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Die neue Art des Hochdachkombis Peugeot Rifter - das "Kind und Kegel"-SUV

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Mit den Attributen eines SUV wirkt der Peugot Rifter gar nicht mehr so hausbacken wie herkömmliche Hochdachkombis.

(Foto: Holger Preiss)

Sie sind aus der Mode gekommen, die Hochdachkombis. Der Nutzwert wurde bei ihnen so hoch gehalten, dass die Optik um Längen zu kurz kam. Peugeot hat jetzt mit dem Rifter eine zeitgenössische Interpretation im Angebot.

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Auf Wunsch gibt es auch eine separat öffnende Heckscheibe für den Peugeot Rifter.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt nicht mehr viele Hersteller, die die Fahne des Hochdachkombis schwingen. Aber die französischen Autohersteller gehören noch dazu. War doch Citroen die Marke, die das Segment 1996 mit dem Berlingo begründete. Heute fällt es schwer, sich mit diesen ach so praktischen fahrenden Familienkoffern anzufreunden. Optisch sind sie alles andere als up to date und der Fokus auf das Praktische scheint jede Fahrfreude zu überstrahlen.

Das Unmögliche versuchen

Mit dem neuen Rifter, der den Partner Tepee ersetzt, will Peugeot jetzt das Unmögliche versuchen: die Erschaffung eines Hochdachkombis, mit den Fahreigenschaften eines Pkw und der Attitüde eines SUV. Gut, an der Grundform lässt sich schon mal wenig ändern. Willst du viel laden brauchst du Platz und den gibt's in der Regel nur bei einem hohen Dach und entsprechender Länge. Deshalb wird der Rifter, wie seine Modellbrüder Citroen Berlingo und Opel Combo Life auch in zwei Größen angeboten. Die Kurzversion misst 4,40 Meter, die Langversion 4,75 Meter, auf Wunsch gibt es statt der fünf Plätze dann auch sieben Sitze.

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Das ist das, was Hochdachkombi-Fahrer schätzen:Stauraum ohne Ende.

(Foto: Holger Preiss)

Bereits in der Kurzversion fasst der Kofferraum 597 beziehungsweise 2126 Liter. Wer sich für das lange Teil entscheidet, dem stehen sogar bis zu 3500 Liter Stauraum zur Verfügung. Damit ist auch klar an wen sich der Hersteller mit dem Rifter wendet: an Familien mit Kindern oder Großeltern. Denn alle Plätze sind mit Isofix-Befestigungen ausgerüstet. Im Ernstfall passen in der zweiten Reihe sogar drei Kindersitze nebeneinander. Die zweite Zielgruppe sind sportlich aktive Menschen, die mit Blick auf ihr Hobby entsprechend mehr Platz benötigen. In der Kurzversion können zum Beispiel Surfbretter bis 2,70 Meter, in der Langversion bis 3,05 Meter verstaut werden. Über Fahrräder muss erst gar nicht geredet werden, die haben die Hochdachkombis schon früher mühelos geschluckt und auch der Rifter mit einer Dachhöhe von 1,78 Meter kann das.

Mit SUV-Attitüde

Damit das Ganze aber nicht so hausbacken und staksig daherkommt wie früher, haben die Franzosen dem Rifter die schon erwähnte SUV-Attitüde verpasst. Dazu gehört der angedeutete Unterfahrschutz in den Stoßfängern ebenso wie die verplankten Seiten und Radhäuser oder die Dachreling. Tatsächlich gibt das der Familienkutsche ordentlich Pfiff, hat aber auch seinen Preis. Allein für die sportliche Optik einer GT-Line werden 1600 Euro fällig. Hier gibt es unter anderem noch 17-Zoll-Felgen, stark getönte Heckscheiben und den Schriftzug "GT-Line", der das typisch kleine Peugeot-Lenkrad ziert. Das muss man ebenso mögen wie den kupferfarbenen Ton, der das gesamte Interieur beherrscht.

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Neu im Peugeot Rifter ist das iCockpit.

(Foto: Peugeot)

Dass das Segment der Hochdachkombis ein preissensibles ist, merkt man spätestens dann, wenn man die Finger über die Armaturen tanzen lässt. Hier dominiert schnödes Hartplastik. In den höheren Ausstattungsvarianten wird das durch das schon erwähnte iCockpit, ein beledertes Lenkrad und einen ebenfalls mit Tierhaut bespannten Schaltknüppel aufgefangen. Von den 20.740 Euro, die für den Einstiegsbenziner aufgerufen werden, ist man dann aber ein gutes Stück entfernt. Wer zur höchsten Ausstattungsstufe Allure greift, der zahlt in Verbindung mit dem Dreizylinder rund 24.000 Euro und damit fast 3300 Euro mehr, als für die Einstiegsversion Access und immer noch knapp 2000 Euro mehr als für das mittlere Komfortniveau Active.

Starker 130 PS Diesel

Zum Marktstart bietet Peugeot den Rifter in drei Motorisierungen an. Einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 110 PS und zwei 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit jeweils 102 PS und 130 PS. Der kleine Benziner verrichtet seine Arbeit erstaunlich souverän, obgleich auch ohne Zuladung spürbar wird, dass der Dreiender es nicht leicht haben wird wenn die Hütte voll ist. Über ein manuelles Sechsganggetriebe werden die 205 Newtonmeter maximales Drehmoment an die Vorderräder verteilt, was den Franzosen in knapp 12 Sekunden Landstraßentempo erreichen lässt. Die Spitze gibt Peugeot mit 169 km/h an, fahren möchte man die über lange Strecken jedoch nicht. Denn obgleich die Geräuschdämmung recht gut gelungen ist, wirkt das kleine Triebwerk im Dauerstress doch sehr angestrengt und knurrig. Der lockere Gang im Verkehr ist hingegen kein Problem, sorgt auch für deutlich weniger Durst. Im ersten Ausritt standen 7,4 Liter auf der Uhr, das Datenblatt vermerkt nach NEFZ maximal 5,7 Liter.

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In der GT-Line gibt es sehr bequeme Sportsitze im Peugeot Rifter.

(Foto: Holger Preiss)

Deutlich mehr Fahrspaß bereitet der 130 PS Diesel, der wie alle Motoren der Franzosen die Euro 6d-Temp-Norm erfüllt. Hier wird das maximale Drehmoment von 300 Newtonmeter wahlweise über eine – wie beim Benziner angenehm leichtgängige – manuelle Sechsgangschaltung verteilt oder aber über eine ebenfalls recht unaufgeregt arbeitende Achtgangautomatik. Natürlich geht der Selbstzünder dank seiner größeren Kraft wesentlich druckvoller nach vorne. Ob seines höheren Gewichts beschleunigt sich der Diesel aber erst nach 12,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitze gibt Peugeot glaubhaft mit 184 km/h an. Der Diesel wirkt bei hohen Geschwindigkeiten übrigens lange nicht so angestrengt wie der kleine Benziner, den es ab kommendem Jahr ebenfalls in einer 130 PS-Variante geben wird. Der Verbrauch, der für den starken Diesel mit 4,4 Liter im Datenblatt vermerkt ist, kann getrost als Wunschvorstellung verbucht werden. Mit 6,2 erfahrenen Litern ist man hier dennoch recht gut bedient.

Auf Wunsch viele Assistenzsysteme

Auffällig ist, dass der ob seiner Motorisierung schwerere Diesel wesentlich satter auf der Straße liegt und sich dadurch auch in Kurven besser steuern lässt. Was das Fahrverhalten betrifft kommt auch dem Rifter die EMP2-Plattform zu Gute. Wer möchte, kann dem SUV-Kastenwagen optional eine "intelligente" Traktionskontrolle verpassen. Über die Antischlupfregulierung können hier drei Fahrmodi eingestellt werden (Tour, Matsch und Schnee), wobei das Drehmoment den Anforderungen entsprechend erhöht oder verringert wird. Sogar eine Bergabfahrhilfe gibt es auf Wunsch.

Auch auf Fahrassistenzsysteme muss der Hochdachkombi-Fahrer nicht mehr verzichten. Je nach Ausstattung gibt es eine elektrische Parkbremse, adaptive Geschwindigkeitsregelung, Verkehrszeichenerkennung, einen aktiven Spurhalteassistenten, Müdigkeitswarner, Notbremsassistenten, Totwinkelwarner, Schlüssellosen-Zugang oder Fernlichtassistent. Auch eine Anhängerstabilisierung ist im Angebot. Nicht unwichtig für Leute, die maximal 1,5 Tonnen an den Haken nehmen möchten. Ach noch etwas: Peugeot bietet für den Rifter auch eine Rückfahrkamera mit 180°-Umgebunsgansicht. Das ist super, aber man sollte von der Qualität der Bilder nicht allzu viel erwarten.

Am Ende hat der Rifter das Segment der Hochdachkombis nicht revolutioniert, aber es in die aktuelle Zeitzone katapultiert. Das heißt, dass selbst Vernunftmenschen mit höherem Platzbedarf sich nicht mehr belächeln lassen müssen, wenn sie mit ihrem SUV-Hochdach vorfahren. Allerdings werden für den großen Diesel mit Vollausstattung auch über 30.000 Euro von den Franzosen verlangt, ein schon erkleckliches Sümmchen.

Quelle: n-tv.de

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