Unterhaltung

Tschüssi, Linda No, No, Nobat! Das Dschungelcamp der Unsympathen

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Sie hat sich ihre Rauswahl redlich verdient: Linda Nobat.

(Foto: RTL / Stefan Menne)

Das diesjährige Dschungelcamp-Finale am Samstag wirft seine Schatten voraus. Und selten zuvor war zu diesem Zeitpunkt so unklar, wer das Rennen womöglich macht. Auch weil die Kandidatinnen und Kandidaten sich im Reality-TV-Dickicht verheddern.

22 Jahre ist es inzwischen her, dass das, was heute gemeinhin als Reality-TV bezeichnet wird, hierzulande seinen ganz großen Durchbruch feierte. Nicht etwa mit dem Dschungelcamp, sondern mit "Big Brother". Als im Jahr 2000 erstmals das Konzept, eine Gruppe von zusammengepferchten Menschen 24 Stunden unter Dauerbeobachtung zu stellen, als großspurige Fernsehshow realisiert wurde, hatte das noch Skandal-Potenzial.

Nur zwei Jahre zuvor war der Film "The Truman Show" in die Kinos gekommen. In ihm exerzierte Jim Carrey als Versicherungsfuzzi Truman Burbank schon einmal das vermeintliche Hirngespinst vor, den schrankenlosen Voyeurismus zum alleinigen Belustigungsprinzip einer TV-Show zu erheben. Und auch der Name "Big Brother" befeuerte natürlich bewusst die Vorbehalte, spielte er doch auf George Orwells Dystopie eines Überwachungsstaats im Roman "1984" an.

Ethik-Experten, Medienwächter und sogar Kirche und Politik schalteten sich damals in die Diskussion um "Big Brother" ein. Rufe nach einem Verbot der Sendung wurden laut. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Show allerdings von Truman Burbank unterschied: Im Gegensatz zur Film-Figur, der erst nach 10.909 Tagen allmählich dämmerte, dass ihr bisheriges Leben eine einzige Lüge im TV-Studio war, wussten sie, worauf sie sich einlassen.

Die Zeit der Unschuld ist vorbei

Zumindest im Prinzip. Denn vom tatsächlichen Wesen dieses Experiments und seiner Dynamik hatten sie ebenso wenig Ahnung wie von ihrer letztendlichen Außenwirkung, erst recht nach dem Zusammenschnitt ihres Treibens zu dem, was auch "Big Brother" nun mal ist: eine Show. Jürgen (Milski), Zlatko (Trpkovski) und Co betraten damals Neuland.

Das ging auch den ersten Promis noch so, die 2004 ins Dschungelcamp zogen. Sie mögen wie etwa die Schauspielerin Mariella Ahrens, die Moderatorin Caroline Beil oder der Sänger und letztliche Dschungelkönig Costa Cordalis rampenlichterprobt gewesen sein. Darin, was sie im Camp nicht nur an Dschungelprüfungen, sondern auch an sozialen Herausforderungen erwarten würde, waren sie dennoch komplett unerfahren.

Manchmal wünscht man sich beinahe zurück in die Zeit, als die Reality-TV-Shows zwar noch heftig umstritten waren, zugleich ihre Unschuld aber noch nicht verloren hatten. Denn mit der Zeit änderte sich selbstredend der Erfahrungshorizont der Kandidatinnen und Kandidaten - und mit ihm ihr Gebaren.

Alles Fake?

Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war vermutlich die sagenumwobene Ausgabe von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" des Jahres 2009. In ihr wurde so ziemlich alles aufgefahren, um die Sendung in die Nähe einer Groteske aus der Feder von William Shakespeare zu rücken - von der inszenierten Liebesgeschichte zwischen Jay Khan und Indira Weis über das bühnenreife Drama um Sarah Knappik bis hin zum schlussendlichen Heldenepos um Sieger Peer Kusmagk.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2022. Und das Rad des Reality-TVs hat sich noch einmal kräftig weiter gedreht. Nie zuvor wurde dies so offensichtlich wie beim Blick auf die diesjährigen Protagonistinnen und Protagonisten im Dschungelcamp. Die eigentliche Inszenierung ist in den Hintergrund getreten. Das Wissen um ihre Möglichkeit dagegen scheint alles zu dominieren - und die größte Sprengkraft überhaupt im sozialen Gefüge zu haben.

"Alles Fake", tobt mit Anouschka Renzi ausgerechnet eine Schauspielerin von Minute eins durchs Camp. Die Frage, wer denn wohl im Dschungel von Südafrika am authentischsten agiere, führt zu nahezu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Und Eric Stehfest stürzen seine Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter gleich in ein derartiges Gefühlschaos, dass er ihnen kein "Fressen" mehr erspielen will und die Dschungelprüfung verweigert. Oder ist auch das inklusive seines reumütigen Gesinnungswandels alles nur Inszenierung? Darüber sinnieren nicht nur die Zuschauerinnen und Zuschauer ausgiebig, sondern eben auch Stehfests Konkurrentinnen und Konkurrenten im Kampf um die Dschungelkrone.

Harald? Filip? Manuel?

Das allgegenwärtige Misstrauen, das die 15. Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" durchzieht wie eine Kolonne grüner Ameisen, hat wenigstens eine Folge: So richtig sympathisch ist einem niemand im Camp. Selten zuvor war nur wenige Tage vor dem Finale so offen, wer das Rennen am Ende wohl macht.

Ist es Harald Glööckler, allein weil er zweifelsohne dann doch den größten Promi-Status genießt und sich trotz all seiner Blasiertheit wenigstens einigermaßen zu benehmen weiß? Ihm könnte jedoch zum Verhängnis werden, dass er sich im Camp zu oft auf die falsche Seite geschlagen hat - allen voran die der dauernörgelnden Anouschka Renzi.

Ist es Filip Pavlovic, weil er unter all den "Stars" am Rande des Nervenzusammenbruchs noch einigermaßen als "Normalo" durchgeht? In seinem Dauer-Beef mit Stehfest hat er sich allerdings auch so einige Schrammen abgeholt.

Oder ist es womöglich gar der an und für sich unscheinbare Manuel Flickinger? In den ersten Folgen noch als nahezu sicherer Kandidat für einen frühzeitigen Exit gehandelt, könnte er das alte Dschungelcamp-Märchen vom hässlichen Entlein, das zum schönen Schwan mutiert, wieder mal neu schreiben. Wie vor ihm zum Beispiel bereits Peer Kusmagk, Menderes Bagci oder zuletzt Prince Damien. Und das, obwohl oder gerade weil der ehemalige Kandidat bei "Prince Charming" (nicht zu verwechseln mit Prince Damien) den vermutlich geringsten Star-Appeal von allen im Camp hat.

Neunmalkluge Ex-"Bachelor"-Kandidatin

Für Linda Nobat indes ist das Dschungel-Abenteuer bereits beendet. Und das ist gut so. Zurecht hatte sie sich über ihre rassistische Beleidigung durch Janina Youssefian echauffiert, die ebenso zurecht zum Rauswurf des Luders vom Zuschneidetisch führte. Doch schon da hatte sich die Ex-"Bachelor"-Kandidatin durch ihre gnadenlose Selbstüberschätzung, ihr Gemobbe und Verächtlichmachen der Mitstreiterinnen und Mitstreiter ebenfalls ins Aus geschossen.

Youssefian entschuldigte sich für die "unterste Form einer Beleidigung" durch ihre rassistische Entgleisung. Die zurecht geschockte Nobat entblödete sich danach aber nicht einmal, zur vielleicht zweituntersten Form einer Beleidigung zu greifen, indem sie etwa die anderen Camperinnen und Camper als "Opas und Omas" wegen ihres Alters diskriminierte. So neunmalklug sie sich auch geriert - die hellste Leuchte ist sie nicht, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen. Das Publikum hat das erkannt und entsprechend sanktioniert. Getreu dem Motto: No, No, Nobat.

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": Daniel Hartwich und Sonja Zietlow führen wie gewohnt durch die Sendung, bis sich am 5. Februar entscheidet, wer Dschungelkönig oder Dschungelkönigin wird. Am 6. Februar findet das "Große Wiedersehen" aller Dschungel-Stars statt. Die Show ist auch auf RTL+ abrufbar.

Quelle: ntv.de

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