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Keiner ist wie er CLA Coupé - der sportlichste Kompakte?

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Einmal mehr mit der AMG-Ausstattungslinie macht der Mercedes CLA eine sportliche Figur.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Der Mercedes CLA ist kometenhaft aufgestiegen. Kaum dass er da ist, verkauft er sich wie geschnitten Brot. In den letzten fünf Jahren werden 750.000 Exemplare weltweit abgesetzt. Auch der neue CLA soll jetzt die Kassen klingeln lassen. Aber hat er das Zeug dazu?

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Das Heck des neuen CLA zitiert den sportlichsten Daimler, den GT.

(Foto: Konstantin Tschovikov)

Wenn Mercedes vom neuen CLA Coupé spricht, dann immer auch mit dem Hinweis, dass die Ingenieure hier das sportlichste Auto in der A-Familie auf die Räder gestellt haben. Aber nicht nur das: Tatsächlich gibt es auch bei anderen Herstellern nichts Gleichwertiges im Programm. Erst mit dem kommenden 2er BMW, den es auch als viertüriges Coupé geben soll, könnte den Stuttgartern hier eine Konkurrenz erwachsen. Aber bis dahin fließt noch einiges Wasser die Isar hinunter.

Bis es also so weit ist, kann das CLA Coupé für sich in Anspruch nehmen, der sportlichste Kompakte im Segment zu sein. Optisch dürfte es hier auch gar keine Diskussionen geben. Der Wagen ist gelungen. Sharknose, neue Lichtgrafik, große Lufteinlässe und Powerdomes auf der Motorhaube zieren die Front. Fließende Dachlinie, rahmenlose Scheiben, kräftiger Schweller und bis zu 19 Zoll messende Räder prägen die Seitenansicht und das Heck ist eine bewusste Hommage an den sportlichsten Mercedes, den GT. Ergo: wer das CLA Coupé in Augenschein nimmt, wird keine Zweifel haben, einen echten viertürigen Sportwagen vor sich zu haben.

Moderne Eleganz und Sportlichkeit

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Das Innenleben des CLA kennt man aus der Mercedes A-Klasse.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Im Innenraum vereinen sich, nun, wir wollen es an dieser Stelle moderne Eleganz nennen, und Sportlichkeit, wie man sie bereits aus dem Vorgänger kennt. Wer das Automatikgetriebe ordert, bekommt Schaltwippen, auch knackige und wirklich fein zu besetzende Integralsitze sind im Angebot und am großen Zentraldisplay können Tacho und Drehzahlmesser in Race-Gelb strahlen. In den Händen ruht ein griffiges Sportlenkrad mit Touch-Flächen, über die mit den Daumen sämtliche Anzeigen und entsprechende Funktionen gesteuert werden können, die je nach Ausstattung hinterlegt sind. Das Angebot reicht hier von Vitalisierungsprogrammen für den Fahrer über ein- oder vielfarbiges Ambientelicht bis hin zur Einstellung der Assistenten und tausendfacher Musikabfrage aus dem Internet. Selbstredend kann das auch über Sprachbefehle abgerufen werden, über das Touchpad in der Mittelkonsole oder per Fingerzeig, also Gesten.

Aber wir schweifen von der Sportlichkeit ab. Was im Endeffekt nämlich für den Piloten neben Optik und digitalem Know-How die Dynamik eines Wagens ausmacht, ist das Triebwerk. Derer bietet Mercedes für das CLA Coupé in Summe sechs: drei Benziner und drei Diesel, wobei die 1,33-Liter-Benziner in zwei Leistungsstufen antreten. Es gibt das von Renault entwickelte und in Stuttgart applizierte Triebwerk mit 136 und 163 PS. Das Einstiegsmodell, dessen Preis mit einem Handschalter über sechs Stufen bei 31.475 Euro startet, war für eine erste Probefahrt nicht im Angebot, aber der CLA 200 mit mehr Leistung und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Einige Veränderungen zur A-Klasse

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In der Silhouette wird der Unterschied zwischen CLA und A-Klasse Limousine eindeutig.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Und tatsächlich hört sich die Zahl 163 recht sportlich an, auch das 7-Gang-DSG sorgt beim Besteigen nicht für ein bängliches Gefühl, dass das Coupé untermotorisiert sein könnte. Allenfalls werden Erinnerungen an die ersten Testfahrten in der A-Klasse in gleicher Kombination geweckt, die nicht so berauschend waren. Beim Coupé hingegen wurde einiges geändert: Das Zusammenspiel von Motor und Getriebe ist hier geschmeidiger, wenngleich die Kritik an mangelnder Leistung bei spontanem Kraftabruf sich auch hier nicht wegdiskutieren lässt. 1332 Kubikzentimeter Hubraum sind eben, egal wie man sie abstimmt, keine sportliche Leistungsklasse. Und ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmetern schiebt 1,4 Tonnen auch nicht trackverdächtig an. Dennoch verstreichen lediglich 8,2 Sekunden bis Tempo 100 und am Ende kann der 200er sogar 229 km/h schnell werden.

Das ist gar kein schlechter Wert. Was am Ende einmal mehr an der Leistungsfähigkeit zweifeln lässt, ist das angestrengte Aufschreien des Aggregats, wenn es ans Eingemachte geht. Aber auch daran ist mit Blick auf die A-Klasse gearbeitet worden. Die Dämmung zum Motorraum ist jetzt doppelwandig und filtert schon einiges an Klangkulisse raus. Zudem muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass der Fahrer, der auf exzessive Kampfansagen auf dem Asphalt verzichtet, mit dem CLA 200 durchaus angenehm reisen kann. Hier kommt ihm auch die sportliche Ausrichtung des Fahrwerks zugute, das unter anderem, im Vergleich zur Limousine, eine an der Vorderachse um fünf Zentimeter und an der Hinterachse um sechs Zentimeter breitere Spur aufweist.

Dynamik mit dem CLA 250

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Der CLA ist ein Fünfsitzer, aber wirklich bequem reisen im Fond nur zwei Personen, die nicht zu hoch gewachsen sind.

(Foto: Konstantin Tschovikov)

Die Dämpfung erfreut durch viel Fahrkomfort und wenig Informationen über die Beschaffenheit der Straße. Wer sich also entschließt, geschmeidig dahinzucruisen, wird auch mit dem 163-PS-Motor keine Probleme haben. Schon gar nicht beim Verbrauch - der zeigte sich selbst beim häufig vehementen Tritt auf den Pin mit 8,9 Litern kommod. Wer den Gasfuß zu Hause lässt, sollte auch mit 7,0 Litern hinkommen. Nun könnte der sportlich getriebene Fahrer sich vielleicht nicht so sehr am Verbrauch orientieren, sondern eher an den Datenblattwerten. Die würden dann klar auf den CLA 250 weisen: 2,0-Liter-Vierzylinder mit 224 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern, das bereits bei 1800 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung gestellt wird.

Klar, das liest sich nicht nur anders, das fährt sich auch so. Mit dem 250er ist der Standardsprint mit einem vorgeschalteten minimalen Turbo-Loch in lockeren 6,3 Sekunden abgeschlossen. Das Durchreichen der sieben Schaltstufen geht flott nach oben und unten und die Soundkulisse wird im Sport-Modus von einem Aktuator bestimmt, den der eine als dezent empfindet, der andere als nervig. Abschalten lässt er sich nicht - wer das sportliche Knurren nicht hören will, der muss in Comfort fahren oder zur individuellen Einstellung greifen. Allerdings wird dann auch das spontanere Ansprechverhalten des Motors gedrosselt. Fahrwerksseitig scheint das in allen Testwagen verbaute adaptive Fahrwerk im CLA 250 sportlicher abgestimmt. Entwicklungschef Jochen Eck versichert aber, dass es hier keine Unterschiede gibt.

Der eigentliche Sportler ist ein Diesel

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Der 220 d trägt mit dem 2.0 Liter Diesel das überzeugendste Triebwerk unter der Haube.

(Foto: Konstantin Tschovikov)

Wie dem auch sei: Der CLA 250 geht ordentlich nach vorn, das DSG verrichtet einen guten Job, bei Leistungsabruf ist der Vierzylinder hellwach und mit einem Verbrauch von 12,9 Litern bei sportlicher Fahrweise und 8,5 beim Gleiten kann man gut leben. Aber der eigentliche Sportler ist der 220 d. Ja, Sie lesen richtig, der Diesel ist das Triebwerk der Testfahrt. Keiner der Benziner hat so souverän angeschoben, hing besser am Gas, reagierte spontaner auf Leistungsabrufe als der Selbstzünder. Dabei sind es lediglich 190 PS, die aus dem Vierzylinder mit 1950 Kubikzentimetern Hubraum gekitzelt werden. Eine 8-Gang-Automatik verteilt die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment je nach Ausstattung ohne jeden Verzug an alle vier Räder oder nur an die Vorderachse.

Hier ist der Sprint auf Tempo 100 in 7,1 Sekunden vollbracht und das Spitzentempo liegt bei 244 km/h. Wer den Diesel mit schwerem Fuß auf Kurs hält, wird erstaunt einen Verbrauchswert von 8,9 Litern verzeichnen. Hält sich der Fahrer zurück, sind lediglich 5,3 Liter über 100 Kilometer verbrannt. Hinzu kommt, dass der Klang des Aggregats im Vergleich mit den Benzinern viel besser gefällt. Ja, das ist Geschmacksache, aber hier war keine Spur von Anstrengung zu hören, dafür aber ein sportliches Brummen, das an das Knurren eines Tigers erinnert, der die Beute zwischen den Fängen hält.

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Das Gepäckabteil des Mercedes CLA schluckt 460 Liter. Zudem lässt sich die Rückbank im Verhältnis 40:20:40 umklappen.

(Foto: Konstantin Tschovikov)

Wer jetzt noch was Meckriges hören will, der soll es bekommen: In manchen schnell gefahrenen Kurven schien die Lenkung einen Tick zu sehr zu zuziehen und wirkte ob des aufgebauten Gegendrucks etwas synthetisch. Aber hey, wer einen echtes Sportscar haben will, der muss auf den AMG CLA 35 warten. Der kommt im August und wurde gerade auf der Automesse in New York vorgestellt. Unter der Haube arbeitet der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor mit 306 PS. Die Kraft wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und den Allradantrieb variabel auf alle vier Räder verteilt. Der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h gelingt in 4,9 Sekunden. Der Topspeed liegt bei abgeregelten 250 km/h.

Allerdings dürfte der Sportler im Vergleich mit dem 220 d verbrauchs- und preistechnisch in einer anderen Liga spielen. Den CLA 250 gibt es frontgetrieben ab 39.500 Euro, als Allrad werden bereits 41.700 Euro fällig. Insofern dürfte der AMG CLA 35 nicht unter 50.000 Euro zu haben sein. Auch beim Diesel kann momentan nur geschätzt werden, da Mercedes die Preise noch nicht kommuniziert hat. Das Vorgängermodell kostete 39.834 Euro. Hier dürfte auch der Neue seinen Anfang nehmen.

Natürlich ist bei keinem der hier gefahrenen Autos das Ende der Preisliste erreicht. Mercedes bietet auch für den CLA neben einem brillanten Head-Up-Display, Assistenzsystemen auf dem Niveau der S-Klasse und mit MBUX sogar etwas, das der Luxusliner noch nicht hat. Auch Augmented Reality ist dem Mutterschiff noch fremd. Was der CLA wie die S-Klasse beherrscht, ist das selbständige Fahren im Stau, den Spurwechsel ohne Zutun des Fahrers nach dem Setzen des Blinkers oder auch Abstand zum Vordermann und Spur halten, bremsen und einparken. Natürlich hat das seinen Preis und wer alle hier genannten Vorzüge in der Optionsliste ankreuzt, wird für seinen CLA 220 d wohl mindestens 40.500 Euro berappen müssen. Man hat dann aber auch die Gewissheit, ein Auto mit Euro-6d zu fahren, das so im gesamten Segment momentan bei keinem anderen Hersteller zu finden ist.

Quelle: n-tv.de

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