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Cassel und Bellucci auf die harte Tour Der "Dobermann" schlägt wieder zu

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Nathalie steht auch auf große Wummen.

Vincent Cassel und Monica Bellucci schießen sich als Verbrecherpärchen durch Paris. Ihr Gegenspieler: ein durchgeknallter Polizist, dem nichts heilig ist. Die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen. Mehr als zehn Jahre schmort der Kultfilm "Dobermann" auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Nun ist er wieder "frei" - cool, hart, skrupellos.

Ein schwarzer Dobermann lungert während einer Taufe vor einer Kirche herum. Er winselt, stürmt in das Gotteshaus. Ein Taufpate zieht seine 357er Magnum und zielt auf den Hund, der ihn anspringt. Die Waffe fliegt im hohen Bogen in den Kinderwagen des Täuflings. Der gluckst und grinst. Seinen Spitznamen hat er damit schon früh weg: Dobermann. Seine Berufung auch: großkalibrige Waffen, mit denen er am liebsten Banken überfällt. Man kann seinem Schicksal nicht entgehen.

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Der "Dobermann" liebt Waffen, Banken und Nathalie.

So beginnt der französische Kultfilm "Dobermann" mit Vincent Cassel als Yann, Boss einer Bankräuberbande, und Monica Bellucci als seine stumme Komplizin und Geliebte Nathalie. Die Gangstergemeinschaft liebt es, Banken zu überfallen und auszurauben. Aber nicht auf die leise und vorsichtige Tour, sondern so brutal wie möglich. Menschenleben zählen dabei nicht. Als dann bei einem Überfall mehrere Polizisten sterben, nimmt der korrupte Polizist Christini (Tcheky Karyo, bekannt etwa aus "Kiss of the Dragon" oder "Bad Boys") die Sache selbst in die Hand.

Und er kommt voran, denn auf Konventionen jedweder Art pfeift er. Ihn als durchgeknallt zu beschreiben, wäre noch zu harmlos. Der gestörte Psycho-Bulle mit Nazi-Allüren erpresst von einem Gangmitglied den Termin des nächsten Treffens der Verbrecher - indem er dessen Baby mit einer scharfen Handgranate bedroht. Bei einer Fetisch-Party in einem Club kommt es dann zum großen Showdown.

Die Crew besticht

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Vincent Cassel spielt den "Dobermann".

So kurz und unbedeutend die Handlung erscheinen mag, sie reicht völlig aus, um den Film zu tragen. Das liegt einerseits am belgischen Regisseur Jan Kounen. Seine Liebe zu Comics sieht man dem Streifen in nahezu jeder Szene an. Die Hauptdarsteller sind wie Comichelden völlig überhöht dargestellt: Zu cool, um wahr zu sein. "Dobermann" ist sein Erstling. Kounen, der wie sein befreundeter Regisseurkollege Gaspar Noe einen Cameo-Auftritt im Film hat, hat mehrere Jahre nach dem passenden Stoff gesucht und ihn dann in der gleichnamigen französischen Romanserie gefunden.

Neben Kounens Stil, können aber auch die Hauptdarsteller des Films überzeugen. Vincent Cassel war ("La Haine", "Pakt der Wölfe", "Public Enemy No. 1") damals gerade ein aufgehender Stern am französischen Kinohimmel. "Ihn im Film zu haben, war ein Glücksfall. Er passt einfach ideal in die Rolle", sagt Kounen heute dazu.

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Christini, der Psycho-Bulle: Er geht über Leichen.

Bei der Besetzung von Cassels damaliger Freundin und heutiger Ehefrau Monica Bellucci ("Das Wunder von Malena", "Irreversibel") hatte Kounen "anfangs noch Zweifel“. "Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie ihre Rolle wirklich so verrucht spielen kann, wie ich es von ihr wollte", erklärt Kounen weiter. Aber bereits die Eröffnungsszene habe alle Zweifel beseitigt. Bellucci sei "sehr wild und vor allem wandlungsfähig" gewesen.

Karyo in der Rolle als psychopathischen Polizisten zu sehen, erinnert Kounen dagegen daran, wieviel Spaß die Crew beim Dreh hatte und wieviel vor allem "schwarzer Humor" in "Dobermann" steckt - abseits der Gewaltszenen.

Kult ist Kult und bleibt Kult

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"Dobermann" ist als DVD und Blue-ray bei Capelight erschienen - auch in der Mediabook-Variante mit einem 24-seitigen Booklet und u.a. einem Interview mit Regisseur Kounen.

Davon kann man sich nun auf DVD und Blue-ray überzeugen, denn "Dobermann" ist bei Capelight in der ungeschnittenen Fassung (FSK 18) erschienen. Als der Film 1997 in die Kinos kam, mögen die zahlreichen, brutalen Gewaltszenen noch etwas Neues gewesen sein, vor allem für den französischen Film. "Blutorgien wie in einem Horrorfilm" war noch eine der netteren Kritiken damals. Heute dagegen - in Zeiten von Robert Rodriguez oder Quentin Tarantino und Filmen wie "Machete", "Kill Bill" oder "Planet Terror" - käme wohl niemand mehr auf die Idee, "Dobermann" auf den Index zu setzen.

Gut, "Dobermann" gehört nicht zu den leicht verdaulichen Filmen. Er ist extrem, politisch unkorrekt und unkonventionell. Aber macht nicht gerade das einen Kultfilm aus?

Quelle: n-tv.de

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