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"Wir brauchen die Presse!" Oprah for President? Auf jeden Fall!

Die drei wichtigsten Momente bei den Verleihungen der Golden Globes dieses Jahr dürften folgende gewesen sein: die Provokation einer Preisträgerin, was ein Model nicht trug, und zwei Worte einer Schauspielerin, die alle zum Grübeln brachten.

Okay okay, es geht um Oprah Winfrey, und da darf es immer ein bisschen mehr sein! Deswegen sagt die Moderationslegende auch so Dinge wie, dass "eine neue Zeit nicht nur in Hollywood, nein, auf der ganzen Welt ansteht". Und dass die Tage von machtmissbrauchenden Männern als gezählt gelten dürfen. Nun, hoffen wir das Beste, und Oprahs Wort in Gottes Gehörgang. Schauen wir doch noch etwas genauer hin.

Das Offensichtlichste: Fast alle Damen kamen tatsächlich in Schwarz zu den diesjährigen Golden Globes. Männer auch. Das hatten sie vorher so verabredet, um ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in der US-Unterhaltungsindustrie zu setzen. Ob das jetzt eine gute Idee war oder nicht - für Aufmerksamkeit hat es gesorgt, und diese Art der Gleichmacherei ist in diesem Fall tatsächlich eine Form von Individualität, die sich nicht jedem sofort erschließen mag. Aber es ist so.

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Men in Black ...

(Foto: picture alliance / Paul Drinkwat)

Alle in Schwarz bedeutet in diesem Worst-case-Szenario nämlich, dass Frauen endlich anfangen, ihr Gehirn und ihre Macht zu benutzen. "Zusammen sind wir stark" soll das heißen. Und dabei ging es eben ausnahmsweise mal nicht um die Klamotten, bei denen ja sonst immer pingelig darauf geachtet wird, dass bloß keine der Anwesenden dasselbe Kleid wie die Kollegin anhat. Es soll auch heißen: "Gegen diese Typen, die meinen, sie könnten uns auf den Hintern klatschen, uns ihre Zunge ins Ohr stecken oder sich in einem vermeintlich günstigen Moment einfach auf uns raufwälzen, gehen wir jetzt vehement vor!" Und es heißt einfach: "Weinsteins dieser Welt, f***t euch selber, wir lassen uns dieses primitive Verhalten, das unsere Karrieren zum Teil zerstört hat, aber vor allem unsere Seelen, nicht mehr gefallen." Bravo! Bravo! Bravo! Mehr davon! Vor allem bei der Oscar-Verleihung!

Mädchen, hört dieser Frau zu!

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... Women in Black ...

(Foto: REUTERS)

Dazu passt auch, dass Oprah Winfrey den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk als erste afro-amerikanische Frau überhaupt erhielt. Diesen Satz muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Als erste afro-amerikanische Frau! Ungeheuerlich! Aber lassen wir das, freuen wir uns über das Jetzt. Denn Oprah Winfrey wäre nicht die, die sie ist, wenn sie diese Gelegenheit nicht genutzt hätte, um alle Männer ordentlich anzuzählen, die ihre Machtposition missbrauch(t)en: "Zu lange wurden Frauen nicht erhört. Oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie es wagten, die Wahrheit über solch mächtige Männer anzusprechen. Aber deren Zeit ist zu Ende!" Schon während diese Worte durch den Veranstaltungsort in Beverly Hills hallten, hielten es die ersten Weltstars - Frauen UND Männer - nicht mehr auf ihren Sitzen aus und setzten - teilweise mit Tränen in den Augen - zu stehenden Ovationen an. "Ich will, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht."

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Oprah Winfrey sagt: "Ich schätze die Presse mehr denn je, denn sie ermöglicht es uns, die Wahrheit ans Licht zu bringen."

(Foto: picture alliance / Paul Drinkwat)

Zuvor äußerte sie ihren größtmöglichen Respekt für die Frauen, die entgegen aller Widerstände an die Öffentlichkeit gegangen sind. "Die Wahrheit zu sagen ist das mächtigste Werkzeug, das wir haben. All die Frauen, die sich stark genug und ermächtigt fühlten, sich zu äußern und ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen, machen mich stolz und inspirieren mich."

Schon im Vorfeld der diesjährigen Golden-Globes-Verleihung war klar, dass die Veranstaltung ein allseits bestimmendes Thema haben würde. Gastgeber Seth Meyers zog Harvey Weinstein und Co. bei seinem Einstiegsmonolog prompt durch den selbstverschuldeten Dreck. Jedoch war es die denkwürdige Dankesrede von Oprah Winfrey, die bei vielen Anwesenden für größtmögliche Erregung sorgte.

Die perfekte Nachfolgerin

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Mit ihrer Rede trat Winfrey in die Fußstapfen von Schauspielerin Meryl Streep: Die Oscar-Preisträgerin hatte bei den Golden Globes 2017, von der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA tief schockiert, eine flammende Rede bei den Golden Globes gehalten: Hollywood und die Entertainment-Industrie allgemein wären sehr leer, wenn alle Immigranten aus dem Land verschwinden müssten, stellte die Mimin damals unter anderem fest. Woraufhin ihr von Trump das Schauspiel-Talent aberkannt wurde - ausgerechnet jener Frau, deren Erfolge in der Filmindustrie vielleicht auf ewig unerreicht bleiben werden. Sie wird das verschmerzt haben.

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Genau wie Natalie Portman verschmerzt haben dürfte, dass vielleicht der eine oder andere Regisseur ihr nach ihrer Rede zur Verleihung des Golden Globe in der Kategorie "Beste Regie" nicht spontan um den Hals gefallen ist. Denn Natalie Portman sagte nur zwei Worte, die das Publikum sichtlich umtrieb: "Rein männlich". Gut, genau genommen sagte sie: "Und hier sind die - rein männlichen - Nominierten." Das saß. Denn natürlich können die Nominierten gar nichts dafür, dass sie nominiert wurden, und niemand möchte das außergewöhnliche Talent eines Guillermo del Toro ("The Shape Of Water"), eines Ridley Scott ("Alles Geld der Welt"), eines Steven Spielberg ("Die Verlegerin"), eines Martin McDonagh ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri") oder eines Christopher Nolan ("Dunkirk") in Frage stellen.

Wonderwomen dieser Welt - vereinigt euch!

Aber da wären eben auch Frauen in der Kategorie "Regie" gewesen, die durchaus einen Preis verdient hätten: Greta Gerwig beispielsweise für "Lady Bird" oder Sofia Coppola für "Die Verführten". Ganz abgesehen von "Wonder Woman"- Regisseurin Patty Jenkins. Gewonnen hat Guillermo del Toro.

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Nun - Individualität wird sonst immer groß geschrieben in Hollywood - aber an diesem Abend ausgerechnet?

(Foto: imago/Future Image)

Zwei Worte, die sagen, dass das ganze Gelaber, alle Bekenner-Buttons ("Time's Up") dieser Welt, alle Diskussionen, alles Verständnis noch immer nicht gereicht haben, um tatsächlich etwas in der Filmindustrie zu bewegen. Solange es als besonders herausragende Leistung gilt 'als Frau' einen Preis zu gewinnen, 'als Farbige', 'als Behinderter', 'als Ausländer', 'als Jude', als 'Moslem', 'als Geflüchteter', so lange ist quasi nichts passiert mit dem sogenannten Fortschritt.

Und ob da nun eine Barbara Meier ein Blümchenkleid trägt, wenn alle anderen sich für Schwarz verabredet haben - I couldn't care less. Schwarz war schon immer sexy - als Kleid. Und als Hautfarbe. Und als Dresscode. Und wenn Globe-Moderator Seth Meyers mit seinem Spruch: "Oprah, du wirst niemals Präsidentin sein", Erfolg hat, dann stehen Amerika wahrscheinlich sowieso bessere Zeiten bevor. Um seinen Witz zu verstehen erklärte Meyers, er habe den selben Satz 2011 über Donald Trump gesagt. "Manche behaupten, das hätte ihn erst zu seiner Kandidatur angespornt", führte er aus. "Und wenn das wahr ist, möchte ich sagen: Oprah, du hast nicht das Zeug dazu."

Es scheint, Meyers hat ein gutes Händchen: Laut "CNN" haben zwei der engsten Freunde Oprah Winfreys verraten, dass die Moderatorin und Schauspielerin es doch ernsthaft in Erwägung ziehen soll, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Nachdem Freunde und enge Vertraute ihr dazu raten, sei Winfrey nicht abgeneigt. Gedanken darüber mache sich die 63-Jährige bereits seit einigen Monaten. Nachdem die Reaktionen nach den Golden Globes - verkürzt - auf "#PresidentWinfrey" und "OprahForPresident" hinauslaufen, scheint jedoch neue Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Wirkliche Kandidaten werden erst Mitte 2018 benannt - die Gerüchteküche aber brodelt bereits zum Überkochen.

Wenn jetzt also Taten folgen - und bei den Oscars alle Frauen sich verabreden, Grün zu tragen (die Farbe der Hoffnung) - dann steht vielleicht wirklich ein neues Zeitalter an!

Quelle: n-tv.de, mit spot

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