Ein König, viele UrteileGil Ofarim gewinnt das Dschungelcamp 2026
Von Verena Maria Dittrich
Krone auf dem Kopf, Tränen in den Augen. Gil Ofarim gewinnt das Dschungelcamp und draußen kochen die Emotionen über. War das ein TV-Sieg oder ein gesellschaftlicher Stresstest?
"Du lagst im Voting vom Dschungelcamp von Tag 1 immer vorn", sagt Sonja und krönt damit "Gil - wer hätte das gedacht - den Ersten" zum neuen Dschungelkönig. Anders, als wir das aus den Vorjahren kennen, gibt es nach der Entscheidung keine Bilder, die den Sieger zeigen, wie er allein, freudig und fassungslos zugleich, durch das Camp rennt und Luftsprünge macht.
Ofarim bleibt allein auf der Bank sitzen, wo er noch bis eben die Hand der Zweitplatzierten, Prinzessin Samira, gehalten hat. Als die Telefonleitungen geschlossen sind und das Ergebnis feststeht, beglückwünscht sie ihn, und man merkt es sofort: Da ist weder Groll noch Verbitterung in ihrem Herzen, nur pure Aufrichtigkeit.
Auch beide Moderatoren geben dem Mann, der während dieser Staffel wie kein anderer für eine Achterbahn der Gefühle sorgte, nicht das Gefühl, sich nicht ehrlich für ihn freuen zu können. Ofarim habe "Sterne geholt wie kein anderer, alles ertragen und alles geschluckt, was auf ihn zukam". Gil, der I., sei eine Majestät ohne Überraschungen, denn bei ihm "sind die Skandale alle schon bekannt".
Nach der Verkündung bricht die Dschungelhoheit in Tränen aus, bleibt still und lässt den Kopf sinken. Erst als er auf dem Thron sitzt, mit Krone auf dem Kopf und Zepter in der Hand, richtet er seine ersten Worte an das Volk. Er habe nicht damit gerechnet, so weit zu kommen, sein Koffer sei stets gepackt gewesen. Sein Dank gilt in erster Linie dem ganzen Team und auch seinen Mitcampern, denn ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Liebesgrüße schickt er an seine Frau und seine Kinder.
Gil ist nicht der neue Weltherrscher
Und natürlich ist da indirekt auch die Frage, wie weit er seinen Sieg den nahezu täglichen Verbalattacken von Ariel, der Flacherdlerin zu verdanken habe, die sich wie keine andere in die Idee verbissen hatte, ihr "ganzes Leben lang" aufzuzeigen, dass Ofarim ein "Verbrecher, Betrüger und böser Mensch" sei. Kein böses Wort kommt zu diesem Thema über seine Lippen, stattdessen auch hier nur ein bescheidener Dank.
Was man an dieser Stelle aber auch einmal sagen muss, ist, wie sehr man in diesem Moment den Profi erkennt. Auch Sonja und Jan geben dem neuen König kein schlechtes Gefühl - im Gegenteil. "Du bist als umstrittener Kandidat ins Camp gegangen und als König wieder rausgekommen. Wir sind gespannt, was dein Sieg für die Leute da draußen bedeutet."
Muss man mit dem Sieg einverstanden sein? Natürlich nicht. Kann man diesen Sieg ungerecht finden? Selbstverständlich. Es macht aber den kleinen und feinen Unterschied, wie wir mit Menschen umgehen, die in unseren Augen fatale Fehler begangen haben. Ist es richtig, sie auf ihr Fehlverhalten anzusprechen, sie zu kritisieren und ihnen die Meinung zu sagen? Ja. Rechtfertigt es, dass wir diese Leute tagtäglich aufs Neue verurteilen, sie niedermachen, maßregeln, verbal attackieren und in einer penetranten Vehemenz schikanieren? Nein.
Und es stimmt, wenn Sonja sagt, dass es sich immer noch um eine Unterhaltungssendung handelt. Dass da jemand eine Krone aus Blättern und Blüten auf den Kopf gesetzt bekommt - und nicht zum nächsten Weltherrscher gekürt worden ist.
Das letzte Abendmahl
Bekanntermaßen mussten sich die Finalisten zuvor das letzte Abendmahl erkämpfen. Gil steckte in der Dschungelprüfung "Nicht sehen" in einem Glashelm und holte alle fünf Sterne für die Vorspeise sowie ein "Goodie", während sich Schlangen um ihn herum schlängelten. Freudig bedankte er sich bei Sonja und Jan für diese Reise und schrie auf dem Weg ins Camp ein lautes "Yes" in den Urwald.
Unser "Hubsi" hatte leider eine der schwierigsten Prüfungen und musste für die Sterne ordentlich reinhauen. Es gab unter anderem Fischaugen, Kamelhoden und einen Drink aus pürierten Ochsenfroschschenkeln. Hubert kaute und schluckte und hat wirklich "alles gegeben", wie Jan lobend anmerkte. Der Lohn: vier von fünf Sternen. Heißt: Drei Hauptgerichte fürs Camp standen damit gesichert auf dem Tisch.
Auch Samira lieferte in ihrer letzten Dschungelprüfung "Nicht hören" astrein ab. Die Frau, die die perfekte Vorlage für eine Disney-Filmheldin wäre, trotzte Spinnen und Schlangen und holte alle fünf Sterne.
14 Sterne haben Samira, Gil und Hubert erkämpft. Das heißt: Es gab für jeden sein Lieblings-Drei-Gänge-Menü inklusive Getränk. Ratzfatz waren die Köstlichkeiten verputzt, und dabei wurde auch festgestellt, dass "gutes Essen in guter Gesellschaft" unschlagbar sei. "So unterschiedlich wir drei auch sind - in welcher Welt könnten wir hier so beieinander sitzen und so gut essen? Das verbindet einfach so sehr!", sagte der spätere König Gil.
"Ein großer Manipulator"
Kurz vor der Krönung lauschten wir auch noch einmal dem, was unsere zuletzt geschasste Camperin Simone nach ihrem Ausscheiden zu sagen hatte. So erfahren wir, dass sie wahrlich froh ist, draußen zu sein. "Lieber die Vierte als die Zweite sein, eventuell hinter einer 'so komischen Person' wie Ofarim - nein, das käme für sie nicht infrage. (...) Wenn so einer gewinnen würde", so Frau Ballack, "würde ich meinen Glauben an Reality verlieren." Sie plauderte außerdem aus, dass Gils Ex-Frau Verena sie am Telefon vorab gewarnt habe: "Pass auf, der ist ein großer Manipulator."
Diese "IBES"-Staffel hat wie kaum eine andere Deutschland bewegt. Jan Köppen sagt unter anderem, es habe im Halbfinale die höchsten Anrufzahlen seit der ersten Staffel gegeben. Siebzehn Tage voller Beschimpfungen, Bestrafungen und endloser Diskussionen liegen hinter uns. Aber diese Geschichte muss mehr aushalten als die Wut vieler Menschen auf Gil Ofarim.
Antisemitismus verschwindet nicht, und Cancel Culture wird auch nicht gerechter, nur weil sie sich in diesem Fall gut und richtig anfühlt. Ja, der neue Dschungelkönig triggert viele Leute immens. Aber dieses Ergebnis erinnert uns auch daran, wie schnell wir bereit sind, Maßstäbe zu verschieben, solange wir uns auf der richtigen Seite wähnen. Menschen kündigen anderen die Freundschaften, für viele gibt es nur gut oder böse, richtig oder falsch. Aber jemanden nicht vereint mitzuhassen heißt nicht, dass man ein "heimlicher Fan" ist.
Dieses Herunterbrechen komplexer Sachverhalte auf ein Entweder-oder, schwarz oder weiß, gut oder böse hat dazu geführt, dass wir einander kaum noch zuhören - weil alles, was nicht sofort passt, als falsch gilt. Ein bisschen weniger Sofa-Tribunal und ein bisschen mehr Luft holen würde dieser Debatte guttun.
Danke an alle, die diese Dschungelberichterstattung bei ntv begleitet und die Texte in diesen siebzehn sehr dichten Dschungeltagen gelesen haben.