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"Wenn er betrunken war ..." Heard bezichtigt Depp der Vergewaltigung

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Waren 15 Monate verheiratet: Amber Heard und Johnny Depp.

(Foto: picture alliance / Claudio Onora)

In den vergangenen Wochen ist Amber Heard im Verleumdungsprozess mit ihrem Ex-Mann Johnny Depp nicht gut weggekommen. Nun darf die Schauspielerin jedoch ihre eigenen Zeugen rufen. Den Anfang macht ihre Psychologin, die Depp sexuellen Missbrauch vorwirft.

In dem laufenden Verleumdungsprozess, den "Fluch der Karibik"-Star Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard in Faifax im US-Bundesstaat Virginia gegeneinander führen, haben in den vergangenen Wochen etliche Zeugen für Depp ausgesagt. Nachdem die Beweisführung am Dienstag abgeschlossen wurde und die zuständige Richterin Penny Azcarate dem Antrag von Heards Anwälten, die Klage abzuweisen, nicht stattgegeben hatte, fing die Zeugenaufnahme der 36-Jährigen an.

Die bislang erste Zeugin, Psychologin Dawn Hughes, berichtete unter Berufung auf ihre Patientin unter anderem von dem kontrollierenden Verhalten und der häuslichen Gewalt seitens des Schauspielers. Demnach sei Depp während seiner Ehe mit Heard dominant, possessiv, kontrollierend und zunehmend eifersüchtig geworden. Es habe ihn gestört, wenn sich die "Aquaman"-Darstellerin zu freizügig anzog und vermeintlich "Titten und Arsch" zeigte, so Hughes. Seine Eifersucht sei sogar so weit gegangen, dass er Heards männliche Kollegen kontaktiert habe, um ihnen zu drohen. Heards Karriere habe laut Hughes stark darunter gelitten.

Vor allem auf James Franco, mit dem Heard für "Ananas Express" und "The Adderall Diaries" vor der Kamera gestanden hatte, sei Depp eifersüchtig gewesen, berichtete Hughes weiter. Heard habe ihr erzählt, dass ihr der Schauspieler während eines Fluges von Boston nach Los Angeles bezüglich Franco eine Szene gemacht und ihr vor lauter Wut in den Rücken getreten habe. Aus Angst sei Heard nicht mit Depp nach Hause gegangen, sondern habe in einem Hotel eingecheckt. Diese Zeugenaussage von Dr. Hughes deckte eine Reihe von Vorfällen ab, über die zuvor während des Prozesses gesprochen wurde - allerdings mit anderen Details als in den Aussagen früherer Zeugen.

"Er warf sie aufs Bett und riss ihr Nachthemd auf"

Auch des sexuellen Missbrauchs bezichtigte ihn die Psychologin: "Wenn Herr Depp betrunken oder high war, warf er sie aufs Bett, riss ihr das Nachthemd auf und versuchte, Sex mit ihr zu haben", sagte Hughes. Wenn er wegen seines Zustandes keinen hochbekommen habe, sei er umso wütender geworden und habe sie teilweise zum Oralverkehr gezwungen. Bei dem berüchtigten Streit, den das Ex-Paar in Australien hatte, habe Depp Heard zunächst verprügelt und sie angeschrien: "Ich werde dich umbringen, ich hasse dich!". Später habe er ihr gegen ihren Willen eine Flasche vaginal eingeführt.

Die Zeugenaussagen zu dem Vorfall in Australien gehen ebenfalls weit auseinander. Heard wirft ihrem Ex vor, sie im Vollrausch drei Tage lang als Geisel gehalten und sexuell missbraucht zu haben. Depp bezichtigt sie dagegen, ihn bei dem Streit mit Flaschen beworfen zu haben. Eine davon sei an der Theke zerschlagen, an der er saß, und habe ihm die Fingerkuppe seines Mittelfingers abgetrennt. Sowohl seine Leibwächter als auch Heards Krankenschwester haben ausgesagt, nach dem Vorfall keine Verletzungen an Heard gesehen zu haben.

Weiter sagte Dr. Hughes aus, bei Heard eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert zu haben, die auf die Gewalt zurückzuführen sei, die sie durch ihren Ex-Mann erlebt habe. Dieser Befund steht im Widerspruch zu der von Dr. Shannon Curry, die in der vergangenen Woche als Zeugin für Depps Fall ausgesagt und eine Borderline-Störung - also eine Persönlichkeitsstörung - bei Heard sieht.

Amber Heard bereut physische Gewalt

Ihre Patientin habe in den Therapiestunden ehrlich über die psychische und physische Gewalt gesprochen, die sie gegen ihren Ex-Mann angewendet habe, sagte Hughes. Sie habe zugegeben, den 58-Jährigen beschimpft, beleidigt und seine Fähigkeiten als Vater verspottet zu haben. Außerdem habe sie ihn geschlagen und mit Gegenständen beworfen. Hughes wies jedoch die Behauptung der Ex-Eheberaterin von Heard und Depp, Laurel Anderson, zurück, dass das Paar für "gegenseitigen Missbrauch" verantwortlich sei. Heard habe zudem Reue über ihr Verhalten ausgedrückt.

Bei der Fortsetzung des Prozesses am heutigen Mittwoch wird Hughes sich im Kreuzverhör den Fragen von Depps Anwälten stellen. Wie lange sich der Verleumdungsprozess hinzieht, ist nicht klar. Mehrere US-Medien gehen davon aus, dass es noch rund drei Wochen dauern könnte, ehe ein Urteil fällt. Allein auf der Liste der möglichen Zeugen sollen knapp 120 Personen stehen.

Johnny Depp hat Amber Heard auf 50 Millionen Dollar verklagt - wegen eines Beitrags, den sie 2018 in der "Washington Post" veröffentlichte. Darin behauptete sie, Opfer von häuslicher Gewalt zu sein. Ihren Ex-Mann hat sie nicht namentlich erwähnt. Depp behauptet, der Beitrag habe dennoch seine Karriere ruiniert, seinen Ruf beschädigt und dadurch viel Geld gekostet. Heard reichte eine Gegenklage gegen ihren Ex in Höhe von 100 Millionen Dollar ein.

Depp und Heard begannen ihre Beziehung Anfang 2012. Kennengelernt hatten sie sich zuvor am Set von "The Rum Diary". 2015 heirateten die Hollywood-Stars, die Ehe hielt aber nur 15 Monate. Einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien hat der Schauspieler 2020 verloren. Das Blatt hatte Depp in einem Artikel als "Ehefrauenschläger" bezeichnet. Depp hat alle Anschuldigungen häuslicher Gewalt zurückgewiesen.

Quelle: ntv.de, lpe

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