Unterhaltung

Kein Kontakt mehr zum Ex-MannCollien Fernandes empfindet Christian Ulmens Verhalten als "Psychoterror"

23.04.2026, 16:50 Uhr
00:00 / 08:39
Schauspielerin-Collien-Fernandes-spricht-auf-der-Buehne-auf-dem-Rathausmarkt-waehrend-der-Demonstration-gegen-sexualisierte-Gewalt-gegen-Frauen
Collien Fernandes auf der Bühne auf dem Hamburger Rathausmarkt während der Demonstration gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Unter der Jacke trägt sie eine schusssichere Weste. (Foto: picture alliance/dpa)

Seit Collien Fernandes Christian Ulmen vorwirft, sie "digital vergewaltigt" zu haben, erfährt sie viel Unterstützung, aber auch viel Hass im Netz. Sie selbst führt das vor allem auf das Verhalten ihres Ex-Mannes und seiner Anwälte zurück.

Derzeit dreht Collien Fernandes für das ZDF-"Traumschiff" und ist so an einem der wenigen Ort, an denen sie sich gerade sicher fühlt, wie sie jetzt in einem langen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erzählt. Der Grund: Dort käme niemand ohne Anmeldung hin.

Neben viel Unterstützung erfährt Collien Fernandes aktuell nämlich auch jede Menge Hass, wie allein in den Kommentarspalten bei Facebook und Co. zu lesen ist. Immer wieder schreiben Menschen, dass sie ihr nicht glauben und bezichtigen sie der Lüge. Sie unterstellen Fernandes, es ginge ihr nur um Ruhm, Geld oder beides, und behaupten, ihre Vorwürfe gegen Ulmen seien haltlos oder maßlos übertrieben.

Seit die Moderatorin und Schauspielerin vor rund fünf Wochen in einem Artikel im "Spiegel" von der jahrelangen "digitalen Vergewaltigung" durch ihren Ex-Mann berichtete, kommt sie offenbar nirgendwo mehr zur Ruhe. Vor allem das Verhalten Ulmens und seiner Anwälte empfände sie als "Psychoterror", so die 44-Jährige.

Mit schusssicherer Weste zur Demo

Konkret wirft sie Ulmen vor, in ihrem Namen über Jahre Fake-Profile im Netz angelegt, sich als seine Frau ausgegeben und mit anderen Männern so gechattet zu haben. Auch soll er Porno-Videos und -Fotos verschickt haben, die den Anschein erweckten, bei der gezeigten Frau handele es sich um Fernandes. Für einen Teil der Bevölkerung ist jedoch eher sie das Problem, wie es scheint. Zu einer Demo gegen sexualisierte Gewalt in Hamburg kam sie deswegen mit schusssicherer Weste. "Mein Management hat mir gesagt, ich könne auf keinen Fall dahin, weil bei ihnen so viele Irre anrufen und mir drohen. Das war emotional wahnsinnig strapazierend für mich. Ich denke, dass die vielen Hassnachrichten auch mit dem Verhalten der Gegenseite zu tun haben."

Christian Ulmen hat sich die bekannte Medienanwaltskanzlei Schertz Bergmann zur Seite geholt, die schon im Fall von Till Lindemann gegen die Verdachtsberichterstattung des "Spiegel" vorgegangen war. In entsprechenden Abmahnungen und Pressemitteilungen war jetzt bezüglich Ulmen von "falschen Tatsachen" die Rede. Außerdem wurde das Verbreiten von Deep-Fake-Pornos seitens des Mandanten bestritten. "Das soll wie ein Dementi klingen", so Fernandes dazu. "Tatsächlich wurde ihm das Herstellen und Verbreiten von Deepfake-Videos jedoch nie unterstellt." Auf den Kernvorwurf der digitalen Gewalt und des Identitätsdiebstahls habe die Gegenseite dagegen nicht reagiert. Dennoch habe die Pressemitteilung gereicht, um Zweifel an ihrer Version zu streuen. "Jetzt (...) glauben einige, mir sei widersprochen worden, damit sei ja klar, dass ich lüge. Ich empfinde das als krassen Psychoterror vonseiten meines Ex-Manns."

"Emotionales Auf und Ab"

Kontakt zu ihm habe sie nicht mehr, und den wolle sie auch nicht. Eineinhalb Jahre Therapie lägen hinter ihr. Das sei eine harte Zeit gewesen, so Fernandes. Und: "Gerade ist es ein emotionales Auf und Ab. Kaum geht es mir besser, schreiben Leute: Sie sieht ja gar nicht wirklich traumatisiert aus." Viele Leute hätten eine falsche Vorstellung davon, wie ein Opfer auszusehen oder sich zu verhalten habe, kritisiert sie.

Collien Fernandes erstattete im November 2024 Anzeige gegen unbekannt, denn dass es Fake-Profile mit ihrem Namen im Internet gibt, wusste sie schon lange. Und ebenso lange versuchte sie, dagegen vorzugehen, drehte sogar eine Dokumentation zu dem Thema. Dass dann aber ihr eigener Mann hinter all dem stecken soll, kam erst heraus, als er von ihrer Anzeige erfahren und es ihr daraufhin gestanden habe, so Fernandes in dem "Spiegel"-Artikel im März. Und sie fügt nun hinzu: "Am Ende war vieles schlimmer als zunächst behauptet." Sie habe von Ulmen die Namen der Männer haben wollen, mit denen er geschrieben haben soll. Viele sollen aus dem beruflichen Umfeld von Fernandes stammen. "Doch er hat sich geweigert. Was mich extrem belastet hat. Er konnte natürlich die authentischste Fake-Collien von allen sein, weil er wusste, wann ich von Dreharbeiten nach Hause komme, wen ich mag, welche Konflikte ich habe. Das hat bei mir zu wahnsinniger Angst geführt. Für mich war das eine Zeit der Panikattacken."

Nur wenige Leute eingeweiht

Anvertrauen konnte sich Fernandes nach eigener Aussage in jener Zeit nur ihrer Therapeutin, ihrer Schwester Elaine Fernandes, die ebenfalls als Psychotherapeutin arbeitet, sowie einer Frau, die sie im Zuge der Sache kennenlernte und die zu ihrer besten Freundin wurde. Ulmen soll damals gesagt haben, dass Fernandes seine Persönlichkeitsrechte verletzte, wenn sie mit anderen über die Angelegenheit spräche, weshalb sie lange darauf verzichtet habe. "Ich bin essen gegangen mit Menschen, die natürlich gemerkt haben, dass mit mir irgendetwas los ist. Doch er hat so einen Druck aufgebaut. Das war kein leichtes Jahr, ich war wahnsinnig einsam. Dieser riesige Rucksack an Last, den ich mit mir rumgeschleppt habe, wurde immer schwerer."

Neben dem bereits erwähnten Hass werde ihr aber auch viel Verständnis entgegengebracht, berichtet Collien Fernandes der "Süddeutschen" weiter. Ihr werden demnach von anderen Frauen in Mails und Nachrichten immer wieder ähnliche Geschichten berichtet. "Interessanterweise ist die Grundstruktur bei fast allen identisch, auch die Argumentationslinie der Gegenseite. Das tat mir gut zu merken: Man ist nicht allein damit." Und doch versagt das System in ihren Augen. An vielen Stellen sei man seitens der Behörden auch in ihrem Fall den Dingen nicht ordentlich nachgegangen, sodass es zu Verzögerungen und Unklarheiten hinsichtlich einer möglichen Anklage gekommen sei.

Anwälte von Fernandes legen Widerspruch ein

Im Dezember 2025 stellte Collien Fernandes auf Mallorca noch einmal Anzeige - dieses Mal gegen ihren Ex-Mann. Das spanische Gericht hat inzwischen allerdings entschieden, das Verfahren nach Deutschland zu übergeben, da sich die Anzeige auf mutmaßliche Taten "auf deutschem Hoheitsgebiet" beziehe. Die Anwälte von Fernandes haben dagegen jetzt Widerspruch eingelegt. Ihr sei es vor ihrer Anzeige besser gegangen, sagt sie. "Auch das schilderten mir viele Frauen: Der erste Schmerz sei die Tat, der zweite die Stigmatisierung, die folgt, sobald man den Mund aufmacht. Man sei eine rachsüchtige Ex, die lügt, und so weiter." Und doch hoffe sie, dass es durch ihren Schritt für künftige Generationen von Frauen leichter werde.

Als Collien Fernandes gefragt wird, ob sie Männern nach alldem noch vertrauen könne, ist ihre Antwort erwartungsgemäß etwas desillusioniert: "Ich habe das Gefühl, dass ich meinen ehemaligen Ehepartner erst nach vielen Jahren richtig kennengelernt habe, eigentlich erst nach 15 Jahren. Und wenn 15 Jahre nicht ausreichen, um jemanden wirklich zu kennen, wie lang soll ich dann jetzt bitte daten?" Sie habe nach der Trennung von Ulmen noch eine weitere schlechte Erfahrung mit einem anderen Mann gemacht, die sie aber nicht näher ausführt. Da sei "schon richtig was kaputtgegangen" in ihr. Dennoch wolle sie jetzt nicht jedem Mann pauschal Misstrauen entgegenbringen.

Quelle: ntv.de, nan

Sexueller MissbrauchDigitalisierungCollien Fernandes#MeTooSexuelle BelästigungChristian UlmenPornografie