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Schräger Elektriker Volvo C40 Recharge - sportlich unter Strom

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Der Volvo C40 Recharge Pure Electric ist der sportliche und rein elektrisch fahrende Bruder des XC40.

(Foto: Christian Bittmann)

Volvo stellt seinem Kompakt-SUV XC40 Recharge in Form des C40 Recharge einen dynamischen Bruder an die Seite. Die Coupé-Variante wird es ausschließlich mit elektrischem Antrieb geben. Dem sportlichen Fahrverhalten tut das keinen Abbruch. Allerdings ist der Preis recht üppig.

Dass sich Volvo, wie auch andere Autohersteller, inzwischen der Elektromobilität verschrieben hat, ist kein Geheimnis mehr. Irgendwann wird es auch bei den Schweden keine Autos mehr mit Verbrennungsmotoren zu kaufen geben. Insofern ist es nur konsequent, dass man mit dem C40 Recharge Pure Electric das nächste Elektroauto an den Start bringt. Warum das Coupé im Namen allerdings all seine Eigenschaften mitführen muss, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich, weil es den 4,43 Meter langen Crossover tatsächlich nur noch als Stromer gibt. Doch mal vom unhandlichen Namen abgesehen ist den Schweden hier ein schnittiges Designerstück gelungen.

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Optisch haben die Designer den C40 Recharge als Crossover Coupé gezeichnet.

(Foto: Christian Bittmann)

Ob der verkleidete und damit fehlende Kühlergrill auch gelungen ist, muss das Publikum entscheiden. Die Interessierten, die sich bei einer ersten Fahrt von Brüssel nach Gent - wo der Wagen für Europa auch produziert wird - dem C40 näherten, konnten sich mit dem Anblick nicht so recht anfreunden. Anders sah es bei der Silhouette und dem Heck aus. Hier setzen die Schweden mit schwarzem Panoramadach, großen Rädern und einem zweigeteilten Dachspoiler auf pure Sportlichkeit. Neu ist im Vergleich zum C40 auch die Gestaltung der Rücklichter. Wie man es bei Volvo kennt, ziehen sie sich zwar vertikal an der Heckscheibe entlang, sind aber wie die Dachlinie Coupé-artig geneigt und in einzelne Segmente unterteilt.

Ordentlich Bums an den Achsen

Und weil beim C40 Recharge Pure Electric die Sportlichkeit im Mittelpunkt steht, haben ihm die Schweden auch einen entsprechenden Antrieb verpasst. An der Vorder- und Hinterachse werkelt jeweils ein Permanentmagnet-Synchronmotor; beide stellen in Summe eine Systemleistung von 408 PS zur Verfügung und wuchten ein maximales Drehmoment von 660 Newtonmetern auf die Räder. Befeuert werden die E-Motoren durch eine 500 Kilogramm schwere und 75 kWh leistende Batterie, was im Zusammenspiel dafür sorgt, dass der Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo in 4,7 Sekunden abgeschlossen ist.

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Im Innenraum sind sich der C40 Recharge und der XC40 sehr ähnlich.

(Foto: Christian Bittmann)

Die Höchstgeschwindigkeit ist, wie man das unterdessen von Volvo kennt, bei 180 km/h abgeregelt. Aber bis dahin haut das Ding beim Tritt auf den Pin richtig rein. Wer hier als Beifahrer den Kopf nicht fest an die Rückenlehne des mit einer aus nachhaltigen Rohstoffen bezogenen und sich sehr nach Leder anfühlenden Sitzes presst, dem wird für das nächste Mal mit einem ordentlichen Schlag auf den Hinterkopf nachgeholfen. Kurz gesagt: Der Schwede hat in jeder Lebenslage, oder besser in jede Fahrsituation, ausreichend Druck, um wie vom Katapult geschnippt nach vorn zu schießen. Bei Normaltempo auf Landstraße oder Autobahn muss sich hier keiner Gedanken bei einem Überholvorgang machen.

Schnelles Laden ist möglich

Und über angesagte 444 und realistische 350 Kilometer muss man sich auch über die Ladeinfrastruktur keine Gedanken machen. Den Verbrauch sollte man dennoch im Blick haben. Wer hier ordentlich am Strompedal hängt, der wird locker an die 30 kWh über 100 Kilometer brauchen. Es geht aber auch anders: Mit leichtem rechten Fuß stehen nach 100 Kilometern gerade mal 19 kWh auf der Uhr und der gesunde Schnitt liegt dann wohl bei etwa 22 kWh. Ein bisschen Energie kann natürlich auch der C40 Recharge durch das ihm anerzogene Rekuperieren zurückgewinnen. Prinzipiell ist der Schwede im Fahrbetrieb auf den One-Pedal-Drive eingestellt. Heiß nichts anderes, als dass im Rollvorgang der Widerstand durch die Elektronik so geregelt wird, dass der Wagen bis zum Stillstand abbremst, um so maximal Energie einzusammeln. Das ist gewöhnungsbedürftig, funktioniert, wenn man sich als Fahrer darauf einlässt, am Ende aber ganz famos.

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Der Akku des Volvo C40 Recharge kann mit bis zu 150 kW geladen werden.

(Foto: Christian Bittmann)

Nun ist aber auch klar, dass selbst die beste Rekuperation einen 75-kW-Akku nicht auf volle Leistung bringen kann. Doch auch hier hat Volvo vorgesorgt und mit einem Anschluss versehen, der es auch möglich macht, an Schnellladestationen mit bis zu 150 kW zu laden. Hat man eine solche Powerstation gefunden, ist ein fast leerer Akku bereits nach 37 Minuten wieder auf 80 Prozent seiner Kapazität und die Fahrt könnte weitere 100 Kilometer gehen. Entsprechend langsamer wird es an einer Wallbox mit 11 kW. Hier lässt sich innerhalb einer Stunde Strom für 50 bis 60 Kilometer nachladen; bei 3,7 kW sind es in einer Stunde lediglich 15 bis 20 Kilometer. Hier wäre also im schlechtesten Fall viel Geduld gefragt oder im besten Fall die Nachtruhe der richtige Zeitpunkt zum Laden. Bei der Suche nach einer Ladestation hilft natürlich die im Android-System hinterlegte Volvo-App, die sich wie auch Google Maps als Navi über das Smartphone steuern lässt. In Zusammenarbeit mit der mit dem Wagen mitgelieferten Plugsurfing-Karte ist dann wohl auch ein europaweiter Zugang an 200.000 Ladestationen garantiert - das verspricht zumindest Volvo.

Sportlich über die Querfuge

Doch wie schon erwähnt: Solange der Akku die E-Motoren antreibt, erfreut der C40 Recharge nicht nur durch seinen spontanen Antritt, sondern auch mit einer sehr sportlichen, geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung und einem ebensolchen Fahrwerk. Tatsächlich zeigt sich das von einer recht straffen Seite, die es aber nur raushängen lässt, wenn es über plötzlich auftauchende Querfugen geht. Richtig hart wird es, wenn die in kurzen Folgen auftreten. Ansonsten hat die Dämpfung das erstaunlich geringe Gewicht von 1,8 Tonnen ganz famos im Griff. Und am Ende muss die Energie der 500-Kilogramm-Batterie zwischen den Achsen beim Ein- und Ausfedern ja irgendwo hin. Ansonsten verspricht Volvo eine Lastverteilung auf die Achsen von 50:50 nach bester Mittelmotorsportwagen-Manier. Ganz klar, so fährt sich der Schwede natürlich nicht, denn mit 1,58 Meter baut der Schwede als Crossover immer noch recht hoch. Aber am Ende will der C40 Recharge natürlich auch gar kein E-Renner sein, sondern ein optisch dynamisch ausgelegter und nachhaltig gebauter Freund für den Alltag, an den auch mal 1,8 Tonnen angehängt werden können.

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Der Volvo C40 Recharge lässt sich sehr dynamisch fahren.

(Foto: Christian Bittmann)

Für sein Familienauto hat sich Volvo seit vielen Jahren eine ganze Armada an Sicherheits-Features einfallen lassen und dort auch verbaut. Und das gilt natürlich auch für das Coupé. Dazu gehört die Sicherheitsstruktur der Karosserie ebenso wie der immer aktive Notbremsassistent, der auf Wunsch auch die Kreuzung überwacht. Zudem überwacht die Elektronik das Abkommen von der Straße und verhindert es ebenso, wie der aktive Spurhalteassistent beim Verlassen der Spur - und das ist wichtig - leicht ins Lenkrad eingreift. Sensoren und Kamera erkennen die Verkehrszeichen, passen die Geschwindigkeit automatisch an oder unterstützen den Fahrer in lästigen Staufahrten. Die Aufzählung könnte hier noch um einiges erweitert werden, aber die Interessenten müssen hier einige Kreuze in der Optionsliste setzen und sich ohnehin aktiv mit dem auseinandersetzen, was sie und die Insassen am Ende schützen soll.

Sicherheit von A bis Z

Die Sitze mit Schleudertrauma-Schutzsystem sind jedenfalls für Fahrer und Beifahrer Serie. Für Kinder bieten die Schweden, wie andere Hersteller auch, extra Kindersitze. Den in die Rückbank integrierten klappbaren Kindersitz, den Volvo für andere Fahrzeugtypen anbietet, gibt es für das Crossover-Coupé nicht. Hier wären wir aber auch gleich beim Platzangebot. Das geht wie immer auf den vorderen Plätzen absolut in Ordnung. In der zweiten Reihe sollten Kinder keine Probleme haben. Erwachsene müssen sich hier wegen der Dachlinie beim Einstieg schon etwas klein machen und haben dann je nach der Größe des Vordermanns auch nicht zwingend viel Beinfreiheit.

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Mit 414 bis 1205 Litern Kofferraumvolumen steckt der Volvo C40 Recharge auch einiges weg.

(Foto: Volvo)

Der Kofferraum ist mit 414 bis 1205 Litern bemessen und verlangt schon wie die Reise mit einem Elektroauto ohnehin eine gewisse Planung. Doch ob am Ende der Einstiegspreis von 57.890 Euro ausgerechnet junge Familien zum Einsteigen in den C40 Recharge Pure Electric bewegt, ist zu bezweifeln. Noch dazu, weil die Liste an Begehrlichkeiten, was helfende Assistenten betrifft, schnell dazu führen kann, dass der Preis über die 60.000-Euro-Marke steigt.

Allerdings gibt es für den C40 Recharge auch eine neue Vertriebsstrategie: Der Wagen wird ausschließlich online zu bestellen sein und im oben genannten Preis ist dann auch ein sogenanntes "Care"-Servicepaket, das Haftpflicht, Vollkasko, Service, Wartung und Verschleiß beinhaltet und für drei Jahre gilt. Für all jene, die mit der Elektromobilität noch auf Kriegsfuß stehen, bietet Volvo ein Abo-Modell. Es kostet monatlich 769 Euro. Sieht auf den ersten Blick nach einem stolzen Preis aus und eignet sich wohl auch nicht für junge Familien. Aber der Flex-Tarif erlaubt es, mit einer Frist von drei Monaten zu kündigen.

Quelle: ntv.de

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