Unterhaltung

"Genug Beweise" für Prozess Heard scheitert mit Antrag auf Abweisung

Im jahrelangen Rechtsstreit von Schauspielerin Amber Heard und Hollywoodstar Johnny Depp geht es in eine neue Runde.

Im jahrelangen Rechtsstreit von Amber Heard und Johnny Depp geht es in eine neue Runde.

(Foto: Victoria Jones/Kirsty O'connor/P)

Etliche Zeugen haben in den vergangenen Wochen im Verleumdungsprozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard für den Schauspieler ausgesagt. Seine Ex-Frau wird mehrfach der Lüge bezichtigt. Mit ihrem Antrag, den Fall abzuweisen, scheitert die 36-Jährige nun vor Gericht.

Am 13. Tag des Verleumdungsprozesses, den "Fluch der Karibik"-Star Johnny Depp und seine Ex Amber Heard in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia gegeneinander führen, hat Richterin Penny Azcarate den Antrag von Heards Anwälten abgelehnt, Depps Verleumdungsklage abzuweisen. Die Verteidiger des Hollywood-Stars, die in den vergangenen Wochen rund zwei Dutzend Zeugen befragt hatten, hätten genügend Beweise vorgelegt, um den 50-Millionen-Dollar-Fall fortzuführen, so Azcarate.

Depp verklagt seine Ex-Frau wegen eines Kommentars in der "Washington Post" aus dem Jahr 2018 mit der Überschrift: "Ich habe mich gegen sexuelle Gewalt ausgesprochen - und mich dem Zorn unserer Kultur gestellt. Das muss sich ändern." In dem Artikel schrieb Heard: "Vor zwei Jahren wurde ich zu einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die häusliche Gewalt vertritt, und ich spürte die volle Wucht des Zorns unserer Kultur auf Frauen, die sich zu Wort melden."

Obwohl Depp in dem Kommentar nicht genannt wird, argumentieren seine Anwälte, dass es eine ausreichende Verbindung zu Heards Behauptungen von 2016 gibt, er habe sie körperlich misshandelt. Infolgedessen seien seine Karriere und sein Ruf ruiniert worden. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Kommentars hatte Depp seine Rolle als Jack Sparrow im sechsten Teil der "Fluch der Karibik"-Reihe verloren.

Zuvor hatten die letzten beiden Zeugen von Johnny Depp im Zeugenstand gesessen, darunter Michael Spindler, ein Experte für wirtschaftliche Schäden. Dem forensischen Buchhalter zufolge soll der Hollywood-Star über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Veröffentlichung des Kommentars im Dezember 2018 "Einnahmeverluste von etwa 40 Millionen US-Dollar erlitten" haben, davon allein 22,5 Millionen Dollar durch die "Fluch der Karibik"-Absage. Auch bei anderen Filmrollen und Werbeverträgen sei Depp übergangen worden. Im Jahr 2017, das als Basisjahr für die Analyse diente, habe Depp 17,5 Millionen Dollar verdient.

Im Kreuzverhör räumte Spindler jedoch auch ein, dass er keine Aussage darüber treffen könne, ob der Einnahmeverlust durch Heards Kommentar verursacht worden sei. Auch andere Gründe hätten diesen verursachen können, etwa Depps Verleumdungsklage gegen die britische Zeitung "The Sun", weil diese ihn als "Ehefrauenschläger" bezeichnet hatte. Depp hatte den Prozess im November 2020 verloren. Spindler gab auch zu, dass der Schauspieler im Jahr 2020 mehr Geld verdient habe als im Jahr 2016.

Heards Krankenschwester sah keine Verletzungen

In einem vorab aufgezeichneten Video war auch die ehemalige Krankenschwester von Amber Heard, Erin Falati, vor Gericht erschienen. Heard habe ihr von früheren Phasen mit bipolarer Störung, Angstzuständen, Essstörungen, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, co-abhängigen Problemen und gelegentlicher Schlaflosigkeit berichtet, sagte die Krankenschwester aus. Außerdem habe sie zugegeben, eifersüchtig zu sein und sich unsicher zu fühlen, wenn Depp bei der Arbeit sei. Auch ihrem Ex-Mann habe die Schauspielerin Eifersucht unterstellt. So habe Heard gesagt, Depp habe den Wunsch, dass sie ihre Karriere beende und zu Hause bleibe. Diesen Eindruck habe der 58-Jährige in gemeinsamen Gesprächen jedoch nicht erweckt.

In Bezug auf die vielen Auseinandersetzungen, die sie zwischen dem Ex-Paar mitbekommen habe, behauptete Falati, diese seien stets nach einem ähnlichen Muster verlaufen: "Ich erinnere mich an ein allgemeines Gefühl der Zwietracht in der Beziehung ... Meinungsverschiedenheiten, Versöhnung und ein sich wiederholendes Muster." Sie könne sich jedoch nicht daran erinnern, dass Heard jemals darüber gesprochen habe, Angst vor ihrem Ex-Mann zu haben.

Im März 2015, wenige Tage nachdem Depp während eines Streits mit Heard in Australien eine Fingerkuppe verlor, sei sie mit Heard essen gegangen, sagte die Krankenschwester. Die 36-Jährige habe keine erkennbaren Verletzungen gehabt, andernfalls hätte sie diese in ihren Notizen vermerkt. Heard behauptet, Depp habe sie in Australien im Vollrausch drei Tage lang als Geisel gehalten und sie sexuell missbraucht. Sowohl Depp als auch mehrere Zeugen dementieren diesen Vorwurf. Der Hollywood-Star wirft seiner Ex dagegen vor, im Streit eine Wodkaflasche nach ihm geworfen und damit die Fingerkuppe seines Mittelfingers abgetrennt zu haben.

Johnny Depp und Amber Heard hatten sich 2009 am Set von "The Rum Diary" (2011) kennengelernt. Anfang Februar 2015 feierten sie Hochzeit, Ende Mai 2016 reichte sie die Scheidung ein, die Anfang 2017 vollzogen wurde. Nun werfen sie sich vor Gericht gegenseitig häusliche Gewalt vor. Nachdem rund zwei Dutzend Zeugen für Johnny Depp ausgesagt haben, sind ab sofort die Anwälte der "Aquaman"-Darstellerin am Zug. Wie lange sich der Verleumdungsprozess hinziehen wird, ist nicht klar. Mehrere US-Medien gehen davon aus, dass es noch rund drei Wochen dauern könnte, ehe ein Urteil fällt. Allein auf der Liste der möglichen Zeugen sollen knapp 120 Personen stehen.

Quelle: ntv.de, lpe

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen