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"Mir fehlt jedes Verständnis" Günther Jauch knöpft sich Impfgegner vor

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Kauft vielen Impfgegnern ihre Sorge nicht ab: Günther Jauch.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Günther Jauch in der Corona-Pandemie positioniert. Nun macht er seinem Ärger über die, die sich nicht impfen lassen wollen, erneut Luft. Viele hätten gar keine wirkliche Sorge vor der Impfung, so der Moderator. Es gehe ihnen eher darum, "denen da oben" die Stirn zu bieten.

Politische Äußerungen von Günther Jauch liest und hört man selten. Auch wenn sich der Moderator im Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung" als "durch und durch politischer Mensch" sieht. Doch in Sachen Impfen nimmt der 65-Jährige kein Blatt vor den Mund. "Mir fehlt jedes Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen wollen", so Jauch. Für ihn wäre die Impfung "im Prinzip die Lösung, wenn sich alle konsequent impfen lassen würden".

Die Impfunwilligen nähmen eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft, so Jauch. Es sei "unfassbar, wie viele Tote es gibt, wie unser Gesundheitssystem überfordert wird, wie Leute, die dringend Operationen brauchten, nicht drankommen". Er sei sich sicher: "Viele, die gar keine echte Sorge vor dem Impfen haben, sagen einfach mal: 'Wir zeigen es denen da oben, wir sind keine Schafe, die sich zum Impfarzt führen lassen.'"

Adressat von Hass-Botschaften

Seine persönlichen Einschränkungen in den zwei Jahren Corona-Pandemie seien "nicht so ein Problem", da er nicht mit drei Kindern in einer Zweizimmerwohnung leben müsse, erklärt Jauch. "Ich durfte raus, und ich kann mich gut selbst beschäftigen."

Er und seine Frau hätten zudem gleichzeitig Corona gehabt. So seien sie "wenigstens zu zweit" gewesen - andernfalls hätte der eine dem anderen das Essen vor die Tür stellen müssen. "Katastrophal" sei es jedoch für Kinder, findet der Moderator: "Was in der Schule passiert ist, wird nicht leicht nachzuholen sein."

Jauch hatte sich im Frühjahr 2021 mit dem Coronavirus infiziert. Wegen seiner Erkrankung musste er damals mehrere TV-Shows absagen. Der Moderator engagierte sich auch für die Impfkampagne der Bundesregierung und äußerte bereits in der Vergangenheit sein Unverständnis für Menschen, die dem Aufruf zur Impfung nicht nachkommen. In der Folge erhielt er zahlreiche Hass-Botschaften von Corona-Leugnern, sogenannten Querdenkern und Rechtsextremisten.

Jauch spricht über seinen Vater

Unterdessen spricht Jauch in dem Interview auch offen über seinen verstorbenen Vater Ernst-Alfred Jauch (1920-1991) und dessen Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg. "Wie alle anderen, die überlebt haben, ist er nach dem Krieg nach Hause gekommen, ohne je psychisch behandelt zu werden", sagt der Moderator. "Die sollten einfach ihr Leben leben." Sein Vater sei 19 Jahre alt gewesen, als der Zweite Weltkrieg begann, und sofort eingezogen worden. Drei Mal sei er schwer verwundet worden.

" Er ist auf Minen getreten, wurde von einem Lastwagen überrollt und von Gewehrkugeln durchsiebt", so Jauch. Zwei Jahre habe er im Lazarett gelegen: "Diesem Jahrgang ist die komplette Jugend gestohlen worden. Im Nachkriegsdeutschland sollten die dann einfach funktionieren." Sein Vater habe über den Krieg geredet, seine Mutter habe das aber nicht gemocht: "Sie war zehn Jahre jünger. Sie hat im Luftschutzkeller gesessen, als die Sirenen heulten - das war ihre Erinnerung."

Ihm selbst sei als Kind nicht bewusst gewesen, welche Nähe seine Generation zu dieser "dunkelsten Zeit" habe. Er habe sein Leben "immer als bunt empfunden und weit weg von Nazideutschland". Sein Vater sei hingegen wie aus einer anderen Zeit gekommen. Auf die Frage, ob er womöglich nicht alles wisse, was sein Vater erlebt oder getan habe, erklärt Jauch: "Das kann gut sein, richtig nachgefragt habe ich zu wenig." Ihm sei allerdings eine Prämisse sehr präsent: "Nie wieder."

Quelle: ntv.de, vpr/spot

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