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Heikle Partyfotos veröffentlicht Kritiker werfen Prinz Andrew Lügen vor

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Prinz Andrew war jahrelang mit dem vorbestraften Epstein befreundet.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

In einem Interview streitet Prinz Andrew ab, ein mutmaßliches Epstein-Opfer getroffen zu haben. Für sein "selbstgemachtes PR-Desaster" wird der 59-Jährige nun massiv kritisiert. Denn ausgegrabene Bilder widersprechen seinen Ausführungen.

Der britische Prinz Andrew widerlegt derzeit eindrucksvoll die These, dass auch schlechte PR gute PR sein kann. Nach seinem dubiosen Interview mit der BBC, in dem er ein Treffen mit einem mutmaßlichen Opfer des inzwischen verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein dementierte, hagelt es weiter Kritik und Häme gegen den Royal. Bei der Frau handelt es sich um Virginia Roberts Giuffre, die angibt, mehrmals zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden zu sein. Alte Bilder, die die britische "Daily Mail" ausgegraben hat, entlarven den 59-Jährigen augenscheinlich sogar als Lügner.

Seine Aussage während des Interviews, dass er weder ein Partygänger noch eine Person sei, die öffentlich Zärtlichkeiten austauscht, wird jedenfalls dank zahlreicher Schnappschüsse im Artikel ad absurdum geführt. Die vielsagenden Aufnahmen entstanden demnach bei gleich mehreren Partys Anfang der 2000er-Jahre. Eng umschlungen und mit breitem Grinsen ist er dabei mit diversen jungen Damen in regem Austausch. Einhellig hatten Kommentatoren in Großbritannien das BBC-Interview mit Andrew als "enttäuschend" oder sogar "katastrophal" bezeichnet. Die Zeitung "The Independent" sprach von einem "selbstgemachten PR-Desaster".

Statt Licht ins Dunkel zu bringen, hatte sich der Prinz im BBC-Interview in Widersprüche verstrickt und bizarre Argumente angeführt, warum das vermeintliche Opfer die Unwahrheit sagen muss. Etwa, dass er an einem besagten Nachmittag, an dem er es getroffen haben soll, mit seinen Töchtern in einer Pizzeria war. Oder dass er damals unter einer Krankheit litt, wegen der er nicht schwitzen konnte. Er habe diese Fähigkeit erst kürzlich wiedererlangt. Damit sieht er eine Erinnerung der jungen Frau als widerlegt an, die ihm vorgeworfen hatte, bei ihrem Kennenlernen in einem Nachtclub "massiv geschwitzt" zu haben.

Wird Prinz Andrew aus dem Königshaus gedrängt?

Royal-Experten halten es für möglich, dass Andrew - dem die britischen Medien in den 1980er-Jahren wegen seiner zahlreichen Liebschaften den Spitznamen "Randy Andy" (etwa: "Geiler Andy") verpassten - künftig mit seinen Aufgaben nicht mehr zum Kern des Königshauses gehören wird. Sie gehen davon aus, dass nach dem Tode von Queen Elizabeth II. Thronfolger Prinz Charles ohnehin die Zahl der Repräsentanten des Königshauses reduzieren wird. "Wenn es eine verschlankte Monarchie gibt, dann dürfte Andrew wohl keine große Rolle mehr dabei spielen", sagte die Chefredakteurin des "Majesty Magazine", Ingrid Seward, im BBC-Interview. Prinz Andrew ist auf Platz acht der Thronfolge.

Prinz Andrews Name tauchte 2015 in den Gerichtsakten zu einem US-Zivilverfahren gegen den Multimilliardär Epstein auf. Eine von Epsteins Anklägerinnen behauptete darin, dass sie zwischen 1999 - damals 17 Jahre alt - und 2002 in London, New York und auf Epsteins privater Karibikinsel dreimal zum Sex mit dem Prinzen gezwungen wurde. Im BBC-Interview behauptete er nun jedoch, sich an kein Treffen mit der besagten Frau erinnern zu können. Bei einem alten Foto, das die beiden zusammen zeigt, vermutet er eine Fälschung.

Rechtsanwälte von Frauen, die Epstein Missbrauch vorwerfen, forderten vom Prinzen, eine Erklärung bei der US-amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI abzugeben. "Er scheint überhaupt kein Mitleid für die Opfer zu haben, und er scheint seine lange Freundschaft mit Jeffrey Epstein nicht zu bereuen", sagte die Anwältin Lisa Bloom, die einige der Frauen vertritt, dem britischen Nachrichtensender Sky News.

"Größte PR-Katastrophe seit Dianas Tod"

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Es ist unklar, ob die Queen vorab vom Interview ihres zweitältesten Sohnes wusste und es womöglich billigte.

(Foto: imago images / Matrix)

Auch die Nachrichtenagentur "Bloomberg" schrieb: "Prinz Andrews Versuch, seine Freundschaft mit dem pädophilen Finanzier Jeffrey Epstein in einem öffentlichkeitswirksamen TV-Interview zu erklären, verkommt zu einer Farce, die die größte PR-Katastrophe der britischen Königsfamilie seit ihrem Umgang mit dem Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 werden könnte." Die Queen war damals in Kritik geraten, weil sie nach Dianas Tod zunächst nicht von Schottland nach London zurückkehrte und sich nicht mit einer Ansprache an das Volk wandte. Zudem willigte sie nur zögerlich in ein Staatsbegräbnis für ihre frühere Schwiegertochter ein.

Unklar ist, inwiefern die Königin vorab von dem Interview ihres zweitältesten Sohnes wusste und es womöglich billigte. Auch hierzu gab es widersprüchliche Berichte in den britischen Medien. Der Buckingham-Palast machte dazu auf Anfrage zunächst keine Angaben.

Der Prinz war jahrelang mit dem Geschäftsmann Epstein befreundet. Der vorbestrafte US-Amerikaner wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Zudem baute Epstein laut Anklageschrift zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring auf. Er nahm sich am 10. August in einem New Yorker Gefängnis das Leben.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa/spot

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