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Vom TV-Trash zur Anwältin? Die einzigartige Karriere der Kim Kardashian

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Doch nicht so talentlos, wie Kritiker behaupten? Kim Kardashian.

(Foto: imago images/Runway Manhattan)

Ein geleaktes Sextape machte Kim Kardashian 2007 schlagartig berühmt. Mittlerweile gilt sie als Königin des Reality-TV und hat ein milliardenschweres Beauty-Imperium aufgebaut. An ihrem 40. Geburtstag kann die angehende Juristin auf eine beachtliche Karriere zurückblicken.

Wenn uns die USA eines lehren, dann ist es wohl Folgendes: Es braucht nicht viel, um Erfolg zu haben. Im "Land of the Free" kann der Tellerwäscher bekanntlich zum Millionär werden und ein windiger Immobilienmakler es mit dem nötigen Selbstbewusstsein sogar bis ins Weiße Haus schaffen. Und wer abseits der Politik einigermaßen attraktiv ist und die richtigen Leute kennt, hat bereits die besten Voraussetzungen, um irgendwie bekannt zu werden. Auf dieser Basis hat sich in den Vereinigten Staaten eine Gesellschaft definiert, in der man dafür berühmt sein kann, berühmt zu sein.

Niemand verkörpert dieses Phänomen mehr als Kim Kardashian. Die Königin des Reality-TV, die heute ihren 40. Geburtstag feiert, hat es geschafft, in dieser schnelllebigen Gesellschaft, in der der Ruhm so schnell verfliegen kann, wie er begonnen hat, seit 13 Jahren allgegenwärtig zu sein. Wer nicht unter einem Stein lebt, kommt an ihr und ihrer Familie, dem berüchtigten Kardashian-Jenner-Clan, nicht vorbei. Aber wie hat diese Frau, deren größtes Talent nach eigenen Angaben ist, mit ihrem Geruchssinn Karies bei anderen Menschen diagnostizieren zu können, es geschafft, ein 900 Millionen Dollar schweres Beauty-Imperium zu schaffen?

Geboren im Promi-Hotspot in Beverly Hills, kam Kardashian bereits im frühen Alter mit den Schönen und Reichen in Kontakt. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand ihre Familie erstmals 1994, als ihr Vater, der verstorbene Rechtsanwalt Robert Kardashian, Teil des Verteidiger-Teams im medial ausgeschlachteten Mordprozess um seinen Freund O. J. Simpson wurde. Bekanntheit erlangte Kim selbst später als Sidekick ihrer Kindheitsfreundin - dem bis dato wohl bekanntesten It-Girl überhaupt - Paris Hilton. Als Stylistin der Hotelerbin, die durch die Veröffentlichung eines Sextapes in den Klatschspalten sämtlicher Boulevardblätter zum Phänomen geworden war, wurde Kim an Hiltons Seite fast täglich von Paparazzi abgelichtet und bekam sogar einige Gastauftritte in ihrer Reality-Show "The Simple Life". Ein strategisch kluger Schachzug der 40-Jährigen, die schon von klein auf geplant hatte, eines Tages berühmt zu sein.

"Ruhm besser monetarisiert als jeder andere"

Kardashian überließ in ihrer Karriere nichts dem Zufall. Für sie gäbe es "nicht so etwas wie einen faulen Tag", sagte sie kürzlich im "Vogue"-Interview. Und so erfüllte sich der Traum von einer eigenen Reality-Show nach mehreren gescheiterten Anläufen 2007, als ihr Sextape mit Ex-Freund und Rapper Ray J auf mysteriöse Weise an die Öffentlichkeit geriet. Nur wenige Wochen später wurde die erste Folge von "Keeping Up with the Kardashians" (KUWTK) ausgestrahlt.

Wer für den Leak des Amateurpornos verantwortlich war, ist bislang zwar unklar. Den Vorwurf, dass es "Momager" (ein Wortspiel aus Mom und Manager) Kris Jenner und Kim selbst waren, die das Video aus strategischen Gründen weitergaben, streitet die Familie bis heute vehement ab. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass nicht nur Kim, sondern auch ihre gesamte Familie auf Grundlage des Sextapes reich und berühmt geworden sind.

Eine Klage gegen die Webseite, die das Video veröffentlicht hatte, ließ Kim gegen einen Schadenersatz in Höhe von fünf Millionen Dollar wieder fallen. Mittlerweile gibt es unter Kim Kardashians Namen zahlreiche Parfüms, Bücher, Kosmetika und Kleidung sowie ein Handyspiel und sogar Emojis (sogenannte "Kimojis") zu kaufen. Das "Forbes"-Magazin schrieb 2015, die Selfie-Queen habe "ihren Ruhm besser monetarisiert als jeder andere".

Welcher Scheidenausfluss riecht am besten?

Das Erfolgsrezept scheint dabei relativ simpel zu sein: Auffallen um jeden Preis. Und so hat sie aus dem, was ihr zur Verfügung stand, das Maximum gemacht. Mit einem nicht zu leugnenden professionellen Gespür für Selbstvermarktung, Karrieregeist und die Macht der sozialen Medien hat Kim Kardashian ihrer Familie ein milliardenschweres Imperium ermöglicht. "Im Grunde genommen ist ihr gesamtes Leben zu jeder Zeit zur Schau gestellt und ich denke, dass sie das für bestimmte Konsumenten authentisch und nahbar macht", erklärt sich Beauty-Marketing-Expertin Alison Gaither das Phänomen Kardashian laut BBC.

Dass die Dialoge und Geschehnisse in der lukrativen Dauerwerbesendung teilweise offensichtlich gescripted sind, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Ob durch Kims 72-tägige Ehe mit Basketballprofi Kris Humphries, fragwürdige "Welcher Scheidenausfluss riecht am besten"-Wettbewerbe mit ihren Geschwistern oder Einblicke in ihr Eheleben mit dem bipolaren Rapper und Präsidentschaftskandidat Kanye West - sie weiß zu unterhalten. Und so perfide die Art der Unterhaltung auch sein mag, der KUWTK-Hype lässt auch nach der mittlerweile 19. Staffel nicht nach. Hier leben die Zuschauer ihre Lust am Voyeurismus aus wie sonst nirgendwo.

Kim Kardashian polarisiert und fasziniert die Massen zugleich. Viele Frauen feiern sie und ihre Schwestern wegen ihrer üppigen Kurven für ihre authentische "Body Positivity". Gleichzeitig sind sie maßgeblich für den Anstieg von Po-Implantaten, Botox und aufgepolsterten Lippen und Wangen bei jungen Frauen verantwortlich. Kein Wunder also, dass sie von Fans als Feministinnen angesehen und von Kritikern wie dem britischen Moderator Pierce Morgan als "ein Haufen talentloser, narzisstischer, hirntoter Bimbos" verachtet werden. Doch ganz egal, was andere von ihnen halten, sie machen stets unermüdlich weiter.

TV-Trash mischt US-Politik auf

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Mit ihren 40 Jahren kann Kim Kardashian auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. Doch das hindert sie nicht daran, neue Träume zu verfolgen. Mittlerweile arbeitet sie hart daran, ihr Image vom Reality-Star mit zweifelhafter Daseinsberechtigung aufzupolieren. Seit zwei Jahren macht die Vierfach-Mutter ein Praktikum in einer Kanzlei, um 2022 ihre Anwaltsprüfung abzulegen. Kalifornien ist einer der wenigen US-Bundesstaaten, in denen eine langjährige Mitarbeit in einer Kanzlei und begleitende Kurse ein Jura-Studium ersetzen können.

Auch die US-Politik hat sie mit ihrem neuen thematischen Schwerpunkt ordentlich aufgemischt. Unter Präsident Donald Trump war sie an einer Strafrecht- und Gefängnisreform in den USA beteiligt und maßgeblich für die Freilassung Dutzender afroamerikanischer Gefängnisinsassen verantwortlich, die wegen Drogendelikten zu langen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Sorgte ihr Engagement im Weißen Haus zunächst noch für viel Spott und Häme, ist mittlerweile klar, wie ernst es ihr mit diesem Anliegen ist. "Mein Ziel ist es, in zehn Jahren nicht mehr Kim K zu sein", sagte sie in ihrer Show. "Stattdessen möchte ich mich darauf konzentrieren, Rechtsanwältin zu sein und für viele bedürftige Menschen zu kämpfen."

Quelle: ntv.de