Auto

Der stromernde Tiguan? VW schickt den ID.4 ins Elektrorennen

DB2020AU01396_medium.jpg

Der ID.4 folgt dem ID.3 auf dem Fuße..

(Foto: VW)

Der ID.3 ist für Europa präsentiert, da schickt Volkswagen bereits sein Weltauto an den Start, den ID.4. Das Kompakt-SUV soll vor allem Familien ansprechen. Am liebsten wäre es den Wolfsburgern, wenn der ID.4 in die Fußstapfen des Tiguan treten könnte.

DB2020AU01409_medium.jpg

Momentan starten die Preise für den ID.4 bei 49.950 Euro.

(Foto: VW)

Kompakte SUV boomen, seit Jahren und weltweit. Es ist das größte Marktsegment der Automobilbranche. Volkswagen hat hier den Tiguan im Angebot, produziert ihn unterdessen sogar häufiger als den Golf. Jetzt kommen die Wolfsburger mit ihrem ersten elektrischen SUV auf den Markt, dem ID.4. Noch Ende des Jahres sollen die ersten Autos beim Händler sein. Die Preise für die sogenannten "Editionsmodelle" beginnen bei 49.950 beziehungsweise bei 59.950 Euro. Im nächsten Jahr soll dann eine Basisversion für rund 37.000 Euro zu haben sein.

Der ID.4 ist nach dem ID.3 VWs zweites Elektroauto auf Basis des komplett neu konzipierten Modularen E-Antriebsbaukastens (MEB). Im Unterschied zum ID.3 wurde der ID.4 als Weltauto konzipiert, gebaut zunächst in Deutschland, dann in China und später in den USA. Zwei Millionen Einheiten - gerechnet über den Lebenszyklus von sieben Jahren - will Volkswagen vom ID.4 insgesamt produzieren. Das elektrische SUV stellt intern so etwas wie den "strategischen Meilenstein" der E-Offensive des Konzerns dar.

Viel Platz im Innenraum

DB2020AU01467_medium.jpg

Wer auf der Rückbank des ID.4 Platz nimmt, wird das üppige Raumangebot schätzen.

(Foto: VW)

Der ID.4 misst in der Länge 4,58 Meter, bietet aber, bedingt durch die Elektro-Architektur, bei der die Achsen weiter auseinanderliegen können, deutlich mehr Platz im Innenraum als in dieser Klasse normalerweise üblich. Wer auf der Rückbank Platz nimmt, spürt dies sofort. In Verbindung mit dem riesigen Panorama-Glasdach ist das Raumgefühl sogar besonders ausgeprägt. Auch beim Thema Package kann der ID.4 punkten.

Weil die Batterie tief in der Bodenplatte sitzt, bleibt der Kofferraum davon unberührt. Er schluckt 543 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind es bis zu 1575 Liter. Wie mittlerweile in diesem Segment Standard, lässt sich die Heckklappe elektrisch oder auch mit einem Fußschwenk öffnen. Dazu gibt es ein Gepäcknetz, eine Netztrennwand und einen variablen Ladeboden. Sogar eine Anhängerkupplung - selten bei Elektroautos - verträgt der ID.4. Bis zu einer Tonne dürfen gezogen werden. Sehr praktisch ist der Haken am Heck auch für den Transport von Fahrrädern.

DB2020AU01398_medium.jpg

Mit dem Basis-Akku soll der ID.4 bis zu 360 Kilometer zurücklegen können.

(Foto: VW)

Dreh- und Angelpunkt bei einem Elektroauto bleibt natürlich die Reichweite. Umso wichtiger, wenn es sich wie beim ID.4 um ein für Familien konzipiertes Auto handelt, das in der Regel als Erstfahrzeug im Haushalt dient. Da die MEB-Architektur von Volkswagen modular aufgebaut ist, hat der Kunde die Wahl, unterschiedlich große Batterien zu wählen, abhängig von seinem persönlichen Fahrprofil - und Geldbeutel. Der größte Akku hat eine Kapazität von 77 kWh. Damit sind bis zu 520 Kilometer Reisestrecke möglich. Der Einstieg beginnt derzeit bei 52 kWh, was 360 Kilometer ermöglichen soll.

Auf jeden Fall eine 11-kW-Wallbox

Die beste Reichweite nützt allerdings wenig, wenn es beim Nachladen hapert. Hier haben die VW-Ingenieure entsprechend vorgesorgt und eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von 125 kW installiert. Heißt: Wenn unter optimalen Bedingungen an einem Quick-Charger dieser hohe Strom fließen kann, wären in einer halben Stunde über 300 Kilometer an Reichweite nachgeladen.

DB2020AU01496_medium.jpg

Der Innenraum des ID.4 scheint etwas edler zu sein als der im ID.3.

(Foto: VW)

Mit dem Kauf des ID.4 erhält der Kunde zudem eine Ladekarte, mit der er europaweit an mehr als 150.000 öffentlichen Ladepunkten "tanken" kann. Für zu Hause empfiehlt sich auf jeden Fall eine 11-kW-Wallbox, sodass der ID.4 über Nacht dreiphasig bequem und komplett geladen werden kann. Zwar würde auch die normale Haushaltsteckdose funktionieren, doch damit dauert es bei der großen 77-kWh-Batterie rund 40 Stunden. Im Alltag indiskutabel. Volkswagen gibt auf den Energiespeicher eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer Fahrstrecke. Der Akku darf dabei nicht mehr als 30 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität eingebüßt haben. Ansonsten gibt es einen neuen.

Zügiger Sprint ist garantiert

Wie beim ID.3 sitzt auch beim ID.4 der Basisantrieb an der Hinterachse. In beiden Editionsmodellen leisten die Elektromotoren jeweils 204 PS. Das Drehmoment liegt bei 310 Newtonmetern. Sie sind, wie bei E-Maschinen üblich, quasi vom Stand weg abrufbar. Damit ist stets ein zügiger Sprint garantiert. VW verspricht 8,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Um die Batterie zu schonen, hat man die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h limitiert.

DB2020AU01478_medium.jpg

Das Cockpit des ID.4 gleicht dem des ID.3, lediglich das Zentraldisplay ist etwas größer.

(Foto: VW)

Im Laufe des nächsten Jahres will Volkswagen den ID.4 dann in weiteren Leistungsstufen anbieten. Als Heckantrieb sind abhängig von der Batteriegröße 148, 170 und 175 PS möglich. Beim Allradantrieb sitzt zusätzlich ein Elektromotor mit 102 PS auf der Vorderachse.

Höchst modern gestaltete VW den Innenraum des ID.4. Physische Schalter und Taster sind passé. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und puristisch. Dominiert wird es vom großen Touch-Display in der Armaturenbrettmitte. Zusätzlich ist ein Head-up-Display mit Augmented Reality erhältlich. So können beispielsweise Abbiegepfeile des Navigationssystems in die Windschutzscheibe gespiegelt werden, als würden sie optisch direkt auf der Straße liegen. Und damit der ID.4 stets auf dem neuesten Stand der Digitalisierung bleibt, wurde seine Software-Architektur so konzipiert, dass sie über das Mobilfunknetz update-fähig ist - ganz so wie bei einem Smartphone. Ob das am Ende funktioniert, muss sich zeigen. Beim ID.3 war genau das eine der Schwachstellen, die bis heute zu Verzögerungen führte.

Quelle: ntv.de, Michael Specht, sp-x