Auto

Design-Trends in Genf Wird das Blechkleid glatt oder kantig?

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Porsche gibt sich seit seiner Entstehung frei von Ecken und Kanten. So auch der neue Panamera Sport Turismo.

(Foto: Holger Preiss)

Hier noch eine Kante, da noch ein Knick? Oder doch lieber plane, große Flächen? Beim Auto-Design gehen die Hersteller momentan getrennte Wege. In Genf scheiden sich die Geister und dennoch scheint ein Trend erkennbar.

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Das E-Klasse Coupé von Mercedes kommt ohne Falz im Blech aus.

(Foto: Holger Preiss)

Glatt wie ein Baby-Popo, so sollen die neuen Mercedes-Modelle werden. Geht es nach dem Stuttgarter Chef-Kreativen Gorden Wagener, hat die Sicke – zumindest für den Moment – ausgedient. Wie das in der Realität aussieht, zeigen E-Klasse Coupé, Cabrio und die Genf-Studie AMG GT Cocept, die mit großen, knitterfreien Flächen monolithisch daherkommen. Das wirkt staatsmännisch, souverän und elegant zugleich und sorgt für eine unauffällig-auffällige Präsenz auf der Straße. Das ganze Auto wirkt stimmig, durchdacht, wie aus einem Guss und vermittelt die Botschaft: "Ich muss nicht durch übertriebenen Dekor-Kram auffallen, ich bin einfach schön!"

Porsche macht's vor

Ganz neu ist die Idee, alles glatt zu bügeln, natürlich nicht und erfunden hat sie ganz sicher auch nicht Gorden Wagener. Ferry Porsche setzte im Grunde schon seit Anbeginn auf geschmeidige Rundungen und vermied übertriebene Knicke und Lichtkanten aufs Äußerste. Das Ergebnis: Ein über die Jahre hinweg nahezu unverwechselbares Design, das, egal ob als knackiger Sportwagen, viertürige Limousine oder bulliges SUV, die Markenidentität unverfälscht transportiert.

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Auch beim Range Rover Velare verzichten die Designer auf überflüssige Bügelfalten.

(Foto: Holger Preiss)

Dass das funktioniert, hat inzwischen natürlich nicht nur die Design-Abteilung von Mercedes festgestellt. Schaut man sich auf dem Genfer Autosalon um, entdeckt man unter anderem auch den Land Rover Velar – ein neues Edel-SUV über dem Evoque und unterhalb des Range Rover Sport. Gerry McGovern zeichnet für den Maßanzug des Briten verantwortlich und hat die bekannte Land-Rover-Optik auf die Spitze getrieben, indem er dem Velar fast alle Falten aus dem Kleid gezogen hat.

Sogar die Italiener bügeln glatt

Hyundai stellt am Lac Léman mit dem FE Fuel Cell Concept eine nahezu knitterfreie Studie aus, die mit ihrer sauberen Optik sogar als Symbol für den lokal emissionsfreien Wasserstoffantrieb stehen könnte. Und auch die italienische Design-Schmiede Pininfarina scheint der Sicke den Kampf erklärt zu haben. Für die Hybrid Kinetic Group aus Hongkong hat das Kreativbüro das Concept Car H600 entworfen, das nicht mit italienischer Schwülstigkeit, sondern eher mit skandinavischer Kühle aufwartet und abgesehen von einer dezenten Bundfalte auf große, plane Flächen setzt. Entsteht hier also gerade ein neuer Trend?

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Tatsächlich glatt wie ein Kinderpopo ist die Studie FE Fuel Cell von Hyundai.

(Foto: Holger Preiss)

Nein, nicht wirklich. Denn zugleich finden sich auf der Frühjahrsschau zahlreiche Vertreter, die genau den gegenteiligen Weg gehen – unter anderem Volvo! Haben sich die Schweden bislang Design-technisch eher schnörkellos gegeben, wuchert der neue XC60 mit scharfen Kanten. Allerdings erinnern die im unteren Bereich der Flanke eingearbeiteten Linien ein wenig an den alten Hyundai Santa Fe – bei dem hatte man hin und wieder den Eindruck, ihm sei gerade jemand in die Seite gefahren…

Volkswagen übertreibt’s

Deutlich markanter gezeichnet als der Volvo, fährt Volkswagens neuestes Flaggschiff vor, der Arteon. Er zeigt sich schon übertrieben verspielt und vor allem an der Front reichlich zerknittert, der Kühlergrill zieht sich förmlich über die gesamte Breite. Auch am Heck haben die Designer mehrere scharfe Kanten eingefügt. Gleiches gilt für den Mitsubishi Eclipse: Die Japaner wollen ein Stück vom immer größer werdenden SUV-Coupé-Kuchen abhaben und setzen neben der schlundartigen Front vor allem auf ausgeprägte Sicken in der Seitenansicht und ein äußerst gewöhnungsbedürftiges Heck, das alles andere ist als gefällig. Während BMW, Mercedes und Co. bei X6 und Konsorten eine möglichst elegante Dachführung wählen, unterbrechen die Mitsubishi-Designer den Fluss durch einen Spoiler und hakenförmige Rücklichter.

Wer schafft’s ohne?

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So gar nicht auf Ecken und Kanten verzichtet das neue Schlachtschiff von VW der Arteon.

(Foto: Holger Preiss)

Solche Designsperenzchen sorgen freilich dafür, dass die immer gleicher werdenden Autos einen einzigartigen Charakter behalten, und natürlich kann man eine ausgeprägte Lichtkante, Schulterpartie oder Tornadolinie (so nennen Designer gern die auf Höhe der Türgriffe umlaufende Linie) zum Stilelement machen und damit eine Markenidentität aufbauen. Nichts anders ist zum Beispiel Opels Sichel, die wieder, wenn auch in umgekehrter Form, den neuen Insignia ziert.

Wenn es ein Hersteller aber schafft, diesen Wiedererkennungswert ohne solche "Hilfsmittel", einfach nur durch eine einmalige Form herzustellen, dann darf man zu Recht den Hut ziehen. Porsche hat es bereits vorgemacht. Und Mercedes ist auf dem besten Weg dahin.

Quelle: ntv.de

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