Unterhaltung

"DSDS" - Der Start der Event-ShowsKaraoke unter Tage

17.04.2016, 02:52 Uhr
imageVon Kai Butterweck
100594695
Die Kandidaten mussten diesmal unter Berge zeigen, was sie draufhaben. (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Für die erste DSDS-Finalrunde treffen sich alle Beteiligten 500 Meter unter der Erde. Am Ende fahren aber nur neun von zehn Kandidaten mit einem Grinsen im Gesicht wieder mit dem Bergwerkfahrstuhl nach oben.

"Deutschland sucht den Superstar" 2016 geht in die heiße Phase. Nach etlichen Castings und sonnigen Wochen am Strand von Jamaika ist es endlich soweit: Die letzten zehn verbliebenen Kandidaten kämpfen in vier ausgewählten Event-Shows um die Gunst des Publikums. Und die erste bringt die Fans von Deutschlands beliebtestem Casting-Format auch sogleich auf Betriebstemperatur.

Peng! Puff! Peng! Während die Juroren Michelle, Vanessa Mai, H.P. Baxxter und Dieter Bohlen in den Tiefen des Erlebnisbergwerks Merkers wie Gladiatoren in Richtung Pult schreiten, schießen zu den Klängen von Rammstein meterhohe Feuersäulen in die Höhe. Auch die Kandidaten entern die unterirdische Location mit einem Show-Feuerwerk im Gepäck. In weiße Grubenarbeiter-Ganzkörperanzüge gehüllt dackeln sie ihren Mentoren im tänzerischen Gleichschritt hinterher. Die "Studio"-Meute ist bereits nach wenigen Minuten aus dem Häuschen. Und Gastgeber Oliver Geissen erst: Der dauergrinsende Moderator mit dem offengelegten Brusthaar überschlägt sich bereits bei der Anmoderation mit Superlativen ohne Ende. Von der "tiefsten produzierten TV-Show der Welt" ist die Rede. Natürlich habe man auch die "geilsten Sängerinnen und Sänger, die das Land derzeit zu bieten hat" am Start. Und fürwahr: Der eine oder andere Performer des Abends hat es hörbar drauf.

Küken in Bestform

Da wäre beispielsweise Mark Hoffmann. Der smarte Schüler aus Norderstedt setzt mit einer gefühlvollen Version der Bendzko-Ballade "Unter die Haut" das erste musikalische Ausrufezeichen des Abends. Da haut’s sogar den Dieter vom Stuhl: "Geiler Auftritt", heißt es aus dem Munde des knautschigen Pop-Titans.

100594676
Zeigte einen musikalischen Kniefall vor ihrer Fast-Namensvetterin: Sandra Berger (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Sandra Berger erntet ebenfalls viel Applaus. Mit ihrem Foxtrott-Kniefall vor Andrea Berg ("Diese Nacht ist jede Sünde wert") tänzelt sich die kunterbunt tätowierte Schlager-Blondine nicht nur in die Herzen des Studio-Publikums. "Kann man nicht besser machen", attestiert Techno-Guru H.P. Baxxter.

Ebenfalls in Bestform: Anita Wiegand, das Küken im "DSDS"-Nest. Die 17-jährige mit Sinti-Wurzeln geht mit Aviciis "Addicted To You" so richtig steil. Mit einer ausdrucksstarken Performance und einer Stimme, die sich international vor keiner anderen zu verstecken braucht, festigt die Whitney Houston-Verehrerin ihren Status als Mitfavoritin auf den Titel.

Auch Nachrückerin Ramona Mihajilovic zieht alle Register. Völlig unbeeindruckt vom Medienwirbel um die ausgestiegene hochschwangere Ex-Mitstreiterin Angelika Turo setzt sie alles auf die Elle-King-Karte ("Ex's & Oh's") – und gewinnt! Mit reichlich Rotz auf der Pfanne setzt sie der Show die Klang-Krone auf. Reggae-Nerd Thomas Katrozan versucht es ebenfalls mit schmirgelnden Sounds. Aber so richtig zünden will die Westernhagen-Hommage ("Sexy") des Sängers mit der Sisal-Frisur nicht. Aber er ist nicht der Einzige, der an diesem Abend zwar das Ticket für die nächste Runde löst, aber dabei keine sonderlich großen Spuren hinterlässt.

Der erste Drops ist gelutscht

Auch Homeboy Igor Barbosa ("Pillowtalk") und Paradiesvogel Prince Damien Ritzinger ("Ich will nur dass du weißt") überzeugen nur bedingt. Vor allem Erstgenannter - ganz in weiß gehüllt und mit Checker-Attitüde - fährt mit bereits ausgeprägten Superstar-Allüren voll gegen die Wand. Die goldene Sound-Himbeere teilen sich aber zwei andere. Da wäre zum einen die die Show eröffnende Laura van den Elzen. Die gebürtige Niederländerin versucht sich an Joan Jetts Rock-Evergreen "I love Rock and Roll". Die Interpretation bringt aber in etwa so viel Energie an den Start wie eine Fender ohne Amp.

Den Vogel schießt aber Posterboy und Bieber-Klon Tobias Soltau ab. Sein Versuch den Joris-Hit "Herz über Kopf" in neue Klangsphären zu beamen gleicht beinahe einem musikalischen Offenbarungseid. Nach Meinung der Zuschauer hat aber ein anderer die A-Karte des Abends verdient. Sein Name: Aytug Gün. Sein Problem: die englische Aussprache. Da helfen auch keine nett anzusehenden Dance-Moves mehr. Mit dem stampfenden "Sugar" von Robin Schulz verabschiedet sich Aytug aus dem Kreise der DSDS-Titelanwärter.

Das war’s dann auch schon. Der erste Drops ist gelutscht. Da waren’s nur noch neun. Und was hatte unser liebster Phrasendrescher mit Camp-David-Abo zu bieten? Man mag es kaum glauben. Aber Dieter Bohlen hielt sich auffallend zurück. Keine Schimpftiraden, kein Ferkel-Slang und keine großkotzigen Anekdoten aus dem Titan-Archiv: Der Dieter kann scheinbar auch anders. Einzig Pultnachbarin Michele bekam hin und wieder des Chefs Launen zu spüren. Hier ein Rempeln, da ein Zerren: aber alles halb so wild. Da wurde schon ganz anders ausgeteilt. In einer Woche geht’s weiter; dann vielleicht live aus dem Kugelrestaurant des Berliner Fernsehturms. Wir sind gespannt.

Quelle: ntv.de

Dieter BohlenDSDSRezensionenTVMusik