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Individualität auf AmerikanischLucid Air Sapphire - E-Limousine mit 1251 PS eine der schnellsten der Welt

11.07.2026, 15:14 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
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Die elegant gezeichnete Reiselimousine des US-amerikanischen Herstellers Lucid fällt im Alltag kaum auf. Viele Exemplare des Air sind in Deutschland nicht unterwegs. (Foto: Patrick Broich)

Wer eine rasante Oberklasse-Limousine einer Alternativmarke möchte statt deutscher Kost, ist bei Lucid nicht schlecht aufgehoben. Wie wäre es mit einem Air Sapphire? Er ist exklusiv, komfortabel, ziemlich temperamentvoll - aber auch sündhaft teuer.

Warum einen BMW oder Mercedes kaufen, wenn es auch Lucid gibt? Die Frage darf man getrost stellen, zumal Lucid so eine Art Star im Verborgenen ist aus dem Silicon Valley. Nicht Masse-Tesla, sondern exklusiv-amerikanisch mit in der Tat guter Substanz. Man kann sagen, dass Lucid ganz sicher die am feinsten verarbeiteten US-Cars sind mit edlem Finish und solider Verarbeitung. Und so zeigt sich auch der Air-Sapphire-Testwagen von seiner wohnlichen Seite mit sportiven, aber ebenso komfortablen Sesseln. Und allein schon der architektonisch schick inszenierte Screen zeigt, dass hier nicht einmal irgendwo abgekupfert wurde angesichts einer individualistischen Note.

Das Modell ist bereits länger auf dem US-amerikanischen Markt und hat mittlerweile auch in Europa seine kleine Fangemeinde gefunden. Doch dieser Air ist nicht einfach ein Air. Es geht um die nachgereichte Ausbaustufe namens Sapphire mit Leistungswerten jenseits von Gut und Böse. So nennt der Hersteller 1251 PS, schwimmt also ganz vorn mit bei der Leistungselite, die immer größer wird. Jetzt könnte man sagen, damit ist der Lucid nur noch einer von vielen. Das stimmt zwar, aber er hat schon noch Eigenheiten und setzt Akzente.

Denn erstens darf die Powerlimousine als maximal dezent durchgehen - niemand hat den unscheinbaren Lucid als Porsche-Killer auf dem Schirm. Und zweitens ist der Ami ein veritabler Komfort-Cruiser und animiert gar nicht mal unbedingt dazu, die knapp 2000 Newtonmeter Drehmoment ständig abzurufen. Und dann wäre da noch ein kleines Sternchen mit Fußnote: Die Leistungsmonster aus Stuttgart, München oder Ingolstadt haben inzwischen alle vierstellige PS-Werte oder rangieren zumindest nahe der Vierstelligkeit - aber mit 330 km/h ist keiner der Kandidaten in den Papieren eingetragen.

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Eine größere Abrisskante zeigt dem Insider, dass es sich um den ultrastarken Sapphire handelt. (Foto: Patrick Broich)

Mit Lucid Air lässt sich überbeanspruchen

Andererseits: Ein stabiler Mega-Performer ist der Top-Air freilich nicht, das muss man als Interessent wissen. Deutschland ist ein Highspeed-Sondermarkt. Und gerade im oberen Geschwindigkeitsbereich sind elektrische Antriebe thermisch massiv belastet. Die gute Nachricht ist, dass der Lucid Höchstgeschwindigkeit durchaus erreicht, lediglich die Reproduzierbarkeit ist eingeschränkt.

Wenn man aber nicht in die thermische Überbeanspruchung geht, also das Topspeed-Potenzial nicht ständig ausreizt, ist der Allradler mit drei Motoren ein wahrhaftiges Beschleunigungsmonster (zwei Sekunden bis 100 km/h). Und zwar so arg, dass vielen Mitfahrern ohnehin tendenziell übel wird. Wenn man das auf die Spitze treiben und es im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen quer treiben möchte, hilft der Trackmode weiter.

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Architektonisch präsentiert sich der Lucid Air durchaus fein. (Foto: Patrick Broich)

Inkompetent beim Thema Kurvendynamik ist der Zweieinhalbtonner nicht. Der Vorteil zweier unabhängiger Motoren an der Hinterachse ist eben präzises Torque-Vectoring. Beim Verbrenner müsste ein vergleichsweise träges Sperrdifferenzial die Kraftverteilung vornehmen.

Oder doch lieber den großzügigen Raum wie klimatisierte Massagesitze genießen und weites Land erkunden? Das geht mit dem Lucid Air nämlich ziemlich gut, obwohl der Sapphire ein strafferes Fahrwerk mit steiferen Buchsen erhalten hat. Nach dem Motto "harte Hülle und weicher Kern" nimmt er seine Gäste mit mächtigen Fauteuils auf und bettet sie kommod. Und dann kann es an weit entfernte Ziele gehen - ein Vorhaben, bei dem auch Batterie wie Effizienz mitspielen.

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Platz ohne Ende für die Beine hält die zweite Reihe im Lucid Air bereit. (Foto: Patrick Broich)

Knapp 700 Kilometer Reichweite sind bei diesem Fünf-Meter-Liner nicht bloß graue Theorie, sondern Bordcomputer-Realität. Bleibt die Frage, wie schnell nachgefasst werden kann. Ziemlich schnell, wenn man überlegt, dass die ersten Air bereits vor fünf Jahren auf US-amerikanischen Straßen unterwegs waren. Im Ladetest konnten unter guten Bedingungen binnen 20 Minuten rund 350 Kilometer an Reichweite gewonnen werden. Und die Batterie lässt sich manuell konditionieren, was in der Praxistauglichkeit punktet.

Apropos Praxistauglichkeit. Zwar pflügt man intuitiv durch den großen Touchscreen in der Mittelkonsole, aber die Idee, auch die Außenspiegel hier zu verstellen, ist keine sinnvolle. So ist das eben, wenn Design an erster Stelle steht. Doch am Ende ist Design womöglich mit ein triftiger Kaufgrund für den stärksten Lucid Air. Denn man sieht ihm seine Power gar nicht an. Die im Vergleich zu den zivilen Modellen etwas höhere Abrisskante auf dem Heckdeckel - geschenkt. Und die 295er-Pneus der 30er-Serie verschwinden sowieso fast auf dem mächtigen Auto.

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Der Frunk des Air fällt besonders groß aus. (Foto: Patrick Broich)

Mächtig ist allerdings auch sein Preis. Denn mit 250.000 Euro lässt er sich seine Individualität mehr als üppig vergüten. Er ist zwar ordentlich ausgestattet bis hin zu Keramikbremsscheiben (die man nicht wirklich braucht), aber der Wettbewerb schläft nicht - gerade technologisch. Wer aber eine abgedrehte Performance-Limousine sucht mit höchstem Seltenheitswert: Voilà, Lucid Air Sapphire.

Quelle: ntv.de

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