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Thors Kombi-Hammer fürs Grobe Volvo V60 Cross Country - Fahrspaß mit Tradition

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Verschneite und vereiste Wege? Mit dem Volvo V60 Cross Country kein Problem.

(Foto: Holger Preiss)

Der Kombi wird in Deutschland weiterleben. Wenigstens so lange, wie die Hersteller ihre Lademeister dem SUV-Massengeschmack anpassen. Neuestes Beispiel ist der Volvo V60 Cross Country. Der bietet aber nicht nur Stauraum, sondern auch Tradition und Fahrspaß.

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Die Bodenfreiheit des Volvo V60 Cross Country entspricht der des XC60.

(Foto: Holger Preiss)

Im Frühjahr 2018 schickte Volvo den neuen V60 an den Start. Im neuen Thors-Hammer-Design fügte er sich in die erfolgreiche Linie der XC-Modelle ein. Und weil SUV so beliebt sind und es ohnehin Tradition bei den Schweden hat, den Kombi in einen Lademeister für schlechte Wege zu verwandeln, wird auch der V60 jetzt als Cross Country angeboten. Der Erste seiner Art war übrigens im Jahr 1997 der V70 XC. Den Zusatz Cross Country gab es erstmals 2012 für den V40.

Was die alten und neuen Modelle eint, sind die entsprechenden Aufbauten, die einen Kombi zum Offroader machen. Im Falle des V60 sind es in erster Linie 6,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit, was das Chassis in Summe 210 Zentimeter über Grund hebt und damit dem Niveau des XC60 entspricht. Insofern wundert es nicht, dass auch der Heckabschluss eine Reminiszenz an den erfolgreichen Bruder ist. Allein in Deutschland haben sich im vergangenen Jahr 14.643 Kunden für das Schweden-SUV entschieden, was ihn unter den XC-Modellen zum absoluten Spitzenreiter macht.

Vorerst nur mit Diesel

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Im Innenraum unterscheidet sich der Cross Country kaum vom normalen V60.

(Foto: Holger Preiss)

Doch zurück zum Cross Country. Der fährt nicht nur mit schwarzen Fensterkanten und verplankten Radhäusern zu den Händlern, sondern vorerst auch mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel. Der leistet 190 PS und wuchtet 400 Newtonmeter maximales Drehmoment bei Bedarf an alle vier Räder. Die Kraftverteilung übernimmt - absolut ruckelfrei - eine 8-Gang-Wandlerautomatik. Wer will, kann den SUV-Kombi in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und in der Spitze 210 km/h fahren. So ist es jedenfalls im Datenblatt zu lesen. Aber nicht nur das dürfte den Cross-Country-Fahrer freuen. Auch die Laufruhe, mit der der Selbstzünder unterwegs ist, ist phänomenal. Was auf dem ersten Ausritt nicht zu erfahren war, ist der in den technischen Daten angegebene Verbrauch von maximal 6,6 Litern nach WLTP.

Dadurch, dass der 1,9 Tonnen schwere Cross Country sich durch die verschneiten Serpentinen der Alpen kämpfen musste, standen nach 100 gefahrenen Kilometern 7,5 Liter auf der Uhr. Ein unter den Umständen absolut akzeptabler Wert. Noch dazu, weil der Schwede unter den widrigen Bedingungen bravourös unter Beweis stellen konnte, dass Allradantrieb nicht umsonst ist und es sich unter bestimmten Umständen bezahlt machen kann, das ESP zu deaktivieren. Nämlich immer dann, wenn der Untergrund sehr schmierig oder glatt ist. Andernfalls regelt die Elektronik den Wagen jedes Mal fast bis zum Stillstand runter, um dann die Kraft neuerlich an die Räder zu verteilen.

Spaßig in die Drift

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Trotz seiner üppigen 1,9 Tonnen ist der V60 Cross Country auch auf schwierigem Geläuf recht einfach zu dirigieren.

(Foto: Holger Preiss)

Schöner ist es dann schon, vor allem an Steigungen, in Bewegung zu bleiben und zu beobachten, wie schnell die Software entscheidet, welches Rad die Führung übernehmen muss, damit der Cross Country in der Spur bleibt. Ja, das ist jetzt kein Alleinstellungsmerkmal der Schweden. Auf diese Art und Weise funktioniert prinzipiell jeder variable Allradantrieb. Im normalen Straßenbetrieb handelt es sich also auch beim V60 Cross Country um einen Fronttriebler, der bei Bedarf aber auch mit prozentual mehr Kraft von hinten schieben kann. Was bei ausgeschalteten ESP im Schnee natürlich auch für spaßige Drift-Einlagen sorgen kann. Allerdings sollte, wer es ausprobieren möchte, für reichlich Freiraum rund um das ausbrechende Heck sorgen. Andernfalls kann es, wenn die Rückführung des Fahrtzeugs in der Pendelbewegung verpasst wird, zu unschönen Dellen im Blech kommen.

Doch kommen wir noch einmal kurz zur Motorisierung. Der Volvo-Fan wird noch im Hinterkopf haben, dass sich die Schweden im Zuge der Diesel-Diskussion lautstark vom Selbstzünder verabschiedet hatten, jetzt aber den neuen Cross Country wieder als D4 anbieten. Der Motor ist wie schon erwähnt ohne Tadel. Er erfüllt die Euro 6d-Temp-Norm und ist somit auch zukunftsfähig. Allerdings wie alle Triebwerke mit diesem Zertifikat nur bis 2022, dann wird mit Euro 6 der Standard erneut verschärft. Das heißt nicht, dass die 6d-Temp-Motoren dann aus dem Rennen sind. Lediglich der Entwicklungsaufwand zur Erfüllung kommender Dieselstandards wird so hoch, dass es sich für die Hersteller nicht mehr lohnt, in diese Richtung weiter zu forschen. "Insofern", erklärt Volvo-Deutschland-Chef Thomas Bauch, "werden die Diesel noch bis zum Zyklusende gefertigt". Dann sei aber Schluss und man werde andere Wege finden, die Kundschaft von A nach B zu bringen und sie für "das sicherste Auto der Welt" zu begeistern.

Kein Preis-Hammer

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Sportsitze und reichlich Platz gibt es im Volvo V60 Cross Country.

(Foto: Holger Preiss)

Bereits der im Sommer zu erwartende Volvo S60 werde ausschließlich mit Benzinmotoren angeboten, so Bauch. Wer der Diesel-Diskussion beim Kauf eines V60 Cross Country aus dem Weg gehen möchte, kann sich natürlich von vornherein für einen T5 entscheiden. Also für den 2,0-Liter-Vierzylinder mit 250 PS. Doch während wir an dieser Stelle den Einstiegspreis für den V60 Cross Country D4 schon kennen - der liegt nämlich bei 52.350 Euro -, verraten die Schweden noch nicht, was sie für den Benziner verlangen werden. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass bereits für den Diesel in der Cross-Country-Variante 7000 Euro mehr als für den normalen V60 aufgerufen werden und dass selbst das SUV XC60 mit dem 190 PS-Selbstzünder ab 45.200 Euro zu bekommen ist.

Natürlich wird für den knackigen Aufschlag auch einiges im Cross Country geboten. Mit an Bord sind hier nämlich schon das große digitale Kombi-Instrument mit 12,3-Zoll-Display, Ambientelicht für die Wohlfühlstimmung im Innenraum, Lederpolster, LED-Scheinwerfer und 19-Zoll-Alu-Räder. Optional bleibt hingegen das adaptive Fahrwerk. Das wiederum sollte bei der oben beschriebenen Eis-Drift auf Dynamik gestellt werden, damit der 4,78 Meter lange Schwede ordentlich um die Kurven wedelt. Im Komfort-Betrieb geht es dann ob des verlängerten Federwegs ungleich sanfter über Unebenheiten und der SUV-Kombi empfiehlt sich einmal mehr als Langläufer mit ausreichend Stauraum. Hinter der Heckklappe verschwinden nämlich zwischen 529 bis 1441 Liter.

Alternative für Sportfreunde

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Auch im Sportdress macht der V60 als R-Design eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Wem das jetzt alles zu teuer und zu soft ist, für den bieten die Schweden den V60 jetzt auch als R-Design. Anders als beim Cross Country können hier alle Motorisierungen gewählt werden und der Einstieg gelingt mit dem D3 und 150 PS bereits für 44.950 Euro. Ein familienfreundlicher Langstreckler ist der V60 im Trainingsanzug allerdings nicht mehr. Mit seinem Sportfahrwerk geht er schon recht straff über Unebenheiten und informiert auch die Reisenden ausführlich darüber. Schick sieht er tiefergelegt, mit neuer Heckschürze, Sportsitzen und anthrazitfarbenem Himmel aber allemal aus.

Allerdings hat Volvo weder mit dem Cross County noch mit dem R-Design ein Alleinstellungsmerkmal. Unterdessen buhlen eigentlich alle Hersteller um die Kunden, die statt eines hochbauenden SUV einen schnittigen Kombi bevorzugen. Man denke nur an Opel, die den Insignia Country Tourer dementsprechend gepimpt haben, oder Mercedes, die ob des Erfolges einer E-Klasse Allterrain gerade mit dem Gedanken spielen, das Konzept auch auf die C-Klasse zu übertragen. Doch wie dem auch sei: Die Spielarten scheinen dafür zu sorgen, dass der Kombi hierzulande nicht aus der Mode kommt und das ist doch auch nicht schlecht.

Quelle: n-tv.de

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