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"Tote Mädchen lügen nicht" Ärzte fordern Verbot der Aufreger-Serie

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Umstrittene Rolle: Katherine Langford als Hannah Baker in "Tote Mädchen lügen nicht".

(Foto: picture alliance / Beth Dubber/N)

An der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" scheiden sich die Geister. Von den einen gefeiert, halten andere die um das Thema Selbstmord gestrickte Reihe für brandgefährlich. Kinderärzte verlangen nun sogar ihre Absetzung - sofort.

Warum nimmt sich ein Teenager das Leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht". Die bisherigen 13 Folgen der ersten Staffel basieren auf dem gleichnamigen Bestseller von Jay Asher, der im englischen Original "13 Reasons Why" heißt. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert nun die sofortige Absetzung der Serie. Man sehe darin eine große Gefahr "insbesondere für psychisch kranke und labile junge Mädchen".

Rat und Nothilfe

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige, um die Situation und die Versorgung Depressiver zu verbessern. Sie bieten Depressiven ein E-Mail-Beratung als Orientierungshilfe an.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Worum geht es in der Serie? Wenige Wochen nach dem Selbstmord von Teenagerin Hannah Baker (Katherine Langford) kommt ihr Mitschüler Clay Jensen (Dylan Minnette) in den Besitz von mehreren Kassetten. Darauf zählt Hannah selbst 13 Gründe auf, warum sie sich das Leben genommen hat. In Rückblicken werden die Ereignisse, Begegnungen und Gespräche, die zu ihrem tragischen Entschluss geführt haben, entschlüsselt.

Man sei im Hinblick auf die Auswirkungen von "Tote Mädchen lügen nicht" auf die gleiche Einschätzung wie die Fachverbände der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiater gelangt. Das gab der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte bekannt.

Gefahr des "Werther-Effekts"

"Medial präsentierte Suizide ziehen häufig Nachahmertaten nach sich: der sogenannte Werther-Effekt. Deshalb gibt es internationale Richtlinien, wie über Suizide berichtet wird. Die Netflix-Serie missachtet diese Richtlinien. Sie zeigt den Suizid drastisch und detailliert", lautet die Erklärung von Dr. Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. "Jugendliche, die sich mit der Idee der Selbsttötung beschäftigen, werden durch die Serie möglicherweise in Richtung Tat beeinflusst." Erschwerend komme hinzu, dass die Serie zeige, wie ein Suizid gelingen könne.

"Wir fordern daher ein Verbot dieser Serie", so Kahl. Der deutsche Ärzteverband ist nicht der erste, der diese Forderung erhebt. Jugendschützer plädierten bereits zum Start der Serie im März 2017 für ein Verbot. Netflix veröffentlichte daraufhin ein 30 Minuten langes Featurette auf Youtube, in dem Schauspieler, Produzenten und der Autor Asher ausführlich zu Wort kommen und die Vorkommnisse einordnen. Im Mai 2017 bestätigte Netflix trotz der zahlreichen Kritik die zweite Staffel. Diese soll 2018 sendebereit sein.

Quelle: n-tv.de, vpr/spot

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