Infografik

Unbekannte Ansteckungsherde So infiziert das Virus Deutschland

Wie genau breitet sich das Coronavirus in der Fläche aus? Eine interaktive ntv-Karte macht das regionale Fallaufkommen in einzelnen Städten und Landkreisen sichtbar. Die Daten zeigen: Heinsberg ist längst nicht mehr die einzige aktive Infektionszone.

Das deutsche Gesundheitssystem steht angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 vor seiner bisher größten und mit Abstand schwersten Bewährungsprobe. Die Infektionszahlen steigen. Bundesweit gibt es laut ntv.de-Berechnung mit Stand Montagabend mehr als 62.000 bestätigte Infektionen und 557 Todesfälle. Das sind rund 3900 Infizierte und 102 Todesfälle mehr als am Vorabend. Experten gehen davon aus, dass der Wendepunkt noch nicht erreicht ist. Zugleich bringen die Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle das Land, Europa und die Welt an den Rand einer Wirtschaftskrise von nie da gewesenen Ausmaßen.

Wie lange kann, wie lange muss Deutschland das noch durchhalten? Die Antwort auf diese dringlichen Fragen hängt nach Einschätzung von Medizinern und Virologen vor allem vom weiteren Epidemie-Verlauf ab - und von der Ausbreitung von Sars-CoV-2 in der Bevölkerung. Wo genau liegen die aktuellen Brennpunkte des deutschen Infektionsgeschehens?

Ein Blick auf die ntv.de-Deutschlandkarte zeigt die aktuelle räumliche Verteilung des Fallaufkommens:

*Datenschutz

Gelingt es, die Ausbreitung des Erregers zu verlangsamen? In welchen Regionen gibt es die höchsten Fallzahlen? Und an welchen Stellen dürfte das Fallaufkommen die Krankenhäuser bald an ihre Kapazitätsgrenzen bringen?

Die Aufschlüsselung der Fallzahlen bis auf Kreisebene liefert ein genaueres Bild des regionalen Ansteckungsgeschehens in der Fläche. Erkennbar wird dadurch zum Beispiel, dass es selbst im am schwersten betroffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen Regionen gibt, in denen das Coronavirus bisher kaum in Erscheinung getreten ist. Auch in Bayern und Baden-Württemberg entwickelt sich das Infektionsgeschehen von Region zu Region sehr unterschiedlich.

Das ntv.de-Verzeichnis der Coronavirus-Inzidenz ist frei durchsuchbar und listet das Fallaufkommen auf Kreisebene auf:

*Datenschutz

Ein größerer, bislang überregional wenig beachteter Brennpunkt zum Beispiel leuchtet im Norden Baden-Württembergs auf, wo es im Hohenlohekreis bereits 453 bestätigte Fälle gibt. Auffällig sind auch die Zahlen im Landkreis Tirschenreuth im Nordosten Bayerns. In der abgelegenen Region an der tschechischen Grenze liegt die regionale Coronavirus-Inzidenz - also die relative Anzahl der Infektion bezogen auf die Bevölkerung - um ein Vielfaches höher als in Großstädten wie Hamburg oder Berlin und mittlerweile sogar sehr viel höher als im Kreis Heinsberg.

Die sogenannte kumulative Inzidenz gibt an, wie hoch das Fallaufkommen insgesamt im Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl vor Ort ist. Dadurch lassen sich die Belastungen für die örtlichen Strukturen des deutschen Gesundheitssystems besser einschätzen. Die bundesweit am stärksten betroffene Region ist den aktuellen Fallzahlen zufolge Tirschenreuth mit aktuell 573,8 Coronavirus-Fällen je 100.000 Einwohner.

Unerkannte Ansteckungsherde?

Die Region liegt damit in der Rangliste der am schwersten betroffenen Regionen Deutschlands weit vor dem Kreis Heinsberg, wo es zum ersten größeren Ausbruch der Atemwegserkrankung Covid-19 in Deutschland gekommen war. Dort gibt es aktuell 497,4 Fälle je 100.000 Einwohner. Der Hohenlohekreis in Baden-Württemberg weist eine Inzidenz von 404,4 aus.

Bei der Inzidenz handelt es sich um eine übliche Messgröße, um das Fallaufkommen von Erkrankungsfällen in verschiedenen Regionen miteinander vergleichen zu können. Die Angaben liefern Anhaltspunkte zur Epidemie-Entwicklung, sagen aber wenig über das tatsächliche Ansteckungsrisiko vor Ort aus, das sehr viel stärker durch das individuelle Verhalten beeinflusst wird.

Die Inzidenz-Angaben verstehen sich als rein rechnerische Kennzahl. Viele Regionen Deutschlands bewegen sich auf Kreisebene unterhalb der Marke von 100.000 Einwohnern. In der Stadt Rosenheim zum Beispiel leben lediglich gut 63.000 Menschen. Davon haben sich nach bisherigem Erkenntnisstand 124 Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Die rechnerisch ermittelte Inzidenz liegt bei 195,8.

Der Kreis Heinsberg umfasst dagegen nicht nur eine sehr viel größere Fläche, es wohnen dort auch deutlich mehr Menschen: Im Dreieck zwischen Aachen, Mönchengladbach und der niederländischen Grenze leben insgesamt gut 250.000 Einwohner - fast viermal mehr als in Rosenheim.

Beim Vergleich der Fallzahlen gibt es eine wichtige Anmerkung zu beachten: Die in der Karte für die Landkreise und kreisfreien Städte angezeigten Daten beruhen auf offiziellen Zahlen der Bundesländer, die in der Regel täglich aktualisiert werden. Um die aktuellen Fallzahlen zu ermitteln und mit der lokalen Einwohnerzahl ins Verhältnis zu setzen, wertet ntv.de die veröffentlichten Zahlen der Gesundheitsbehörden aus allen 16 Bundesländern aus.

Die Daten werden zudem einmal täglich mit der morgendlichen RKI-Update abgeglichen, wobei die frischen RKI-Daten nur in die Bundesländer-Karte einfließen, da das Institut die bis Kreisebene aufgeschlüsselten Daten jeweils erst am Nachmittag zur Verfügung stellt.

In einzelnen Fällen greift ntv.de bei der Erhebung der Daten auch auf weitere Quellen zurück: Angaben vertrauenswürdiger Stellen, wie etwa offizielle Verlautbarungen aus Gemeindeverwaltungen, Landesgesundheitsämtern oder Landesregierungen, fließen ebenfalls in die Berichterstattung ein.

ntv.de-Karten und ntv.de-Infografiken werden laufend aktualisiert und unter der Angabe des jeweiligen Datenstands veröffentlicht. Da sich die Epidemie-Lage in Deutschland jedoch weiter sehr dynamisch entwickelt, bilden diese Visualisierungen auf Grundlage amtlicher Daten lediglich Momentaufnahmen zum Infektionsgeschehen ab.

Anhand der eigenen Auswertung kann sich ntv.de in der Berichterstattung zumindest auf eine belastbare und nachvollziehbare Datenbasis stützen. Allerdings gilt es stets zu bedenken, dass selbst die amtlich geprüften, offiziellen Zahlen nur den sichtbaren Teil des aktuellen Ansteckungsgeschehens zeigen. Wie hoch die Dunkelziffer der bislang unerkannten Coronavirus-Fälle tatsächlich angesetzt werden muss, wird sich erst im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Aufarbeitung aller Epidemie-Daten zeigen.

Quelle: ntv.de