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"Bad Banks" macht Lust auf TV Desirée Nosbusch als geniale Intrigantin

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Desirée Nosbusch musste sich mit ihrer "Christelle" erst anfreunden.

imago/Future Image

Wenn Frauen etwas erreichen wollen, dann sollten sie immer besser sein als ein Mann, alte Geschichte. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sie erreichen, was sie zu erreichen suchten. Denn wenn sie dann besser sind als "der Mann" - dann werden sie auch gern mal rausgeworfen, weil das männliche Ego damit (noch) nicht umgehen kann. So geht es auch der jungen, ehrgeizigen Jana Liekam, dargestellt von der mehr als überzeugenden Paula Beer. Sie kämpft aber nicht nur in einem überwiegend männlichen Umfeld gegen Männer, sondern vor allem gegen eine Frau, Christelle Leblanc (Desirée Nosbusch), die im Hintergrund die Fäden zieht. Um es kürzer zu machen: Eine junge Bankerin wird in eine Intrige verstrickt, die sie zwingt, ihrer eigenen Bank zu schaden. Die Krise, die daraus resultiert, gerät außer Kontrolle. Bis zur letzte Sekunde bleibt es spannend, wer verliert und wer gewinnt. In der Welt des Investmentbankings, die dem Zuschauer im Laufe der sechs Folgen näher gebracht wird und von dessen Gebaren sich jeder Nicht-Investment-Banker gleichzeitig nur abgestoßen fühlen kann, in dieser Welt bewegt sich die genialisch-talentierte Bankerin Jana wie ein Fisch im Wasser. Sie kann mit den Haien schwimmen - aber wie lange? Schon lange gab es keine so spannende deutsche Serie mehr, schon lange war man nicht mehr derartig froh darüber, alle Folgen in einer Nacht hintereinander sehen zu können, schon lange nicht mehr hat ein Regisseur (Christian Schwochow) ein derart gutes Schauspieler-Ensemble um sich herum versammelt. "Bad Banks" schreit nach mehr - vor allem nach weiteren Folgen! Und Desirée Nosbusch hat n-tv.de verraten, warum "Bad Banks" für sie die beste Investition seit langer Zeit ist.

n-tv.de: Desirée Nosbusch in einer Serie, das ist neu.

Desirée Nosbusch: Ja, das sehe ich genauso (lacht). Das ist eine Chance und eine Möglichkeit - und auch ein Rolle - die ich in dieser Form noch nie hatte. Da kann ich endlich mal eine andere Seite von mir zeigen.

Sind Sie auch persönlich ein Serienfan?

Ich habe 26 Jahre in Amerika gelebt; da kommt man an Serien, vor allem, wenn man zwei Kinder hat, nicht vorbei. Zum Glück ist man heute nicht mehr von Sendeterminen abhängig - man kauft sich eine Season und macht Binge Watching. Und für manche Themen braucht man eben auch ein bisschen mehr Zeit - so wie Christian Schwochow das jetzt bei "Bad Banks" gemacht hat.

Sie spielen die Christelle LeBlanc, eine elegante, etwas ältere Frau, die Geld hat und Macht und eine Meisterin im Intrigenspinnen ist - wie haben Sie sich gefallen, als Sie sich das erste Mal "in älter" gesehen haben?

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Bevor Leblanc Bankerin wurde, machte sie beim französischen Auslandsnachrichtendienst DGSE Jagd auf Wirtschaftsbetrüger und Geldwäscher.

(Foto: dpa)

Ich habe gedacht: "Können wir bitte eine Perücke nehmen, die mich nicht ganz so alt macht (lacht laut)? Aber Christian ließ sich nicht erweichen. Und dann habe ich total verstanden, warum: Da ging es nicht um Eitelkeit, sondern darum, mit diesen Banken-Bossen auf Augenhöhe zu sein. Darum, sich Typen wie Tobias Moretti und Barry Atsma entgegenzustellen. Man muss den Raum schließlich genauso füllen wie diese Jungs. Da kann man nicht einfach so in Alltagsklamotten und eben auch nicht mit einer Alltagsfrisur dagegen ankommen. Als ich mich damit angefreundet hatte, hatte das Ganze auch etwas Befreiendes, es ging dann nämlich nur noch um den Inhalt und das Spielen.

In dem Fall kann man einen Anzug fast als Uniform betrachten, oder?

Ja, natürlich, das geht in Amerika noch viel weiter. Da gehen viele in der Finanzwelt zu bestimmten Schneidern und lassen sich die Anzüge und Schuhe maßanfertigen.

Nur, um dann doch irgendwie gleich auszusehen.

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Die Besetzung: Albrecht Schuch, Mai Duong Kieu, Paula Beer, Regisseur Christian Schwochow, Desiree Nosbusch, Barry Atsma, Marc Limpach und Jörg Schüttauf bei der Premiere von "Bad Banks".

(Foto: imago/Future Image)

Ja, aber jemand wie Christine Lagarde, die ich mir zum Stil-Vorbild genommen habe, trägt auch eine Art Uniform.

Das ist eine vollkommen andere Welt, oder?

In eine neue Welt einzutauchen, ist das Spannendste für einen Schauspieler. In unserem Fall erwartete der Regisseur das geradezu von uns. Vollkommenes Eintauchen in die Materie. Ich habe mich mit einer Frau in London getroffen, die meiner Christelle Leblanc sehr nahe kam. Das hat mir sehr geholfen bei der Recherche für die Erarbeitung meiner Rolle. Interessant war da für mich vor allem, dass diese Leute, egal ob sie in London, Frankfurt am Main oder Dubai arbeiten, alle in derselben "Seifenblase" leben. Die sind immer unter sich, sie haben ihre eigenen Kneipen und Restaurants. Sie haben einen vollkommen anderen Alltag als wir. Das heißt, diese Welt ist und bleibt abstrakt nach außen. 

Worum geht es in dieser Welt vor allem?

Es geht vor allem um Macht. Ob mit oder ohne Moral - die Frage stellt sich oft nicht mehr. Da heißt: Entweder du landest auf dem "Sterbeflur" oder ich.

Haben Sie sich in der Rolle wohlgefühlt?

Ich habe sie wahnsinnig gerne gespielt, weil sie ganz anders ist als ich. Es gab aber auch Szenen, in denen mir das sehr schwergefallen ist. Die Christelle ist so hart, so manipulativ.

Manchmal blitzt etwas Warmes, Menschliches durch bei Christelle. Ist das typisch weiblich?

Für mich war wichtig, zu erzählen, dass diese Leute trotz allem auch Menschen sind. Auch wenn sie oft wie Maschinen wirken - sie haben dennoch Gefühle, sind verletzlich.

Die Männer wirken in "Bad Banks" oft verletzlicher, weil ihre Gier sie fast blind macht.

Das stimmt. Aber das ist ja auch das Spannende. Vor allem für eine Christelle Leblanc, die versucht, alles und jeden zu manipulieren.

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Paula Beer als Jana Liekam - fantastisch.

(Foto: dpa)

Und Leblancs/Ihr Verhältnis zu Jana Liekam/Paula Beer?

Ganz eindeutig bewundere ich diese junge Frau. Ich benutze sie oder versuche es zumindest, aber eigentlich finde ich, dass sie ganz viel von mir selbst hat (lacht). Das ist nicht nur ein Machtkampf, sondern auch tiefe Bewunderung.

Sie leben nach langer Zeit wieder in Europa, genauer gesagt in Ihrer alten Heimat Luxemburg.

Ja, und ich fühle mich sehr wohl. Natürlich vermisse ich auch vieles aus Los Angeles. Das fängt an erster Stelle bei meinen Kindern an, geht über das freundliche "Hi, how are you" beim Bäcker und endet beim Wetter. Aber rein politisch muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, dort weg zu sein (lacht). Außerdem liebe ich als Halb-Italienerin nicht nur die italienische Küche - bei mir gibt es immer Wein, 'ne Nudel und einen großen Tisch für alle. Vor allem liebe ich die Kulturenvielfalt in Europa: Du setzt dich in den Flieger und nach zwei Stunden bist du in einer anderen Welt!

Wird es weitergehen mit "Bad Banks"?

Das hoffe ich sehr! Es sieht nicht schlecht aus. Aber auch wenn das alles jetzt ganz danach aussieht, HBO mit eingestiegen ist und so weiter: Ich glaube es erst, wenn ich wieder am Set stehe (lacht)

Ein Wort noch zur aktuellen "MeToo"-Diskussion: Sie sind lange dabei, Sie arbeiten international - was ist Ihr Eindruck? Was bedeutet Ihnen die Debatte?

Ich bin sehr froh, dass all diese Dinge jetzt zur Sprache kommen. Es hat viel zu lange gedauert. Gott sei Dank trauen sich viele Frauen jetzt, etwas zu sagen. "MeToo" bietet quasi einen geschützten Raum, in dem Frauen endlich sagen können, was ihnen widerfahren ist. Bin ich damit in Berührung gekommen? Ja, natürlich! Ich arbeite seit 40 Jahren in diesem Job. Ich habe mit 12 bei Radio Luxemburg angefangen. Ich bin bereit, mit auf die Barrikaden zu gehen. Jede und jeder muss aber für sich entscheiden, wie weit sie oder er konkret gehen will. Möchte man jemanden anklagen oder nicht? Wenn es Leute gibt, die immer noch da draußen rumlaufen und weiter so agieren, als wäre nichts geschehen, dann muss man sie benennen und stoppen.

Mit Desirée Nosbusch sprach Sabine Oelmann

"Bad Banks" feierte am 21. Februar 2018 Premiere im Rahmen der "Drama Series Days" auf der Berlinale und ist in der Arte- und der ZDF-Mediathek zu sehen. Ausstrahlungstermine sind am 1. und 2. März auf Arte und am 3./4./5. März im ZDF.

Quelle: n-tv.de

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