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Beisetzung auf Schloss Windsor Großbritannien trauert um Prinz Philip

Mit einer Trauerfeier in der St.-Georgs-Kapelle des Schlosses Windsor wird des verstorbenen Prinzen Philip gedacht. Viele Schaulustige pilgern trotz der Bitte, dies nicht zu tun, zu dem Begräbnis. Ein starkes Polizeiaufgebot sichert die Zeremonie. Dennoch kommt es zu einem Zwischenfall.

Mit einer Zeremonie im engen Kreis von lediglich 30 Gästen ist des verstorbenen Prinzen Philip auf Schloss Windsor gedacht worden. Während der Trauerfeier in der St.-Georgs-Kapelle wurde der Sarg mit den sterblichen Überresten des Ehemanns der britischen Königin Elizabeth II. in die königliche Gruft hinabgelassen.

Geleitet wurde die Trauerfeier vom Dekan von Windsor, David Conner. Er führte die Queen, die als erstes Mitglied der königlichen Familie die Kapelle auf dem Schlossgelände verließ, nach dem Gottesdienst auch zum Auto.

Unterdessen wurden ihre Enkel, Prinz William und Prinz Harry, dabei gesichtet, wie sie sich nach der Trauerfeier unterhielten. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie Harry am Ausgang der Kapelle zunächst mit Williams Ehefrau, Herzogin Kate, sprach. Als William hinzukam, schritten die drei gemeinsam - Harry mit Maske in der Mitte - über das Gelände.

Schweigeminute zum Auftakt

Den Auftakt zu der Gedenkfeier hatte eine Schweigeminute gebildet, der sich Menschen in ganz Großbritannien anschlossen. Die Queen wirkte während der Zeremonie gefasst, sie saß mit etwas Abstand zu ihren Kindern und Enkeln ganz vorn in der Kirche. Die meiste Zeit hielt sie den Kopf gesenkt mit einer Lesebrille und verfolgte augenscheinlich Lied- und Redetexte.

Besonders Thronfolger Prinz Charles und Herzogin Kate machten einen ergriffenen Eindruck. Die Trauergäste trugen schwarze Mund-Nase-Bedeckungen. Viele der weiblichen Gäste trugen schwarze Schleier - die Königin allerdings verzichtete darauf.

Prozession zur Kapelle

Zuvor war der Sarg mit dem Leichnam des Ehemanns der Queen mit einem eigens für den Anlass gestalteten Land Rover zur Trauerfeier gebracht worden. Insgesamt folgten neun Mitglieder der Königsfamilie dem Wagen mit dem aufgebahrten Sarg zu Fuß. William und Harry gingen in derselben Reihe, aber nicht direkt nebeneinander. Zwischen ihnen war Peter Philips, der älteste Sohn der Queen-Tochter Prinzessin Anne, gruppiert.

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Die engsten Familienmitglieder verfolgten den Sarg.

(Foto: REUTERS)

Mit dieser Anordnung, so spekulierten Medien, wollte die Königin sichtbare Spannungen zwischen den Brüdern vermeiden. Deren Beziehung hatte zuletzt stark unter dem Umzug von Harry und dessen Frau, Herzogin Meghan, in die USA sowie Rassismus-Vorwürfen des Paares gegen den Palast gelitten.

Nachdem der Sarg von Soldaten auf den Leichenwagen gehoben worden war, verließ die Königin das Gebäude. Sie bestieg ihre Staatslimousine und der Wagen schloss sich dem Trauermarsch zur St.-Georgs-Kapelle an.

Meghan sieht Zeremonie im TV

Die schwangere Herzogin Meghan verfolgte die Trauerfeier unterdessen in den USA im Fernsehen. Da sie selbst nicht persönlich dabei sein könne, wollte sie die Beisetzung zu Hause in Los Angeles im TV schauen, hieß es. Auf Anraten ihres Arztes war Meghan, die ihr zweites Kind erwartet, nicht nach England gereist. Harry war daraufhin ohne sie nach London geflogen.

Auch Premierminister Boris Johnson habe die Zeremonie per Fernseher auf seinem Landsitz in Chequers verfolgt und sich an der Schweigeminute beteiligt, hieß es. Um die Stille nicht zu stören, hatte der Londoner Flughafen Heathrow, der nur wenige Kilometer von Windsor entfernt liegt, über mehrere Minuten vor und nach der Schweigeminute alle Starts und Landungen verboten.

Zahlreiche Schaulustige

Trotz der Bitte an die Öffentlichkeit, die Beisetzung nur im Fernsehen zu verfolgen, versammelten sich zahlreiche Schaulustige vor Schloss Windsor. Der 37-jährige Leuan Jones reiste aus dem walisischen Cardiff nach Windsor, um Philip die letzte Ehre zu erweisen. "Es ist wirklich eine Schande, dass wir wegen der Pandemie diesem außergewöhnlichen Mann keinen größeren Tribut zollen können", sagte er stellvertretend für viele Fans des Königshauses. Philip sei "ein wahrer Held".

Am Rande der Zeremonie kam es zu einem Zwischenfall: Eine Frau sorgte mit nacktem Oberkörper und lauten Rufen für Aufregung. Im Anschluss an die Schweigeminute rief sie vor Schloss Windsor "Rettet die Erde" und stürzte in Richtung einer Statue von Queen Victoria, wie die Nachrichtenagentur PA meldete. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beobachtete, wie die Frau versuchte, an Sicherheitskräften vorbeizukommen. Polizisten überwältigten sie und führten sie in Handschellen ab. Innerhalb des Schlosses wurde der Zwischenfall nicht bemerkt.

Großaufgebot der Polizei

Die Trauerfeier wurde von einem Großaufgebot der britischen Polizei und mit weiträumigen Absperrungen rund um das Schloss Windsor gesichert. Zahlreiche Kräfte waren im Einsatz, Scharfschützen postierten sich auf Hausdächern. Schon in den Tagen zuvor hatten Spezialkräfte sogar Müllkörbe und Briefkästen auf mögliche Sprengkörper kontrolliert.

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Prinz Philip war am 9. April im Alter von 99 Jahren gestorben. Wegen der Corona-Beschränkungen fand die Beisetzung im engsten Kreis statt. Statt wie ursprünglich geplant 800 nahmen nur 30 Gäste teil. Das waren neben der Queen und ihren vier Kindern die Enkel sowie weitere enge Mitglieder des Königshauses.

Mit dem jetzigen Begräbnis hat Prinz Philip seine letzte Ruhestätte noch nicht gefunden. Nach dem Tod der Queen wird der Prinzgemahl an die Seite seiner Frau umgebettet, für die ein Grab in der kleinen König-Georg-VI.-Gedenkkapelle vorgesehen ist. Dort ruhen die engsten Angehörigen der Königin: ihr Vater Georg VI., ihre Mutter und ihre Schwester Margaret.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa/AFP

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