Die unlustigste Show der Welt"Konfetti-Blues" - Lutz van der Horst sucht die Liebe

Lutz van der Horsts Protagonist kennt sie: die peinliche Stille nach einem schlechten Witz. Aber er hatte doch seine eigene Comedyshow im Fernsehen. Drei Folgen dauerte der Ruhm, immerhin länger als seine große Liebe. Bis jetzt.
Lutz van der Horst ist einer der markanten Köpfe der "heute-show". Mit oder ohne Fabian Köster entlockt er mit seinen frechen Sprüchen, die auch mal unter die Gürtellinie gehen, Statements, über die dann im besten Fall ganz Deutschland schmunzelt. Pointiert und knallhart. So kennen und so lieben ihn die Fans im TV. Aber wie sieht es in Buchform aus? Hat er das Zeug zum Schriftsteller? Versteckt sich in dem Comedian gar ein Bestsellerautor?
Eines vorab: Die Antwort auf diese Fragen gibt es erst am Schluss des Textes. Denn auch bei "Konfetti-Blues" von van der Horst, erschienen bei Droemer Knaur und Argon, ist das Ende des Plots der absolute Höhepunkt.
Van der Horst erzählt in seinem Roman von Max Steinbach, Ende 20, wohnhaft in Köln-Ehrenfeld, der von seinem besten Freund nach einer durchzechten Party-Disconacht mit ähnlichen Fragen konfrontiert wird. Max hatte es ein junger Japaner angetan, mit wunderschönen großen, dunklen Augen. Max ist bi. Und war mal ein TV-Comedian. Seine "unlustigste Show der Welt" lief immerhin im Free-TV. Gut, nur auf einem Spartensender. Okay, immer nach Mitternacht. Und ja verdammt, sie wurde nach nur drei Folgen abgesetzt. Erfahren hat Max das aus der TV-Zeitschrift. Aber hey, was soll's? Schenkt dir das Leben Zitronen, mache Limonade daraus. Bei Max wird es aber immer nur Zitronensaft.
Er schreibt gemeinsam mit einem Freund, einem Engländer, dauerhaft gut gelaunt, die Texte zu kleinen Panneneinspielern im TV. Das kann er. Aber befriedigend ist anders. Erst recht, wenn Max den Blues hat. Dann braucht er seinen besten Kumpel, einen uralten Horrorschinken, der es nicht einmal zum B-Movie geschafft hätte ("'Nackt und zerfleischt', "ein kleiner dreckiger Kannibalenfilm mit pseudo-sozialkritischem Anstrich, der in über 50 Ländern der Welt beschlagnahmt ist") und Alkohol, meist in Kölsch- oder Wodka-pur-Form. Wie mies man drauf ist, kann man wunderbar an der Füllmenge der Wodkaflaschen im Kühlschrank ablesen.
Herzrasen auf Speed
Mit der Liebe ist das aber auch so eine Sache: Mit seiner Ex-Freundin ist Schluss. Auch weil er irgendwie deren Bruder heiß fand. Der ist mittlerweile Motorradschrauber mit eigener Werkstatt in Deutz, steht aber nicht zu seiner Homosexualität. Und Max ist ja auch nicht homosexuell, sondern bi. Diesen kleinen feinen Unterschied muss er auch seinen Eltern und seiner Schwester noch näherbringen.
Es passiert per Zufall. Beim Sonntagsgulasch mit Griespudding. Max' Vater hat seiner Sammlung von blauen Flaschen (ja, so etwas gibt's) eine neue hinzugefügt, zeigt sie Max stolz und hört nur mit einem Ohr hin, als Max' Mutter sich nach dessen Freundin erkundigt und ihm kurzerhand ein "Er" herausrutscht. Das Essen endet dann ziemlich abrupt. Und dann will dieser ominöse "Er" auch gar nichts mehr wissen von Max.
Da hilft nur Arbeit, alles umkrempeln, ein Neuanfang. Beruflich: auf der Bühne eines Kölner Comedy-Talentwettbewerbs. Privat: vielleicht auf dem Kölner Fernsehturm? Der eigentlich wegen umfangreicher Bauarbeiten geschlossen ist … Ach ja, bevor ich es vergesse: Max' Arbeitsplatz befindet sich über einem Pornokino. Also aufgepasst, "wo" du die Hände in den Taschen hast und sinnfrei vor dich hinstierst.
Tragisch, komisch, absolut liebenswert
Diese kleinen Randnotizen sind es, die Max' Geschichte so absolut liebenswert machen. Sie sind es, die zeigen, dass van der Horst auch Bestsellerautor kann. Aus ihnen sprüht Gefühl für die Situation, das Herz für die Stadt Köln und ihre Bewohner. "Konfetti-Blues" ist so vielschichtig wie das Leben: Man lacht, man weint, man fühlt und fiebert mit. Und das von der ersten bis zur letzten Minute des Hörbuchs - passenderweise gelesen von van der Horst selbst.
Wer weiß besser, wie sich Max fühlt, wie es ihm geht, wenn ein Schicksalsschlag den nächsten jagt? "Konfetti-Blues" spielt 2004 und ist auch eine Hommage an diese Zeit, vor allem an das Fernsehen dieser Tage, an die Musik dieser Zeit. An Partys mit Alkohol, Speed und Wodka-Redbull. Da kann man den Blues kriegen. Aber: Es gibt da ja noch das Ende von van der Horsts Geschichte. Der Tod himself spielt darin eine tragende Rolle - und, ja, dessen Handy. Ach, hören Sie doch selbst. "Konfetti-Blues" ist ein Muss!
