Praxistest

Nicht sportlich, aber sparsam? Mazda CX-30 - der saugt und schaltet ab

DSC_4067.jpg

Das sogenannte Kodo-Design lässt den Mazda CX-30 wirklich schick dastehen.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Mazda CX-30 haben die Japaner seit 2019 einen wirklich schicken Crossover am Start. Da es für das Modell keinen Dieselantrieb mehr gibt, erdachten die Ingenieure einen Benziner, der aufgrund des hohen Einspritzdrucks, der Zylinderabschaltung und 24-Volt-Architektur, richtig sparsam sein soll. Funktioniert das wirklich?

Mit dem Mazda CX-30 haben die Japaner, was das Design betrifft, im Jahr 2019 einen großen Wurf im Bereich der kompakten Crossover gemacht. Das 4,40 Meter lange kompakte SUV gehört wirklich zu den ansehnlichsten in dieser Kategorie.

Natürlich ist die Optik immer ein streitbares Thema und soll deshalb an dieser Stelle gar nicht weiter darüber referiert werden. Durchaus diskussionswürdig ist aber der Antrieb, den man in Japan für den CX-30 Selection e-Skyactiv G 2.0 M Hybrid ersonnen hat. Einen Antrieb nämlich, der verhindern soll, dass der Tank bereits leer ist, bevor der Name des Fahrzeuges ausgesprochen wurde.

Zylinderabschaltung zum Spritsparen

DSC_3922.jpg

Mit einem maximalen Drehmoment von 213 Newtonmetern kann der CX-30 als Benziner mit 150 PS beim Start punkten.

(Foto: Holger Preiss)

Spaß beiseite. Der vorne quer eingebaute 4-Takt-Ottomotor soll, unterstützt von einer Zylinderabschaltung und einer 24-Volt-Architektur. Am Ende sollen der hohe Einspritzdruck und die Stillegung zweier Zylinder für einen kleinen Durst des Triebwerks sorgen. Und so können sich auch die Datenblattwerte des 150 PS starken CX-30 sehen lassen. Bei einem maximalen Drehmoment von 213 Newtonmetern, einer Beschleunigung von 8,8 Sekunden von 0 auf 100 und einer Spitzengeschwindigkeit von 198 km/h sollten eigentlich keine Wünsche offen bleiben. Und tatsächlich stürmt der Japaner unten raus zielstrebig nach vorn, ab Tempo 160 geht ihm dann aber die Puste aus.

Jedenfalls, wenn man sich an die Schaltempfehlung der Elektronik hält, die als große Zahl im mittleren Rundinstruments prangt und der dank der knackigen Handschaltung auch gerne Folge geleistet wird. Wer die Endgeschwindigkeit wirklich erreichen will, muss schon den Mut haben, die Drehzahlen bis mindestens 4000 auszudrehen. Dann liegt nicht nur das maximale Drehmoment an, es gibt auch einen kleinen Boost des Mildhybridsystems, das seine Energie beim Bremsen und Rollen generiert. So befeuert klappt es dann auch mit der Höchstgeschwindigkeit, die real sogar noch ein bisschen über den angegebenen 198 km/h liegt.

Doch nicht ganz so sparsam

DSC_3953.jpg

Im Innenraum empfängt die Insassen ein gefälliges Design und eine sehr gute Verarbeitung.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich weiß jeder, dass eine solche Fahrweise dem von Mazda für diesen Treibsatz angegebenen Verbrauch nicht zuträglich sein kann. Aus den kombinierten, unter WLTP-Bedingungen ermittelten 5,9 Litern werden dann schnell mehr als 8. Das wäre unter normalen Bedingungen auch völlig in Ordnung. Unter der Maßgabe, dass das übermäßige Verheizen fossiler Brennstoffe nicht mehr zeitgemäß ist und inzwischen auch ordentlich ins Geld gehen kann, muss man hier natürlich Kritik üben. Aber keine Angst - auch wenn der Verbrauch nicht mit den Datenblattwerten zu 100 Prozent übereinstimmt, ist er bei einer normalen Fahrweise mit 6,9 Litern dann doch durchaus akzeptabel. Schade ist natürlich, dass die Idee des Diesel hier trotz aller technischer Raffinessen nicht auf den Benziner umgesetzt werden kann und vor allem auf der Langstrecke mehr verbraucht wird. Im Test standen hier am Ende 7,5 Liter auf der Uhr.

Nun ist aber auch der Mazda CX-30 kein ausgemachter Sportwagen und die spontanen Ausreißer werden eher selten sein. Obgleich dem Japaner aufgrund seines recht straffen Fahrwerks, einer angenehm direkten Lenkung und dem G-Vectoring Control Plus (GVC), also der Fahrdynamikregelung, eine gewisse Sportlichkeit nicht abzusprechen ist. Angenehm ruhig bleibt es auch im Innenraum, wenn dann eben doch mal über die 4000 gedreht wird. Zudem erfreuen die Sitze nicht nur mit Langstreckentauglichkeit, sondern auch mit einem guten Seitenhalt in den Kurven, die man mit dem Japaner im Übrigen gerne und auch flott fährt.

Kein Raumwunder

collage.jpg

Für die Passagiere in der ersten Reihe gibt es feine Sitze, für die in der zweiten Reihe recht wenig Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Ob das in Begleitung von Passagieren auf der Rückbank passieren wird, hängt wohl von deren Körpergröße ab. Wer versucht, mit Gardemaß die zweite Reihe zu erklimmen, wird nicht viel Freude haben, denn ein Raumwunder ist der CX-30 nicht. Das verwundert bei einem Radstand von 2,65 Meter ebenso wenig wie der Kofferraum, der mit 430 Litern nur bedingt zum Familienurlaub einlädt. Wird die Lehne der Rückbank, die sich auch im Verhältnis 60 zu 40 umlegen lässt, komplett flach gemacht, sollen aber 1406 Liter Stauraum entstehen. Am Ende geht auch das für die Klasse, in der der CX-30 fährt, völlig in Ordnung.

Ob es in Ordnung geht, dass auch hier auf ein digitales Feuerwerk verzichtet wurde, muss jeder für sich entscheiden. Der Blick des Fahrers fällt weiterhin auf zum Teil digital animierte Rundinstrumente. Flankiert wird das Ganze von einem 8,8 Zoll großen Monitor, der zentral auf dem Dashboard in einer unorthodoxen Formgebung thront und ohne Touch-Bedienung, aber dafür über den schon traditionellen Dreh-Drücksteller gesteuert werden kann. Nach wie vor funktioniert das auch aufgrund der feinen Druckpunkte des Stellrades ganz ausgezeichnet.

Top Verarbeitung und schön inszeniert

DSC_3937.jpg

Auch in der Seitenansicht macht der Mazda CX-30 eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Überhaupt glänzt der Japaner bei allen Bedienelementen rund um das Multimediasystem durch eine feine Haptik. Zudem ist die gesamte Verarbeitung im Innenraum ein ganz großes Plus des CX-30. Hier gibt es keinen Grund zur Klage. Neben den obligaten Becherhaltern ist unterhalb der horizontal und vertikal verstellbaren Mittelarmlehne ein induktives Ladefeld für entsprechende Smartphones zu finden. In den Türinnentaschen verschwinden auch größere Flaschen und im Himmel gibt es ein Brillenfach, was die Frage nach der Ablage für das Binokel klärt. Das alles ist auch noch sehr ansehnlich inszeniert und wer will, kann sämtliche Öffnungen in der Mittelkonsole mit entsprechenden Abdeckungen verschließen.

Auch bei den Assistenzsystemen hat man sich bei Mazda Mühe gegeben. Da gibt es eine gut funktionierende adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, die natürlich bei einem Handschalter ihre Grenzen hat. Es gibt eine Ausparkhilfe in Form von Piepsern und einem ansehnlichen Kamerabild für Front und Heck. Ein Notbremsassistent sorgt für den rechtzeitigen Stillstand des Wagens, wenn es der Fahrer mal wieder verpennt hat und die elektrische Parkbremse verhindert, dass der Japaner sich nach dem Abstellen selbständig macht. Natürlich gibt es auch einen Spurwechselassistenten, der aber darauf verzichtet, dem Piloten beim Überfahren der Linie ins Lenkrad zu grapschen, dafür aber zur Warnung ordentlich am Volant rüttelt. Und wer will, ann sich die erkannten Verkehrszeichen neben anderen Daten auch gerne über ein Head-up-Display in die Windschutzscheibe projizieren lassen.

Der Preis ist angemessen

DSC_4027.jpg

430 bis 1406 Liter Stauraum bietet das Gepäckabteil des Mazda CX-30 je nach Lage der Rückenlehne.

(Foto: Holger Preiss)

Zudem hat der Fahrer die Wahl, sein Smartphone, gekoppelt über einen USB-Slot, über Apple Carplay oder Android Auto als Navi oder Musikbox zu nutzen. Selbstredend kann auch das hauseigene Navigationssystem genutzt werden, das den Charme hat, vor stationären Fotoapparaten am Straßenrand zu warnen, aber auch bei der Wegfindung durchaus kompetent behilflich ist. Bei allen Beigaben bleibt der Mazda CX-30 am Ende im Preis durchaus verhalten. Wer auf die Sonderlackierung für 990 Euro, Ledersitze und Head-up-Display für 1800 Euro, das Premiumpaket mit Stauassistent, Ausparkhilfe, Notbremsassistent, Querverkehrswarner und Bose-Sound-System für 1950 Euro und das Design-Paket mit 18-Zoll-Rädern, Startknopf, Handschuhfach, LED-Matrix-Licht und die elektrische Heckklappe für weitere 1300 Euro verzichtet, kann bereits ab 27.990 Euro in den CX-30 einsteigen. Andernfalls werden 34.150 Euro fällig, wobei hier auch noch das induktive Ladefeld in der Mittelarmlehne für 160 Euro eingepreist ist.

DATENBLATTMazda CX-30 e-Skyactiv G 2.0 M Hybrid
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,39 m/ 1,80 m/ 1,54 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1395 kg
Sitzplätze5
Motor/HubraumR4-Benziner mit 1998 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang Handschalter mit Frontantrieb
Leistung150 PS (110 kW) bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt51 Liter
Kofferraum430 / 1406 Liter
Höchstgeschwindigkeit198 km/h
max. Drehmoment213 bei 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,8 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP5,9 l
Testverbrauch7,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch nach NEFZ)
118 g/km
EmissionsklasseEU 6d-ISC-FCM
Grundpreis27.990 Euro
Preis des Testwagens34.150 Euro

Fazit: Der Mazda CX-30 ist ein wirklich schicker kompakter Crossover, der, was Fahreigenschaften, Verarbeitung und Beigaben bei den kleinen Helferlein betrifft, alles bietet, was es für eine entspannte Reise braucht. Wer an das Triebwerk keine sportlichen Ansprüche stellt, ist auch mit dem e-SKYACTIV G 2.0 M Mildhybrid nicht schlecht beraten. Denn wenn der verhalten gefahren wird, ist er zwar nicht so sparsam wie ein Diesel, aber durchaus in einem ansprechenden Bereich. Ähnlich verhält es sich beim Preis. Wer hier als Asket unterwegs ist, kann sehr preiswert einsteigen, aber selbst wenn die Optionsliste ausgereizt wird, hält sich das, was unter dem Strich steht, noch in Grenzen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.