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"Endlich kapiert?!" Ist Ihnen nichts peinlich, Herr van der Horst?

Als Außenreporter bei der "heute-show" lehrt er Politiker das Fürchten. Jetzt bekommt Lutz van der Horst mit "Endlich kapiert?!" sein eigenes Format bei Vox. Mit n-tv.de spricht er vorab über Peinlichkeiten, Tränen beim Dreh und einen Traum, der in Erfüllung geht.

n-tv.de: Heute Abend feiert Ihre neue Comedy-Show "Endlich kapiert?!" bei Vox Premiere. Wie haben Sie die Nacht zuvor geschlafen?

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Bekommt mit "Endlich kapiert?!" sein eigenes Format bei Vox: Lutz van der Horst.

(Foto: TVNOW / Ruprecht Stempell)

Lutz van der Horst: Unglaublich schlecht, weil ich echt aufgeregt bin. (lacht) Das liegt zum einen natürlich daran, dass es meine erste eigene Sendung ist, die wirklich nur ich moderiere. Zum anderen aber auch daran, dass mir die Sendung so am Herzen liegt. Ich glaube, dass sie richtig gut geworden ist und hoffe, dass sie möglichst viele Menschen auch sehen werden.

Sie haben schon früher in Interviews Ihren Wunsch nach einer eigenen Sendung zum Ausdruck gebracht. Geht für Sie damit nun also ein Traum in Erfüllung?

Definitiv! Ich habe natürlich auch schon vorher im Fernsehen moderiert, aber immer gemeinsam mit anderen Partnern. Jetzt mit "Endlich kapiert?!" meine komplett eigene Sendung zu haben, lässt wirklich einen großen Traum in Erfüllung gehen.

Die Idee hinter dem Format klingt breit gefächert: "Kleine Denkzettel senden, Mut zusprechen oder einfach mal Danke sagen", das sind die Dinge, um die es gehen soll. Wie würden Sie das Konzept mit Ihren eigenen Worten beschreiben?

Ich sage es mal so: Ich bin der Botschafter von besonderen Nachrichten, die der Empfänger nie wieder vergessen wird. Wir können mit unseren Botschaften sehr gemein sein, bleiben dabei aber immer so charmant wie möglich. Und es sind bei Weitem nicht immer Gemeinheiten. Es gibt auch Danksagungen, Liebesbekundungen bis hin zum Heiratsantrag und fast immer Tränen.

Dabei drehen Sie mit versteckter Kamera ...

Richtig. Deshalb gibt es am Anfang natürlich auch immer einen Schockmoment - egal, ob wir einen Denkzettel oder eine Liebesbekundung im Gepäck haben. Danach wird es lustig, zumindest für den Zuschauer. Und wenn am Ende der Sender der Botschaft dazukommt, wird es auch nochmal emotional. Da fließen dann häufiger Tränen.

Wie ist die Idee zu der Sendung entstanden?

Das Originalformat kommt aus Belgien. Da es vor Kurzem einen Emmy abgeräumt hat, sind die Ansprüche an uns auch ziemlich hoch. Schließlich kommt es bei der konkreten Ideenfindung auch auf uns an. Wir müssen ja gucken, was für Botschaften wir bekommen und auswählen, um sie dann zu übermitteln.

Jede Folge von "Endlich kapiert?!" beinhaltet verschiedene Episoden. Allein heute werden sieben unterschiedliche Geschichten erzählt. Haben Sie, ohne zu viel zu verraten, eine Lieblingsepisode, von der Sie erzählen können?

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Van der Horst arbeitet seit vielen Jahren sowohl vor als auch hinter der Kamera.

(Foto: TVNOW / Ruprecht Stempell)

Ich mag zum Beispiel sehr gerne die Geschichte aus einem Friseursalon, den wir komplett abgesperrt haben. Das war so: Die Friseurinnen wollten eigentlich zur Arbeit gehen, als plötzlich die "SEPP", die "Spezialeinheit für paranormale Phänomene", vor ihnen stand. Sie behauptete, in dem Salon gebe es übernatürliche Strahlung. Deshalb dürfe ihn nun niemand mehr betreten. Das Schöne ist, dass die Frauen das alles geglaubt haben. Sie waren völlig vor den Kopf gestoßen! In Wahrheit stand aber die Chefin hinter der Aktion, die wegen einer Krankheit nicht mehr so viel arbeiten kann. Sie wollte sich bei ihren Mitarbeiterinnen dafür bedanken, dass sie den Laden so gut wuppen. Am Ende kommt sie auch dazu - und dann wird geweint. (lacht) Die Botschaft ist angekommen!

Besonders emotional soll es auch in einer Episode zugehen, in der es um "Star Wars" geht ...

Stimmt. Diese Geschichte wird in der zweiten Folge zu sehen sein. In ihr geht es um eine Mutter und ihren 14-jährigen Sohn, der an einem Herzfehler leidet. Sie wollte ihm dafür danken, dass er so stark und tapfer im Umgang mit der Krankheit ist. Dafür haben wir den Flügel eines Krankenhauses komplett gesperrt und dort eine riesige "Star Wars"-Kulisse aufgebaut. Als der Junge das Krankenzimmer betritt, kommt ihm plötzlich R2-D2 entgegen. Das steigert sich immer weiter, bis schließlich der ganze Krankenhausflügel nur noch aus "Star Wars"-Figuren besteht. Die Stormtroopers stürmen herein und der Junge muss gegen Darth Vader kämpfen ...

Ist er nicht irgendwann skeptisch geworden?

Nein, das Tolle ist auch hier: Er hat wirklich geglaubt, dass das alles gerade echt passiert. Er war in diesem Film voll drin. Als am Ende die Mutter dazukommt, geht das schon sehr ans Herz. In dem Moment haben nicht nur die beiden geweint. Da hat das komplette Team geflennt.

Das klingt, als hätten Sie keine Kosten und Mühen gescheut ...

Das war in der Tat eine wahnsinnig aufwendige Nummer, inklusive aller "Star Wars"-Figuren. Die versteckte Kamera wird bei dem Format aber generell sehr aufwendig inszeniert. Das macht es aus meiner Sicht auch so stark.

Viele Menschen kennen Sie vor der Kamera. Aber auch hinter der Kamera sind Sie ja seit vielen Jahren als Ideenlieferant im Einsatz, zum Beispiel für Harald Schmidt, "Switch Reloaded" oder "TV Total". Wo arbeiten Sie eigentlich lieber - vor oder hinter der Kamera?

Definitiv vor der Kamera. Die Arbeit hinter der Kamera war für mich tatsächlich in erster Linie ein Weg, um vor die Kamera zu kommen. Das war ein gemeiner Trick. (lacht)

Nicht zuletzt haben Sie sich als Außenreporter bei der "heute-show" einen Namen gemacht. Da gehen Sie durchaus auch an Schmerzgrenzen. Ist Ihnen eigentlich nichts peinlich?

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Zumindest vor der Kamera kennt er keine Schmerzgrenzen.

(Foto: TVNOW / Ruprecht Stempell)

Mir ist sehr viel peinlich - aber nicht vor der Kamera. Das ist der Unterschied. Vor der Kamera bin ich tatsächlich komplett schmerzfrei. So lange es lustig ist, mache ich alles. Okay, ich würde mich jetzt nicht ganz nackt ausziehen, aber das ist ja auch nicht lustig. Obwohl? Wer meinen Körper schon mal gesehen hat ... (lacht)  

Gab es schon einmal eine Situation, in der Sie persönlich an Ihre Schamgrenzen gelangt sind?

Da muss ich überlegen ... Nein.

Andersrum gefragt: Gab es schon Situationen, in denen Ihre Interviewpartner an Grenzen gestoßen sind? Wurden Ihnen schon mal Schläge angedroht?

Bisher noch nicht. Das überrascht mich selbst. Auch bei "Endlich kapiert?!" ist zum Glück alles immer harmonisch zu Ende gegangen. Dabei hatten wir auch hier beim Drehen ab und an die Befürchtung, dass es aus dem Ruder laufen könnte.

Für den Zuschauer gibt es bei Ihren Einsätzen in der "heute-show" schon auch mal Fremdschäm-Momente. Gibt es die bei "Endlich kapiert?!" auch?

Nicht, was die Kandidaten angeht. Sie werden nie gemein vorgeführt. Das würde ich auch nicht wollen. "Endlich kapiert?!" ist ein sehr liebevolles Format, worauf ich auch sehr stolz bin. Fremdschämen kann man sich höchstens, wenn ich halbnackt als Götterbote im Baum hänge. Diese Szenen gibt es leider auch. (lacht) Da werden sich die Zuschauer definitiv schämen - aber halt für mich und nicht für die Kandidaten.

In der "heute-Show" bewegen Sie sich vor allem auf dem Terrain der Politik. In "Endlich kapiert?!" haben Sie es dagegen mit den sogenannten Normalbürgern zu tun. Macht das für Sie einen Unterschied?

Ich bin auf jeden Fall froh, dass es in der Sendung nicht schon wieder um Promis geht. Formate mit versteckter Kameras und Promis kennt man ja nun schon zur Genüge. Ich finde es gerade schön, dass es bei uns "Normalos" sind. Aber eben "Normalos", die man in der Sendung kennenlernt. Das passiert ansonsten in diesen Formaten eigentlich nicht. Da werden die Leute kurz auf der Straße gefilmt, sie erschrecken sich und sind wieder aus dem Bild. Hier lernen wir die Menschen dagegen richtig kennen. Wir erfahren, was sie psychologisch ausmacht, was ihre Stärken und Schwächen sind.

In den kommenden Wochen gibt es erst einmal die erste Staffel von "Endlich kapiert?!" mit sieben Folgen zu sehen. Geht es danach weiter?

Von mir aus kann es sehr gerne weitergehen! Das war zwar wirklich eine sehr anstrengende, aber zugleich auch eine unglaublich schöne Zeit. Ich würde mir sehr wünschen, dass das Format in die zweite Staffel geht.

Mit Lutz van der Horst sprach Volker Probst

"Endlich kapiert?!" läuft ab heute, 15. Juli, immer montags um 22.15 Uhr bei Vox und ist zudem bei TVNOW abrufbar.

Quelle: n-tv.de