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Gebrauchtwagencheck Mercedes GLC - zuverlässig, ein Problem

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Der Mercedes GLC gehört zu den meistverkauften Fahrzeugen aus Stuttgarter Produktion.

(Foto: Mercedes)

Im letzten TÜV-Report wurde der Mercedes GLC als Klassenbester ausgezeichnet. Weniger Mängel hat in diesem Segment keiner. So gesehen ein perfekter Gebrauchter. Doch eine kleine Schwäche leistet sich der Stuttgarter Musterschüler dennoch, und die gilt es zu beachten.

Von keinem Auto verkaufte Mercedes mehr Fahrzeuge als vom Mittelklasse-SUV GLC. Seit seinem Start im September 2015 sind mehr als 1,5 Millionen Exemplare auf die Straße gebracht worden. Logisch, dass auch die Gebrauchtwagenbörsen unterdessen ein reichhaltiges Angebot des Stuttgarters vorhalten. Aber wie macht sich der GLC als Gebrauchter?

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Im Gegensatz zum Vorgänger GLK hat der GLC an Kanten im Blech verloren, aber an Dynamik gewonnen.

(Foto: Mercedes)

Der Nomenklatur- und Optikwechsel vom GLK (2008 bis 2015) zum GLC hat dem SUV nicht geschadet. Statt kantig und kernig wie der "K" kommt der "C" schnittig und mit sanft abfallender Dachlinie vorgefahren. Die Zugehörigkeit zur C-Klasse ist nicht mehr zu verleugnen und mit einer Länge von 4,66 Metern taugt das SUV auch noch für Standardparkplätze und -parkhäuser.

Ein Bruder der C-Klasse

Dabei hat der GLC im Vergleich zum Vorgängermodell um 12 Zentimeter in der Länge zugelegt. Auch der Radstand wuchs auf 2,87 Meter, in der Breite sind fünf Zentimeter dazugekommen. Nicht ganz überraschend hat sich dadurch das Platzangebot deutlich verbessert. Im Fond sitzen zwei Erwachsene kommod, der Mittelplatz taugt zumindest auf Kurzstrecke als Sitzgelegenheit für einen schlanken Mitfahrer. Nicht nur die Passagiere profitieren vom Längenwachstum. Der Kofferraum hat um 80 Liter auf 550 Liter zugelegt, maximal passen 1600 Liter hinter die große Klappe, in Summe ein Plus von 50 Litern.

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Das Interieur des GLC reicht von holzig gediegen bis zu sportlich und ist nah an der C-Klasse.

(Foto: Mercedes)

Die Innenraumgestaltung lehnt sich ebenfalls ganz klar an die C-Klasse an und setzt auf moderne und schicke Ausstattungselemente. Auch die geschwungene Mittelkonsole, der freistehende Bildschirm und die runden Luftauslässe kennt man in ähnlicher Form aus der C-Klasse. 2019 erhielt der GLC ein Facelift, bei dem an Chrom-Elementen nicht gespart wurde. Außerdem gab es neue LED-Scheinwerfer und einen leicht geänderten Kühlergrill. Auch die Heckleuchten samt Lichtgrafik wurden verändert.

Aus den vollen Schöpfen

Für den GLC stehen Benziner, Diesel sowie ein Plug-in-Hybrid zur Wahl. Als Einstieg fungiert ein 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 170 PS im 220d, darüber rangiert eine hubraumgleiche Variante mit 204 PS (250d). Ein Dreiliter-Sechszylinder (350d) mit 258 PS ergänzt das Angebot. Die Normverbrauchswerte liegen zwischen 5,0 und 6,2 Liter. Seit dem Facelift sind die neuen Diesel, in Form des 200d, mit 163 PS, 220d mit 194 PS und 300d mit 245 PS an Bord. Sie verfügen nun über eine verbesserte Abgasnachbehandlung sowie über einen zusätzlichen Unterboden-SCR-Katalysator zur Abgasreinigung.

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Das Angebot an Triebwerken ist, wie bei Mercedes üblich, auch beim GLC mehr als ausreichend.

(Foto: Mercedes)

Bei den Benzinern umfasst das Angebot Vier-, Sechs- und Achtzylinder. Einstiegsmotor ist der 2,0-Liter große Vierzylinderturbo mit 211 PS im 250. Als 300 kommt er auf 245 PS. Toptriebwerke sind die AMG-Versionen. Der Dreiliter-Sechszylinder (GLC 43) leistet 367 PS, der Achtzylinder (GLC 63) 476 PS und der GLC 63 S sogar 510 PS. Außerdem gibt einen Plug-in-Hybriden, den 350e, mit einer Systemleistung von 320 PS und 34 Kilometern rein elektrischer Reichweite.

Seit dem Facelift arbeiten die Ottotriebwerke im GLC 200 und GLC 300 mit elektrischer Unterstützung durch ein 48-Volt-System mit riemengetriebenem Starter-Generator. Das Plug-in-Hybrid-Angebot ist nun um einen 300de mit einer Systemleistung von 306 PS erweitert und einer rein elektrischen Reichweite von 90 Kilometern. Alle Triebwerke übertragen ihre Kraft über eine Neungangautomatik an alle vier Räder. Beim 4Matic genannte Allradantrieb wird die Motorkraft permanent an beide Achsen geleitet. Für Fahrer, die mittelschwere Wildnis unter die Räder nehmen wollen, gibt es optional ein Offroad-Paket inklusive Luftfederung, das spezielle Fahrprogramme für Fahrten auf Schotter, Eis, Sand oder mit Anhänger bietet.

Querlenker ist die Achillesferse

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Der Mercedes GLC ist Klassenprimus beim TÜV. Lediglich einer der vorderen Querlenker bereitet häufiger Probleme.

(Foto: Mercedes)

Den NCAP-Crashtest absolvierte der GLC 2015 mit einer Fünf-Sterne-Bewertung. Ab Werk fährt das SUV mit Stahlfedern und variablen Dämpfern daher, auf Wunsch gibt es Luftfederung sowie ein Sportfahrwerk. An Technik bringt das mittelgroße SUV ansonsten mit, was die verwandte C-Klasse an Bord hat. Dazu zählen unter anderem Staupilot mit Stop-and-Go-Funktion, ein Seitenwind-Assistent und ein Kollisions-Warnsystem. Ansonsten gilt für den GLC ähnliches wie für andere Mercedes-Modelle. Zwar ist die Basisausstattung recht ordentlich, doch verführt die lange Preisliste zum Häkchen setzen - etwa bei Navigation, Infotainment und Soundsystem. Außerdem gibt es noch reichlich Gelegenheit die Optik individualisieren. Gebrauchtwageninteressenten müssen daher schauen, was das Objekt ihrer Begierde alles an Bord hat.

Beim TÜV erweist sich der GLC bislang als Mängelzwerg. Das SUV bringt es bei seiner ersten Untersuchung auf eine Beanstandungsquote von lediglich 1,7 Prozent. Es meistert alle Untersuchungen vorbildlich - bis auf eine. Ausgerechnet beim Thema Fahrwerk muss der Stuttgarter Kritik einstecken. Ein Querlenker in der Vorderachse verschleißt schnell. Wenn es bei einer Probefahrt quietscht oder poltert, sollten Käufer eines GLC hellhörig werden, denn es könnte sich um den besagten Querlenker handeln.

Fazit: Der GLC bietet Platz und bis auf den Querlenker Zuverlässigkeit. Allerdings müssen Gebrauchtwageninteressenten für einen GLC vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Mindestens 20.000 Euro werden fällig. Allerdings haben diese Exemplare dann auch an die 200.000 Kilometer auf der Uhr. Wer Fahrzeuge mit Laufleistungen um die 100.000 Kilometer sucht, der wird mindestens 25.000 Euro bereithalten müssen.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x