Unterhaltung

Verleumdungsvorwurf gegen Sänger Ofarim-Anwalt wirft Justiz "Schauprozess" vor

252423275.jpg

Nach Ansicht seines Anwalts ist Gil Ofarim ein Opfer von Vorverurteilung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil er der Leitung eines Leipziger Hotels Antisemitismus unterstellt hat, muss sich Musiker Gil Ofarim womöglich bald in einem Prozess vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Der Vorwurf: Verleumdung und falsche Verdächtigung. Sein Anwalt hält die Justiz für befangen.

Der neue Anwalt von Gil Ofarim fürchtet einen "Schauprozess" gegen den Musiker. "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Leipziger Justiz hier einen Schauprozess anstreben könnte, nicht ausschließbar aus politischen Gründen", sagte Alexander Stevens in München, der nach eigenen Angaben mit seiner Kanzlei die Verteidigung Ofarims übernommen hat.

Als Anzeichen dafür führt Stevens an, dass die Staatsanwaltschaft Ofarim am Land- und nicht am Amtsgericht angeklagt und dies mit der Prominenz des Angeklagten begründet hat. Schließlich habe auch der Körperverletzungsprozess gegen den nicht weniger bekannten, früheren Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng in erster Instanz am Münchner Amtsgericht stattgefunden.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat den 40-Jährigen wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung angeklagt. Der Musiker hatte im vorigen Oktober in einem viralen Video Antisemitismus-Vorwürfe gegen ein Leipziger Hotel erhoben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hat sich der Vorfall aber nicht so zugetragen. Das Leipziger Landgericht hat nach Angaben einer Sprecherin noch nicht über die Zulassung der Anklage gegen Ofarim entschieden. Damit wird in den kommenden Tagen gerechnet.

Zuständiger Richter befangen?

Mehr zum Thema

Stevens spricht von "einer massiven medialen Vorverurteilung" seines Mandanten und zweifelt die Unabhängigkeit der Leipziger Justiz an. "Trotz der grundrechtlich geschützten Unschuldsvermutung haben ausgerechnet der Landesvater, Ministerpräsident Kretschmer, aber auch beispielsweise Ex-Justizminister Heiko Maas sich im Vorfeld zur Sache inhaltlich geäußert und ihrer untergebenen Justiz damit Leitlinien einer Verurteilung quasi vorgegeben."

Schon vor der Zulassung der Anklage haben Stevens und sein Team nach eigenen Angaben darum einen Antrag gestellt, den zuständigen Richter, der über die Zulassung der Anklage entscheidet, wegen Befangenheit abzulehnen. Der Richter habe "in einem Vorgespräch bereits freimütig behauptet, er selbst könne sich den von Herrn Ofarim behaupteten Geschehensablauf schwer vorstellen", so der Anwalt laut "Bild"-Zeitung. "In Leipzig gebe es bekanntermaßen kein erhebliches Problem mit Antisemitismus."

Quelle: jug/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen