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Keine Anträge - keine Zulassung Hersteller meiden derzeit die Euro-6d-Norm

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Bislang sind auf Deutschlands Straßen keine Autos mit Euro-6d-Norm unterwegs.

(Foto: picture alliance / Matthias Balk)

Es ist die erste Abgasnorm für Labor- und Straßentests. Doch Autohersteller nutzen sie bislang nicht. Die Grünen sehen darin den Beweis, dass die Rede der Hersteller vom sauberen Diesel nur heiße Luft ist.

Seit Anfang September ist die Abgasnorm Euro-6d für bestimmte neue Modelle verpflichtend - trotzdem ist nach aktuellem Stand bislang kein Dieselauto mit dieser Norm zugelassen worden. Mit Stand zum 6. September hätten dem Kraftfahrt-Bundesamt "keine Anträge" für Typgenehmigungen zur Prüfung vorgelegen, erklärte das Bundesverkehrsministerium in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage. Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer sagte, dies sei "leider typisch" für die Autoindustrie. Die Bundesregierung habe zudem "keine Informationen" darüber, ob bei anderen europäischen Genehmigungsbehörden Anträge zur Typgenehmigung von Euro-6d-Dieselautos vorlägen, erklärte das Verkehrsministerium weiter.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums forderte die Autobauer auf, sich mit der Norm Euro-6d "zu beeilen", damit sich Verbraucher im Rahmen der von den Herstellern versprochenen Umtauschaktionen "saubere Diesel" kaufen könnten. Krischer sagte dazu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die Automanager redeten "von nichts anderem", als von Euro-6d-Autos. "Aber man kann sie nicht kaufen, nirgendwo."

"Viele Ankündigungen, viele Versprechen - aber am Ende bleibt wenig bis gar nichts übrig", monierte der Grünen-Politiker. Gerade jetzt bestehe die Chance für einen Neuanfang. Die Hersteller verkauften allerdings noch ihre Diesel-Fahrzeuge mit der schlechten Abgasreinigung, "weil hier die Gewinnmargen höher sind".

Die Abgasnorm Euro-6d ist die erste Abgasnorm, bei der die Grenzwerte für Stickoxide nicht nur auf dem Prüfstand im Labor, sondern auch unter realen Fahrbedingungen erfüllt werden müssen. Bei einer rund ein- bis anderthalbstündigen Testfahrt werden verschiedenen Bedingungen geprüft wie eine sportliche Fahrweise, eine Bergfahrt, eine Fahrt bei Kälte oder Autobahnfahrten. Dazu wird am Auto ein mobiles Messgerät angebracht. Die CO2-Werte werden aber weiterhin nicht auf der Straße gemessen. Die Messung der Real Driving Emissions (RDE) ist seit September für die Typzulassung neuer Modelle verpflichtend. Für alle Neuzulassungen wird sie erst ab 1. September 2019 Pflicht.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP