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Welches Material, wie teuer? Motorradkleidung soll sitzen und schützen

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Sicher die Kurve kriegen: Mit hochwertiger Motorradkleidung kann man Verletzungsrisiken verringern.

(Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn)

Niemand, der sich aufs Motorrad setzen will, sollte an qualitativ hochwertiger Schutzkleidung sparen. Schließlich gilt es schwere Verletzungen bei einem Unfall zu vermeiden. Aber welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Materialien und wie viel sollte man dafür ausgeben?

Fast alle Autofahrer schnallen sich an. Nicht, weil sonst ein Bußgeld droht, sondern um schwerste Verletzungen bei einem Unfall zu vermeiden. Der Sicherheitsgurt auf dem Motorrad ist quasi die Schutzkleidung: Helm, Handschuhe, Stiefel sowie Motorrad-Hose und Jacke. Hier hat die Zubehörbranche enorme Fortschritte gemacht und setzt auf neue, hochwertige Materialien. Was müssen Biker wissen?

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Gute Motorradkleidung kann vor gravierenden Verletzungen schützen und sollte eine entsprechende Investion wert sein. Beim Helm sollte man auch nicht sparen und auf Qualität und gute Passform achten.

(Foto: Silvia Marks/dpa-tmn)

"Jeder der - Pardon - einmal aufs Maul gefallen ist - und dazu gehöre auch ich -, weiß um den Wert gut sitzender und schützender Motorradkleidung", sagt Hajo Ullrich. Entweder weil man solche Kleidung getragen und den Unfall weitgehend unversehrt überstanden habe. Oder weil die Folge mangelhafter Schutzkleidung schmerzhafte Verletzungen gewesen seien, sagt der Motorradexperte und Motorradtrainer für den Auto Club Europa (ACE).

Wer sich schützen will, der findet heute ein reichhaltiges Angebot vor. "Mehr Tragekomfort, mehr Sicherheit, mehr Wetterschutz, dazu für den jeweiligen Einsatzzweck spezialisierte Angebote - das ist der Trend, der sich weiter fortsetzt", sagt Michael Lenzen.

Der Fachmann vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) präzisiert: "Im Reisebereich, für Tourer- und Reiseenduro-Fahrer, haben sich Textilanzüge schon lange durchgesetzt." Wind- und Wetterschutz, bei gleichzeitiger Atmungsaktivität seien, wie auch der Tragekomfort und die Sicherheit, wichtige Kaufkriterien. So umfasse das Angebot Protektoren, die man exakt platzieren könne und die sitzen bleiben, wo sie schützen sollen, Klimamembranen, zahlreiche Taschen und Reflektorzonen bis hin zu integrierten Airbags bei den Top-Modellen.

Alte Hasen tragen gerne Leder

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Bei der Kleidung kann man schon seinem eigenen Geschmack und Stil folgen - aber schützen muss sie in jedem Fall.

(Foto: Felix Kästle/dpa/dpa-tmn)

Ein Trend, den Ullrich bestätigt. "Die Entwicklung geht eindeutig zum Mischgewebe, also Textil mit Leder oder Kunstleder und Kevlar für die besonders sturzgefährdeten Körperpartien." Der Ledereinteiler sei seiner Wahrnehmung nach dagegen auf dem Rückzug und werde nur noch von alten Hasen und ganz jungen Fahrern gewünscht, die Leder mit Sportlichkeit verbinden.

Ullrich selbst benutze beides, Leder- wie Textilkleidung. "Ich fühle mich in meiner 16 Jahre alten Lederkombi nach wie vor wohl, weil sie sitzt wie eine zweite Haut", sagt Ullrich. "Wenn ich aber im Hochsommer Seminare gebe und die meiste Zeit neben der Maschine stehe, möchte ich nicht vor mich hin ölen, und bevorzuge deshalb eine gute Textilkombi mit herausnehmbaren Membranen."

Ganz abschreiben mag auch Lenzen Leder nicht. "Auch Lederkombis als Ein- oder Zweiteiler gibt es teilweise mit Klimamembran, und auch hier wurden der Tragekomfort und die Sicherheit weiterentwickelt, so gibt es zum Beispiel spezielle Sommermodelle." Nach wie vor bevorzugen Sportfahrer die Lederkombi, die eng anliege, nicht flattere und mehr Sicherheit verspreche. Und auf der Rennstrecke sei die maßgeschneiderte Lederkombi ohnehin eine Selbstverständlichkeit, so der Motorrad-Fachmann.

Was kostet die zweite Haut?

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Alles noch dran? Damit das auch so bleibt und Finger und Hände bestmöglich geschützt sind, sollten Biker bei ihrer Sicherheitsausrüstung nicht geizen.

(Foto: Kai Remmers/dpa-tmn)

Qualitativ hochwertige Schutzkleidung ist unverzichtbar, aber sie hat auch ihren Preis. Gerade Neueinsteiger neigten dazu, im Verhältnis deutlich mehr in ihr Motorrad zu investieren als in die Schutzkleidung, so Ullrichs Erfahrung. "Eine komplette Schutzkleidung gibt es aber nun mal nicht für 300 Euro", sagt er. Wer einen vernünftigen Helm, wirklich gute Handschuhe, ordentliche Motorradstiefel und eine taugliche Kombi wolle, der müsse zwischen 1200 und 1500 Euro hinlegen. Bei einem Fahrzeugpreis, der vielleicht bei 4500 Euro anfange, mache das dann aber bereits ein Drittel aus.

Immer wieder erlebt der Experte, dass viele dann nachdenklich würden und sparen wollten. Vielleicht unter dem Motto: "Für die erste Saison reicht auch weniger teure Kleidung." Ullrich versteht das sogar ein Stück weit: "In Zeiten von Corona muss manch einer sehr genau rechnen, was er investieren kann", sagt er. "Wenn aber jemand mit einer Harley oder einer Ducati, die 25 000 Euro gekostet hat, zu unseren Kursen kommt, aber Gummistiefel trägt, dann ist mein Verständnis aufgebraucht. Diese Leute schicke ich dann zu ihrer eigenen Sicherheit umgehend nach Hause."

Motorradkleidung muss längst nicht mehr nach Motorrad aussehen

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Ein weiteres Argument gegen Schutzkleidung neben dem Preis zieht längst nicht mehr. Man könne im Job nicht mit Motorrad-Hose und Stiefeln herumlaufen, lautet das Argument mancher Biker, die mit ihrem Motorrad zur Arbeit fahren. Andere wiederum, die etwa dem Trend zum Retro-Bike folgen, bemängeln den fehlenden Coolness-Faktor ausgewiesener Motorradschutzkleidung.

"Auch die Fahrer der Cruiser-Szene oder solche, die sich zu ihrem Retro-Bike auch einen Vintage-Look bei der Kleidung wünschen, können sich heute umfassend schützen", sagt Lenzen. Der Bereich der Motorradbekleidung, die aussehe wie normale Straßenkleidung, habe deutlich zugenommen. Und Hosen im Jeans- und Hemden im Baumwoll-Look seien längst eine Selbstverständlichkeit. "Hier hat sich in puncto Protektoren und Abriebfestigkeit dank entsprechender, verstärkender Fasern und Materialien viel getan", sagt Lenzen, der überzeugt ist: "Die Vielfalt im Bereich Schutzkleidung wird noch weiter wachsen."

Quelle: ntv.de, Andreas Kötter, dpa

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