Unterhaltung

Der Zauberer und der Dompteur Magier Siegfried folgt seinem Freund Roy

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Siegfried & Roy: Zwei Weltstars mit weißem Tiger 1991.

(Foto: imago images / teutopress)

Ob Siegfried und Roy künftig im Himmel zusammen zaubern, wissen wir nicht. Doch sicher ist das weltberühmte Magierduo nun im Tod vereint. Kurz nach Bekanntwerden seiner Erkrankung an Krebs starb Siegried Fischbacher mit 81 Jahren in Las Vegas - nur acht Monate nach seinem Partner Roy Horn.

Als "Siegfried & Roy" waren sie umjubelt. Der gebürtige Rosenheimer Siegfried Fischbacher und sein aus Nordenham bei Bremen stammender Partner Roy Horn hatten sich mit ihrer Show am Strip von Las Vegas - einem explosiven Mix aus Zauberei, Illusionen und exotischen Tieren - einen Traum erfüllt. Der nahm im Oktober 2003 ein jähes Ende, als der Dompteur Horn von dem weißen Tiger Montecore angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde, vor den Augen von mehr als 1500 entsetzten Zuschauern.

Der tragische Unfall zwang die vielfach preisgekrönten "Meister des Unmöglichen" in den vorzeitigen Ruhestand. Der fünf Jahre ältere Fischbacher wurde plötzlich zum Betreuer und zur Stütze des halbseitig gelähmten Tierbändigers. Dessen Ärzte sprachen von einem "Wunder", dass er die schweren Verletzungen überhaupt überlebte. Horn starb schließlich vor wenigen Monaten an Covid-19. Nun folgte ihm Fischbacher, der am Mittwoch mit 81 Jahren einem Krebsleiden erlag. "Er war zu Hause in Las Vegas", sagte Fischbachers Schwester. Sie habe ihn noch angerufen. "Ich konnte mit ihm noch beten und ihm sagen, dass ich mit meinen Herzensgedanken immer bei ihm bin." Nach dem Gespräch habe er sich hingelegt und sei eingeschlafen.

Gemeinsame öffentliche Auftritte des ehemaligen Magier-Duos waren in den Jahren zuvor selten geworden. Horn war seit dem Unfall auf eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl angewiesen. Im November 2017 reisten sie allerdings noch zusammen nach Deutschland. In seiner bayerischen Heimat traf Fischbacher seine jüngere Schwester, eine Nonne, und seinen noch in Rosenheim lebenden älteren Bruder. Seiner Geburtsstadt war Fischbacher immer verbunden geblieben. 2010 war er als Ehrengast zur Eröffnung der Landesgartenschau angereist. "Ich bin hier aufgewachsen", bekannte er sich zu seinen Wurzeln, "und darauf immer sehr stolz gewesen." In einer Mischung aus oberbayerischem Dialekt und Deutsch mit englischem Akzent fügte er hinzu: "I bin an Rosenheimer."

Mit Zaubertricks gegen schwieriges Elternhaus

Der am 13. Juni 1939 in Rosenheim als zweites von drei Kindern geborene Siegfried suchte seine Freiräume in einem durch den Alkoholismus des Vaters schwierigen Elternhaus. Mit acht Jahren soll er in einer Buchhandlung ein Zaubereibuch entdeckt haben, das aber fünf Mark kostete. Die Eltern konnten das Geld nicht erübrigen. Der Legende nach soll Siegfried dann auf der Straße einen Fünfmarkschein gefunden, sich das Buch gekauft und es intensiv studiert haben. Ob die Geschichte so stimmt oder nicht, Siegfried wollte immer nur Zauberer werden. Nach Schulende jobbte er in einem Hotel am Gardasee, bevor er als Schiffssteward auf der "TS Bremen" anheuerte und bald mit magischen Tricks zum Entertainer der Passagiere avancierte. Dort lernte er den Tierliebhaber Roy Horn kennen.

Horn sah sich Siegfrieds Programm an und provozierte diesen dann. "Um ganz ehrlich zu sein, ist die ganze Zauberei doch sehr vorhersehbar", habe Roy gesagt, berichtete Siegfried später. Er sei wütend gewesen. "Für mich war er nur ein kleiner Spinner, der keine Ahnung hatte." Doch die Provokation ging weiter - ob er denn außer Kaninchen und Vögeln auch einen Geparden verschwinden lassen könne? Roy hatte tatsächlich einen Geparden an Bord geschmuggelt. Nur wenige Tage, nachdem Roy ihm das Raubtier gezeigt hatte, standen die beiden gemeinsam auf der Bühne des Schiffs - und Siegfried zauberte unter Jubel des Publikums mit dem Raubtier.

Das Duo brachte fortan immer mehr exotische Tiere auf die Bühne. Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen 1966 in Monaco mit einer Galavorstellung beim Fürstenpaar Rainier und Gracia Patricia der internationale Durchbruch gelang. 1967 kamen sie nach Angaben ihres Deutschland-Managements erstmals nach Las Vegas, ab 1970 waren sie dort drei Jahre im Stardust zu sehen. 1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin dicksten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus.

Nach Angriff: Den weißen Tiger in Schutz genommen

Mit ihren seltenen weißen Tigern und anderen Raubkatzen hielt das Duo Millionen Fans in Atem, bis zu der Attacke von Montecore am 3. Oktober 2003. Schon wenige Tage nach dem grausigen Vorfall hatte Fischbacher den weißen Tiger in Schutz genommen. Montecore habe Roy nicht töten, sondern ihm vielmehr helfen wollen, sagte der Magier beim legendären US-Talker Larry King. Als Roy auf der Bühne ausrutschte, habe der Tiger ihn am Hals gepackt und hinter den Bühnenvorhang gezogen, um ihn an einen sicheren Ort zu bringen, beschrieb Fischbacher den Vorfall.

Auch Horn gab der Raubkatze keine Schuld, im Gegenteil. Nach Montecores Tod im Jahr 2014 schrieb der Dompteur auf Facebook, sein "geliebter 17 Jahre alter weißer Tiger, Freund und Bruder" sei gestorben. Ihren Alterssitz "Little Bavaria" am Stadtrand von Las Vegas hatten die Illusionisten zu einem exotischen Dschungelpalast ausgebaut. Auf dem riesigen Anwesen lebten sie mit zahlreichen Raubkatzen und anderen Tieren zusammen.

Lange ein Liebespaar

Nachdem die Showzeit vorbei war, blieben Siegfried und Roy anders im Gespräch. 2007 etwa erschien eine Biografie, in der die als offenes Geheimnis geltende Homosexualität der beiden bestätigt wurde. Demnach waren sie lange ein Liebespaar, ab 1998 allerdings getrennt. Auch von einer jahrelangen Medikamentenabhängigkeit der beiden wurde damals berichtet.

Nach dem Tod von Roy im Mai 2020 sprach Fischbacher davon, seinen besten Freund verloren zu haben. Der "Bild am Sonntag" sagte er, dass Roy noch immer bei ihm sei. "Ich werde beim Abendessen weiterhin für ihn decken lassen, so wie es immer war. Ich bin nicht allein." Fischbacher glaubte auch an ein Wiedersehen im Jenseits. "Roy ist jetzt drüben angekommen und bereitet dort alles für mich vor - das hat er mir so versprochen."

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP

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