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Seiler und Speer im Interview "Musik auf Hochdeutsch wäre nicht ehrlich"

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Christopher Seiler und Bernhard Speer

(Foto: Oliver Topf)

Mit "Ham kummst" landet das Austropop-Duo Seiler und Speer 2015 einen großen Hit. Vier Jahre und 300 Konzerte später sind die beiden Wiener musikalisch gereift und stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres dritten Albums. Im Interview mit n-tv.de erzählen sie, was die Hörer auf der neuen Platte erwartet, warum der österreichische Dialekt weiter Trumpf ist und warum sie selbst keine großen Fans von Helene Fischer und Andreas Gabalier mehr werden.

n-tv.de: Ihr seid bei 'Rock im Park" in Nürnberg und bei "Rock am Ring" in der Eifel aufgetreten. Beides Regionen, in denen noch viel Dialekt gesprochen wird. Das hilft natürlich, Brücken zu schlagen, um euer Österreichisch zu verstehen. Sucht ihr bewusst solche Orte in Deutschland aus?

Christopher Seiler: Nein, gar nicht. Wir haben ja auch schon in Berlin oder Hamburg gespielt. In Nürnberg waren auch ganz viele Österreicher im Publikum.

Bernhard Speer: Wir sagen immer: Sie singen alles mit, wissen aber nicht was. Das ist wie wenn du bei Eros Ramazotti bist, kein Italienisch kannst, aber trotzdem mitsingst. Das funktioniert irgendwie.

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Dabei ist die sprachliche Barriere eigentlich eher niedrig. Könnt ihr euch nicht vorstellen, Musik auf Hochdeutsch zu machen?

Seiler: Das wäre nicht ehrlich. Wir sind natürlich in der Hinsicht limitiert, weil wir in unserem Dialekt Musik machen. Aber ich will mir nicht vorstellen, wenn ich im Alltag Hochdeutsch sprechen müsste.

Speer: Aber wir sind schon drauf gekommen, die Ansagen auf der Bühne auf Hochdeutsch zu machen. Ansonsten versteht das Publikum nichts. Aber da bilden wir uns weiter.

In Deutschland ist auf Festivals immer der Ruf nach "Helga" zu hören. Bei "Rock am Ring" wolltet ihr dem Publikum die österreichische Variante "Gitte" näherbringen.

Seiler: Da haben sie komplett auf uns geschissen und immer "Helga" gerufen (lacht). Aber das war ein großartiges Konzert zum Abschluss der Tour.

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Mit "Herr Inspektor" habt ihr bereits eine neue Single herausgebracht. Wann kommt euer neues Album?

Seiler: Mitte Juli soll es rauskommen. Es ist zumindest schon mal fertig.

Was erwartet uns da? Wird es etwas poppiger oder geht es eher in die sozialkritische Richtung?

Seiler: Es wird eine Mischung mit vielen Ohrwürmern, aber durchaus sozialkritisch. Die Platte klingt so wie die erste, nur mit der Erfahrung versehen, die wir jetzt vier Jahre später haben. Ich finde, es ist unser bestes Album.

Wie definiert sich diese Erfahrung?

Seiler: Das ist Tourerfahrung, Lebenserfahrung und auch das Handwerk an sich. Beim ersten Album haben wir vorher noch nie live gespielt.

Speer: Beim zweiten Album haben wir viel experimentiert und jetzt sind wir da, wo wir hinwollen und hingehören - 300 Konzerte später.

Auf Balladen und sozialkritische Songs habt ihr bei den Festivals verzichtet. Gab es da einen Grund?

Seiler: Das brauchst du nicht zu spielen auf einem Festival. Dabei sind wir da eigentlich am stärksten. Ich hätte es zum Beispiel gut gefunden, wenn wir "Ala bin" gespielt hätten. Da liegt so viel Kraft drin.

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Seiler und Speer rocken den Ring - dabei sagen sie selbst, Balladen und sozialkritische Songs zählten zu ihren stärksten Stücken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Florian Silbereisen hat die Ballade "Ala bin" ja gecovert und gesagt, das Lied habe ihm über seine Trennung mit Helene Fischer hinweggeholfen. Dabei hat er den Dialekt ein bisschen rausgenommen. Hat euch das trotzdem geschmeichelt?

Seiler: Ich glaube, die Leute haben am Anfang nicht ganz verstanden, dass die Nummer nicht vom ihm ist. Das hat mich ein bisschen gekränkt, aber er hat es dann noch dazugesagt. Er hat aber auch vorher angefragt, weil er so viel Respekt vor uns als Künstler hat. Er hätte es ja einfach spielen können. Wir haben dann gesagt: Kein Problem.

Helene Fischer gilt ja hier als Schlagerkönigin.

Seiler: Ihr seid hier Team Fischer oder?! Es gibt so Phänomene, aber ich kann nichts damit anfangen.

Speer: Wir haben ja den Gabalier. Das ist ungefähr das Pendant dazu. Sie sind beide sehr bemüht, wirken aber künstlich.

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Also könntet ihr euch keine Zusammenarbeit mit Arnold Schwarzenegger, so wie Andreas Gabalier es gemacht hat, vorstellen?

Speer: Hätten wir vielleicht gemacht. Jetzt nicht mehr (lacht).

Seiler: Die Nummer ist einfach nicht gut. Das ist dann zum Fremdschämen. Aber die österreichischen News sind in letzter Zeit ohnehin nicht so gut.

Wenn ihr es schon ansprecht: Singt dann irgendwann der Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache "Ala bin" für den ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz?

Seiler: Das weiß ich nicht. Ich glaube, der Strache rappt eher.

Aber es ist schon ungewöhnlich, dass sich Musiker politisch so positionieren wie ihr.

Seiler: Das machen wir in der Form nicht direkt. Jeder, der uns und unsere Liedtexte kennt, der weiß, wo wir politisch stehen. Das hat nichts mit links oder rechts zu tun. Wenn jemand ein Verbrecher ist, dann ist das nicht entschuldbar. Es gibt halt Menschen und es gibt Arschlöcher. Man sollte aber nicht mit dem Zeigefinger drauf zeigen und versuchen, anderen eine politische Meinung aufzuzwingen. Jeder mündige Mensch sollte in der Lage sein, sich die selbst zu bilden.

Ihr kommt aus dem Schauspiel und aus der Comedy. Da sind die Grenzen noch weiter gefasst, was Politisierung und Sozialkritik angeht. Was darf dann Musik?

Seiler: Musik muss alles dürfen. Das ist genauso Kunst wie Schauspiel und Comedy. Wenn es zensiert wird, dann ist es nicht mehr Kunst.

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Bleibt dann Musik euer Haupt-Steckenpferd? Oder kommen noch andere Projekte?

Seiler: Die Projekte laufen mittlerweile parallel. Das ist auch gut so. Du bist nie von etwas übersättigt. Egal was du machst, du hast deine Fanbase und die freuen sich darüber. Aber uns war es erst einmal wichtig, das dritte Album zu machen. Jetzt steht aber erst einmal Urlaub an.

Speer: Das kannste aber mal annehmen!

Mit Seiler und Speer sprach Michael Bauer

Quelle: n-tv.de

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