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Australiens Shootingstar: Ruel "Ich nehme mich selbst nicht so ernst"

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Wurde bereits mehrfach mit Platin ausgezeichnet: Ruel

Als jüngster Künstler überhaupt gewann Ruel van Dijk im Jahr 2018 den "Breakthrough Artist Award" bei den australischen ARIA Music Awards und trat bei der Eröffnungsfeier der Commonwealth Games auf. Kurz darauf verkaufte das Sydney Opera House zweimal aus, wurde für seine Singles "Painkiller", "Real Thing" und "Face To Face" jeweils mit Platin ausgezeichnet - all das vor seinem 18. Geburtstag.

Doch mit "RuelVision" hat der australische Newcomer kurz nach der Veröffentlichung seiner neuesten EP "Bright Lights, Red Eyes" nicht nur ein absolut einzigartiges Multimedia-Projekt auf die Beine gestellt - es ist auch die größte Content-getriebene Künstlerkampagne des Jahres: ein kreativer und höchst witziger Online-TV-Sender im 70er-Jahre-Stil, in dem er sich mal als Koch, mal als Nachrichtensprecher oder Quizshow-Master selbst aufs Korn nimmt.

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Nach der Pandemie will der Australier auch Europa erobern.

Die Corona-Krise hat das Tempo seines raschen Erfolgs nun zwar vorerst verlangsamt. Doch die notgedrungene Pause nutzt Ruel, um an seinem ersten Longplayer arbeiten zu können. Mit ntv.de redet der Sänger über skurrile Fanbegegnungen, Musiker, die sich zu ernst nehmen, und über seine Nerven auftreibende Vergangenheit als Mamas "kleiner Scheißer".

ntv.de: Wie ist es dir in der Corona-Zeit bisher ergangen?

Ruel: Alle meine Pläne wurden leider über den Haufen geworfen. Aber ich nutze die Zeit, um an neuer Musik zu schreiben. Ich bin dankbar, zumindest die Hälfte meines Jobs noch weiter machen zu können.

Was hätte bei dir als Nächstes angestanden?

Eigentlich wäre ich Anfang 2021 für ein paar Shows und Festivals nach Asien und in die USA geflogen. Und auch dieses Jahr hätte eine Menge Auftritte auf Festivals gehabt, die aber leider ausgefallen sind.

Viele Sänger sagen, dass es verrückt ist, in Asien aufzutreten, weil der Hype um Stars dort viel extremer ist als sonst wo. Stimmt das?

(lacht) Ja, es ist wirklich absurd. Auch wenn man keine große Fangemeinde hat, fühlt man sich wie der absolute Superstar, wenn man das Land betritt. Am Flughafen drehen die Menschen völlig durch. Das ist abgefahren.

Was war die seltsamste Fanbegegnung, die du bisher hattest?

Am verrücktesten sind meist die Sachen, die mir Fans schenken. Von einem habe ich beispielsweise eine Kette mit seinem Zahn erhalten. Das war ziemlich eklig. Eine andere hat das aber noch übertroffen, indem sie mir ein Reagenzglas geschenkt hat, in dem eine Nadel steckte, mit der zuvor ihre Hand genäht worden war.

Was hast du mit diesen "Geschenken" gemacht?

Äh, ich glaube, sie sind noch im Backstagebereich. (lacht) Aber die Erinnerung wird ewig bleiben.

Du wurdest mir vorgestellt als junger, talentierter Newcomer aus Australien, der aussieht wie River Phoenix. Hast du den Vergleich schon öfter gehört?

Oh! Nicht wirklich, aber das ist ein schönes Kompliment. Sehr nett!

Gratuliere zu "RuelVision TV". Das ist eine sehr originelle und witzige Idee, die ihr ausgearbeitet habt. Aber kannst du bitte beschreiben, worum genau es sich handelt?

Ja, es war eine ziemlich ausgefallene Idee, die wir hatten. Sie wurde mit dem Videokonzept meiner Single "As Long As You Care" geboren. Für das Video haben wir viele kurze TV-Show-Ausschnitte im 60er-/70er-Stil gedreht. So kam die Idee, jeden dieser kleinen Schnipsel, die darin zu sehen sind, in Langform zu drehen. Dafür haben wir eine lächerlich große Menge an Sketchen, Shows und dummen, interaktiven Dingen gedreht. Das hat wirklich viel Spaß gemacht.

Hast du die Sketche selbst geschrieben?

Es war eine kollektive Arbeit. Ich habe einiges selbst geschrieben. Aber oft hatten wir einfach nur eine kleine Idee und ein passendes Outfit. Dann haben wir die Kamera einfach laufen lassen und etwa eine Stunde am Stück improvisiert.

Warum hast du ausgerechnet diesen 60er-/70er-Style gewählt?

Ich wurde von der Musik inspiriert. Als ich die finalen Versionen meiner letzten Songs bekommen habe, haben sie mich an Hollywood in diesem Zeitraum und an die dazugehörigen Farben wie mintgrün, orange und braun erinnert. Außerdem liebe ich Blumen und brauchte eine Ausrede, um sie zu tragen. (lacht) Die Ära finde ich ästhetisch sehr befriedigend.

Du scheinst viel Humor zu haben. Nicht nur in den einzelnen Sketchen und Witzen, sondern auch durch die Fähigkeit, über dich selbst lachen zu können.

Auf jeden Fall. Das habe ich meiner Familie zu verdanken, dass ich mich selbst nicht so ernst nehme. Ich finde, dass alle Künstler das berücksichtigen sollten. Außerdem ist es so leichter, mit Kritik umzugehen, mit der man online konfrontiert wird. Wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt und sich von seiner Karriere und dem Hype um seine Person lösen kann, ist der ganze Trubel ein viel angenehmerer Prozess. Für mich persönlich jedenfalls. Man sollte nicht zu arrogant werden und sich wichtiger finden als man eigentlich ist.

Ja, vor allem, wenn man sich Stars wie Justin Bieber und Co. ansieht, die als Teenager berühmt wurden und jetzt so viele Probleme haben.

Genau, ich habe zum Glück meine Familie und ein Team um mich herum, die mich auf dem Boden der Tatsachen halten und nur das Beste für mich wollen. Wenn ich mich auf dem falschen Weg befinde, sind die sie ersten, die mich zurück in die Realität reißen. Ich schätze mich glücklich damit. Wenn man sich nicht von seiner Karriere löst, fängt man an, alles zu glauben, was andere über einen sagen. Ich finde es wichtig, die Beziehungen weiterzuführen, die man vor seiner Karriere hatte.

Googelst du dich selbst?

(lacht) Das ist ein schöner Übergang! Ja, natürlich. Aber nicht täglich, um zu sehen, was Leute über mich schreiben. Eher um zu sehen, ob irgendwelche neuen Informationen über mich geupdated oder Fotos ausgetauscht wurden.

Gefällt dir, was du über dich liest?

Ja, 90 Prozent davon sind schon positiv, das fühlt sich super an. Aber dann scrollt man weiter und liest diesen einen negativen Kommentar über sich selbst und fokussiert sich nur noch darauf. Das ist dumm, dass wir sowas machen … Aber ich bin dankbar für die Menge an positivem Feedback, das ich für meine neue Musik bekomme.

Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?

Man muss es mit Humor nehmen und weglachen. Vor allem, wenn es nicht stimmt, was ich über mich lese, dann stört es mich überhaupt nicht. Aber wenn ich etwas Negatives lese, das halbwegs wahr ist, ärgert es mich schon. Ich weiß zwar, dass ich es nicht allen recht machen kann, aber ich denke dann: "Stimmt, das hätte ich wirklich besser machen können …"

Deine Karriere mit zwölf Jahren gestartet. Wie konntest du deine Eltern davon überzeugen?

Sie unterstützen mich sehr. Ich habe ihnen nie gesagt, dass ich beruflich singen möchte, es war nur ein Hobby. Ich habe Gitarre gespielt und hatte Spaß am Performen. Und als mein Vater die Möglichkeit hatte, hat er einem Manager ein paar Aufnahmen geschickt. Das war ein glücklicher Zufall, dem Manager gefiel meine Musik und schickte sie an einen Produzenten, und eine Woche später haben wir angefangen zusammen zu arbeiten. Das ging alles sehr schnell. Er hat mir beim Schreiben und Musizieren geholfen und die Produktion auf die Beine gestellt, das konnte ich alles noch gar nicht.

Du bist noch sehr jung - deine Eltern sind bestimmt oft mit dir auf Tour, oder?

Die letzten Jahre ist meine Mutter meistens mit mir mitgekommen. Aber jetzt bin ich 18 Jahre alt, wer braucht das schon? (lacht)

Weiß sie, dass sie nicht mehr willkommen ist?

Ja, sie ist raus, sie hat es nicht in die engere Auswahl geschafft! (lacht) Spaß beiseite, ich habe sie gerne dabei. Sie passt gut auf mich auf und achtet darauf, dass ich mich gesund ernähre und zu gesitteten Uhrzeiten ins Bett gehe.

Konntest du dir schon eine Fanbase in Europa aufbauen?

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Klein "kleiner Scheißer" mehr: Ruel

Ja, ich habe auch schon einige Auftritte dort gehabt. Ich war in Deutschland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Großbritannien und in den Niederlanden. Letzteres war schön, ich habe ein paar Verwandte dort. So konnte ich zurück zu meinen Wurzeln.

Sprichst du Niederländisch?

Leider nein. Mein Vater spricht es ein bisschen, aber er war faul und hat es uns nicht beigebracht, als wir klein waren. Heute bin ich zu faul, um es zu lernen.

Na, jetzt hast du ja die Zeit dafür!

Ich fand Sprachen lernen so schwer in der Schule. Ich habe es mit Französisch versucht, aber ich war zu schlecht. Aber wenn ich mich mal tätowieren lasse, dann auf Niederländisch: "kleine poep", das heißt "kleiner Scheißer". Das war der Spitzname meiner Mutter für mich, weil ich früher ein richtiges Arschloch und so anstrengend war. Ich habe viel geweint und hatte Wutanfälle. Das hat sich erst gelegt, als ich … 18 wurde. (lacht)

Aber dafür bist du jetzt berühmt, sie wird es dir bestimmt verzeihen.

(lacht) Hoffentlich.

Mit Ruel sprach Linn Rietze

Quelle: ntv.de