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"Beihilfe zum Völkermord" Günther Jauch liest Hass-Botschaften vor

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Irgendwann ist auch er mit seinem Latein am Ende: Günther Jauch.

(Foto: imago images/Camera4)

Günther Jauch ist nicht nur selbst an Corona erkrankt. Er hat sich auch für die Impfkampagne der Bundesregierung engagiert. Das macht ihn zum Ziel von Corona-Leugnern, selbsternannten Querdenkern und Antisemiten. Die Botschaften, die er erhält, bringen ihn an den Rand der Verzweiflung.

Ob Politiker, Mediziner, Journalisten oder alle anderen mehr oder weniger Prominenten, die in der Corona-Krise zur Vorsicht mahnen - sie alle sind es inzwischen nahezu gewohnt, tagtäglich mit Hass-Botschaften von Corona-Leugnern, selbsternannten Querdenkern, Neonazis, Antisemiten oder anderen Verschwörungsfantasten bombardiert zu werden. Warum sollte es Günther Jauch da anders gehen?

Bei "Stern TV" packte der Moderator nun einige der wüstesten Beschimpfungen, die ihn erreicht haben, aus. Ins Visier geriet der 64-Jährige nicht nur, weil er selbst an Corona erkrankt ist und deshalb zuletzt seine Teilnahme an mehreren RTL-Shows absagen musste. Jauch engagierte sich auch für die Kampagne der Bundesregierung, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

"Und damit bin ich jetzt freiwillig ein Systemling, der sich bei Frau Merkel und ihren Schergen andient", zitierte Jauch etwa eine der Zuschriften, die ihn erreicht haben. "Sollte es zu Tribunalen wie bei den Nürnberger Prozessen kommen, dann sei ich auch mit dabei wegen Beihilfe zum Völkermord. Unterschrieben ist der Brief mit 'Der Souverän'", lieferte er ein weiteres Beispiel für den Hass, der ihm entgegenschlägt.

Offener Antisemitismus

Ihm werde Anstiftung zur Körperverletzung und zum Mord angelastet und prophezeit, spätestens in einem Jahr angeklagt und verbrannt zu werden, führte Jauch weiter aus. "Ich mache mich mitschuldig am größten Verbrechen an der Menschheit, das je stattgefunden hat", las er sichtlich irritiert weiter aus den an ihn gerichteten Schreiben vor.

Viele Zuschriften seien dabei nicht anonym, so der Moderator. Einige Verfasser würden sogar ihre Berufsbezeichnung angeben. Auch vor offenem Antisemitismus schrecke manch einer nicht zurück, erklärt Jauch und zitiert aus einem weiteren Brief: "Mit ihrer Fake-Propaganda für eine gesundheitsschädliche und tödliche Genbehandlung, die den Bürgern zum vermeintlichen Schutz vor einem nicht-existenten Virus nahegebracht werden soll und ihnen als Impfung verkauft wird, machen sie sich der Anstiftung zum Mord schuldig. Was hier stattfindet, ist Euthanasie zum Aufbau eines zionistisch geführten totalitären Systems."

Solche und ähnliche Nachrichten erhalte er "massenhaft", berichtete Jauch. Doch nicht nur die schiere Menge dieser Schreiben verwundere ihn, sondern auch, "dass die in glasklarem Deutsch mit Subjekt, Prädikat, Objekt das alles formulieren können".

"Wo fangen Sie denn da an?"

Die Verantwortung für diese Entwicklung macht Jauch insbesondere im Netz und den sozialen Medien aus. In dieser "informationellen Müllhalde" könne sich halt jeder raussuchen, "was ihm irgendwie gerade plausibel erscheint, was er gehört oder was er gelesen hat und was vor allen Dingen gegen die schulmedizinische Meinung geht". Verstärkt werde dies dann durch eine Haltung, die ohnehin schon gegen Staat, Regierung, Establishment "und gegen alles" gerichtet sei.

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Jauch macht keinen Hehl daraus, dass er bei mancher Debatte inzwischen mit seinem Latein am Ende und nahe der Verzweiflung ist. "Da mit den Leuten in Diskussionen einzutreten, fällt mir mittlerweile schwer", gab er zu. Wenn Menschen die Existenz des Coronavirus leugneten, hinter der Impfkampagne eine Verschwörung von Bill Gates witterten oder an das QAnon-Märchen von einer Kinderblut trinkenden Mafia glaubten - "wo fangen Sie denn da eine Diskussion an?", so Jauch ratlos.

Der "Wer wird Millionär?"-Moderator ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich nach seinem Engagement für die Impfkampagne der Bundesregierung schweren Anfeindungen ausgesetzt sieht. Auch Schauspielerin Uschi Glas berichtete vor Kurzem von ganz ähnlichen Erfahrungen.

Quelle: ntv.de, vpr

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