die richtige Geschwindigkeit.

Richtig Spaß gibt's auf der Landstraße

Doch so richtig Spaß macht das Gesamtpaket der beiden M-SUV erst auf der Straße. Noch besser auf kurvenreichen Landstraßen, auf denen die beiden ihre Vielfältigkeit noch besser zeigen können. Hier spürt man die feinsinnige Abstimmung des Fahrwerks, die hohe Spreizung zwischen Dynamik und Fahrkomfort sowie den linearen Aufbau von Querkräften. Klar, ein M wird auch mit seinem adaptiven Fahrwerk nie als Sänfte über den Asphalt schweben. Aber der hier geschaffene Kompromiss versetzt beide Modelle auch in die Lage, als gutmütige und bequeme Langstreckler die Kilometer zu fressen, ohne die Insassen in einer Tour zu stauchen. Vielmehr sorgen die elektronisch geregelten Dämpfer nicht nur für einen hohen Alltagskomfort, sondern auch für eine gehörige Portion Fahrspaß auf der Straße.

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Beim Sound der Competition-Modelle hätte man sich etwas mehr gewünscht.

(Foto: Holger Preiss)

Hier können die M nämlich deutlich flotter um die Kurven schlenzen, profitieren einfach von dem, was ihnen für die Rennstrecke an die Hand gegeben wurde. Nur, dass es sich hier viel harmonischer umsetzen lässt, weil die Geschwindigkeiten hoch sein können, man sich aber nicht ständig selber zwingt, an den Grenzbereich zu fahren. Einmal mehr sorgt die M-Servotronic-Lenkung für präzises Einlenkverhalten und ausgezeichnete Rückmeldungen an den Fahrer. Unterbrochen wird das nur durch die elektronischen Helferlein, namentlich den Spurhalteassistenten.

Der greift wie bei BMW üblich konsequent ins Geschehen ein, wenn er glaubt, der Fahrer habe die Fahrbahnmarkierung unwissentlich überlaufen. Letztlich führt das dazu, dass die Systeme per Knopfdruck deaktiviert werden. Allerdings bietet BMW auch die Möglichkeit, sich die kleinen Helferlein individuell einzurichten. Was sehr zu empfehlen ist, denn im alltäglichen Straßenverkehr können die schon sehr hilfreich sein.

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Sportsitze, die auch für die Langsstrecke taugen. Eine feine Zugabe im M X3 und M X4 Competition.

(Foto: Uwe Fischer)

Nun kann man am Ende wieder über Sinn und Unsinn von Fahrzeugen wie den X3 M und X4 M Competition diskutieren. Klar, wird der Purist sagen, ein X3 oder ein X4 mit 184 PS tut es auch. Da hat er unbenommen recht. Aber wer das Mehr liebt, den puren Fahrspaß sucht und wem das nötige Kleingeld nicht fehlt, der soll doch auch eine Rennmaschine im SUV-Look bekommen können. In Deutschland ist das übrigens erst ab September möglich, denn gestartet wird im Juli in den USA, dann folgt im August China, im Anschluss ist Europa dran.

Quelle: n-tv.de

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