Sechsfach ausgezeichnetEuropäischer Filmpreis geht an "Sentimental Value"

Ein Familiendrama ist der große Gewinner beim Europäischen Filmpreis. Die internationale Koproduktion "Sentimental Value" des Norwegers Joachim Trier geht der Frage nach, warum Familien so kompliziert sind.
Das Drama "Sentimental Value" hat gleich sechs Europäische Filmpreise gewonnen, darunter die Auszeichnung für den besten Film. Der norwegische Filmemacher Joachim Trier erzählt darin von der komplizierten Beziehung eines Regisseurs zu seinen beiden Töchtern. Die Hauptdarsteller - der Schwede Stellan Skarsgård und die Norwegerin Renate Reinsve - gewannen beide Schauspielpreise. Trier wurde selbst auch für die beste Regie ausgezeichnet. Der Film ist eine norwegisch-französisch-dänisch-deutsch-schwedische Koproduktion.
Fünf Auszeichnungen gingen an das Roadmovie "Sirât" des französischen Regisseurs Oliver Laxe, darin machen sich ein Vater und sein Sohn in der Wüste auf die Suche nach der verschwundenen Tochter. Der deutsche Beitrag für die Oscars - "In die Sonne schauen" von Regisseurin Mascha Schilinski - gewann eine Auszeichnung für das beste Kostümbild, ging aber sonst trotz etlicher Nominierungen leer aus.
Solidarität mit dem Iran
Die Eröffnungsrede im Berliner Haus der Kulturen der Welt hielt der iranische Regisseur Jafar Panahi ("Ein einfacher Unfall"), der auf die Lage in seinem Heimatland hinwies. Die Regierung im Iran war zuletzt mit aller Härte gegen Demonstranten vorgegangen, Tausende Menschen wurden von den Sicherheitskräften getötet. "Wenn die Welt heute nicht auf diese eklatante Gewalt reagiert, dann ist nicht nur der Iran, sondern die ganze Welt in Gefahr", sagte Panahi. Auch auf dem roten Teppich zeigten sich mehrere Filmschaffende solidarisch mit den Menschen im Iran.
Der Europäische Filmpreis, der abwechselnd in Berlin und einer anderen Stadt vergeben wird, wurde zum 38. Mal verliehen. Die rund 5400 Mitglieder der Europäischen Filmakademie konnten - ähnlich wie bei den Oscars in den USA - über viele Preisträgerinnen und Preisträger abstimmen.
Als bester Dokumentarfilm wurde "Fiume o Morte!" ausgezeichnet. Die Auszeichnung für das Lebenswerk ging an die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann ("Szenen einer Ehe"). Ausgezeichnet wurden auch Maren Ade, Janine Jackowski und Jonas Dornbach von der Berliner Produktionsfirma Komplizen Film. Die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher ("Glücklich wie Lazzaro") erhielt eine Ehrung für ihre Verdienste um den weltweiten Einfluss des europäischen Kinos.