Frauenpower für die BerlinaleWas die Filmfestspiele in Berlin 2026 so weiblich macht

Die Oscars sollten sich an der Berlinale ein Beispiel nehmen! Ab dem 12. Februar ist die deutsche Hauptstadt für zehn Tage wieder im Filmfieber. Im zweiten Jahr unter der Leitung von Tricia Tuttle stehen vor allem Frauen im Vordergrund - damit ist die Berlinale Hollywood einen großen Schritt voraus.
Als Natalie Portman 2018 bei den Golden Globes an der Seite von Regisseur Ron Howard die Kategorie "Beste Regie" präsentierte, tat sie es mit dem vielsagenden Satz: "Und hier sind die Nominierten, die alle männlich sind", gefolgt von einem trotzigen Blick ins Publikum. Wumms, dieser Satz hatte gesessen! Und er ist vielsagend darüber, wie Frauen als Regisseurinnen in der Filmwelt - vor allem in Hollywood - wahrgenommen werden.
Werfen wir einen Blick auf die Oscars, den bekanntesten Filmpreis der Welt: In 97 Jahren haben bisher nur drei Frauen einen Goldjungen in der Kategorie "Beste Regie" gewonnen: Kathryn Bigelow (2010), Chloé Zhao (2020) und Jane Campion (2021). Und auch 2026 ist ein Blick auf die diesjährige Nominierten-Liste in dieser Kategorie ernüchternd: Es sind zwar nicht nur Männer nominiert, aber mit Chloé Zhao hat nur eine Frau die Chance, einen Oscar für die beste Regie zu gewinnen.
Tatsachen, bei denen frau nur den Kopf schütteln kann. Aber bevor frau verzweifelt, die Berlinale 2026 zeigt, dass es auch anders geht!
Berlinale 2026: Frauen stehen im Vordergrund
22 Filme werden im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren. Bei neun Filmen haben Frauen Regie oder Co-Regie geführt. Das bedeutet, 41 Prozent der Werke, die im Wettbewerb vertreten sind, sind von Regisseurinnen oder in Zusammenarbeit mit ihnen entstanden. Es ist kein Wert, der zufrieden macht - aber es ist ein deutliches Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für Filmemacherinnen.
In diesem Zusammenhang betont Tricia Tuttle im Interview mit RTL/ntv: "Ich denke, das ist ein Erfolg. Wir achten sehr darauf, keine 'Quoten' festzulegen, denn es ist wichtig, dass sich jede Filmemacherin und jeder Filmemacher im Programm am richtigen Platz fühlt." Und weiter sagt sie: "Die Frauen, die diese Filme inszeniert haben und beim Festival vertreten sind, begeistern uns wirklich sehr - besonders die Regisseurinnen, die zum zweiten oder dritten Mal einen Langfilm präsentieren."
Starke Frauen, starke Geschichten
Aber auch außerhalb des Wettbewerbs sind Frauen bei der Berlinale 2026 stark vertreten. Der Goldene Ehrenbär geht dieses Jahr an Oscar-Preisträgerin und "Wicked"-Star Michelle Yeoh. Außerdem eröffnet das Filmfestival mit der Weltpremiere von "No Good Men" von der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat. Im Mittelpunkt steht eine Kamerafrau aus Kabul, die sich nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann gemeinsam mit ihrem Sohn in einer patriarchal dominierten Gesellschaft behaupten muss.
Angesprochen auf den Eröffnungsfilm gerät Tuttle ins Schwärmen: "Es ist eine Geschichte über die Liebe - und zugleich ein sehr persönlicher Film der Regisseurin Shabaneh Sadat. Mit diesem Werk legt sie bereits ihren dritten Langfilm vor. Schon ihre ersten beiden Filme waren außergewöhnlich beeindruckend, und mit jedem neuen Projekt erreicht sie ein neues künstlerisches Niveau. Wir wollten sie unbedingt unterstützen."
Überhaupt dominieren starke Frauengeschichten das Festival-Programm: In "Rose" gibt sich Sandra Hüller als männlicher Soldat aus und erhofft sich Integration in einer abgeschiedenen Dorfgemeinschaft. Juliette Binoche kümmert sich in "Queen at Sea" zusammen mit ihrem Vater um ihre demenzkranke Mutter. "The Testament of Ann Lee" mit Amanda Seyfried in der Hauptrolle porträtiert eine religiöse Führerin. Und in der Mockumentary "The Moment" kämpft Sängerin Charlie xcx mit immensen Erwartungen - mit denen von außen, aber auch mit ihren eigenen.
Also, liebe Leute in Hollywood, bitte nachmachen! Damit es bei einer großen internationalen Filmverleihung zumindest nie wieder heißt: "Und hier sind die Nominierten, die alle männlich sind."