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Nach Versuch der AbberufungTricia Tuttle bleibt Leiterin der Berlinale

04.03.2026, 15:49 Uhr
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Bleibt der Berlinale erhalten: Tricia Tuttle. (Foto: picture alliance/dpa)

Seit dem Ende der diesjährigen Berlinale wird über deren Leitung heftig diskutiert. Man wirft Tricia Tuttle Antisemitismus vor. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erwägt sogar ihre Absetzung. Dann wird Kritik daran laut. Nun ist die Entscheidung gefallen.

Bei einer erneuten Aufsichtsratssitzung ist in der Hauptstadt jetzt über die künftige Ausrichtung der Berlinale entschieden worden. Am Vormittag kam der Aufsichtsrat der zuständigen Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) zusammen, und auch Tricia Tuttle selbst war bei den Gesprächen anwesend. Immerhin wurde hier ihre Posten diskutiert. Mit positivem Ausgang für die 55-Jährige: Sie bleibt im Amt. Geplant sind aber ein "beratendes Forum" sowie die Ausarbeitung eines Verhaltenskodexes für alle Kulturveranstaltungen des Bundes, wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nach einer Krisensitzung im Kanzleramt mitteilte.

Bereits im Vorfeld hatte die US-Amerikanerin klargemacht, sie habe nicht den Plan, zu gehen: "Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen." Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der einen Wechsel an der Spitze des Internationalen Filmfestivals angestrebt hatte, gab sich zuletzt diesbezüglich ebenfalls zuversichtlich. "Wir sind auf einem guten Weg, die Berlinale zukunftsfest aufzustellen", sagte der parteilose Politiker.

Zuvor war heftig über die Zukunft der Intendantin und des Festivals selbst diskutiert worden. Wenige Tage nach dem Ende des Filmfestivals hatte die "Bild" gemeldet, Tuttle solle abberufen werden. Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals im Februar.

Vorwurf des Antisemitismus

Nachdem Wolfram Weimer eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung für vergangenen Donnerstag einberufen hatte, formierte sich in der Kulturbranche breiter Protest. Etliche Organisationen und Filmschaffende meldeten sich kritisch zu Wort und warnten vor staatlichen Eingriffen in die Unabhängigkeit des Festivals.

Im Anschluss der Sitzung hieß es, die Gespräche zwischen Tuttle und dem Gremium sollten fortgesetzt werden. Die 55-Jährige hatte die Internationalen Filmfestspiele in Berlin vor zwei Jahren übernommen.

Während des Filmfestivals hatte es mehrfach Debatten über den Umgang mit dem Nahostkonflikt gegeben. So hatte etwa der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib der Bundesregierung auf der Bühne bei der Abschlussgala vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ den Saal und ließ mitteilen, die Aussagen seien nicht akzeptabel. Weimer und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Aussagen ebenfalls.

Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen, auch die Bundesregierung weist den Völkermord-Vorwurf zurück.

Solidarität von führenden Festival-Direktoren

Indes haben mehrere führende Festival-Direktoren laut Medien-Berichten in einer gemeinsamen Erklärung Tuttle den Rücken gestärkt. "Als Leiter und Verantwortliche von Filmfestivals unterstützen wir Tricia Tuttles Wunsch, weiterhin als Festivaldirektorin der Berlinale tätig zu sein - in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit", heißt es demnach in dem Schreiben, das unter anderem von Thierry Frémaux, Generaldirektor des Filmfestivals von Cannes, unterzeichnet wurde.

Die Unterzeichner beklagten einen "zunehmenden Druck auf Filmfestivals". Eine zentrale Aufgabe sei, einen Raum zu schaffen und zu schützen, in dem Filmemacher, Künstler, Fachleute und Publikum zusammenkommen könnten. Dazu gehörten Menschen, die nicht nur die gemeinsame Liebe zum Kino teilten, "sondern auch eine große Vielfalt an Lebenserfahrungen und Perspektiven mitbringen."

Quelle: ntv.de, nan/dpa

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