Unterhaltung

Die neue Prüderie Pirelli und US-"Playboy" ohne Nackte?

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Natalia Vodianova - ein bisschen Stoff hat noch nie geschadet.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es soll nicht mehr um Brüste, Körper, Hinterteile, verführerische Augen und Mähnen und möglichst viel nackte Haut gehen. Die Macher des Pirelli-Kalenders und die des "Playboy" interessieren sich neuerdings für andere Körperteile bei Frauen.

Es geht um den Kopf. Und das, was dort drin ist. Frauen, die was zu sagen haben, ist wohl das Motto für 2016. Was ist denn da los in der Gummibranche, also bei "Pirelli"? Keine nackten Frauen mehr? Und seit wann schwächelt Hugh Hefner derartig?

Das ist vielleicht ein Zeichen der Zeit, wenn selbst der "Playboy" - allerdings nur in den USA - keine Nackten mehr abbilden möchte. Vielleicht zeigen die Macher dieser erotischen Fantasien nun einfach mal, dass "man(n)" verstanden hat; und dass ein bisschen Stoff die Fantasien viel mehr anheizt. Und mal ehrlich: Wen lockt es noch hinter dem Ofen hervor, wenn er nackte Brüste oder rasierte Venushügel in DIN A 4 sieht? Auf jeder gut sortierten Modenschau läuft übrigens pro Designer immer mindestens ein mehr oder weniger nacktes Model herum.

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So ein beiger Pulli ist doch fast wie nackt!

(Foto: imago/fotoimedia)

Grace Jones zieht sich freiwillig aus, und das während die 67-Jährige ihre Memoiren präsentiert. Der "Playboy" liegt am Flughafen in der "Frequent Traveller Lounge" neben der "Brigitte" und "Auto Motor Sport" - hübsch verpackt in einem Schutzumschlag, sodass die anderen Frequent Traveller nicht sehen, was der Kollege da liest. Fast niedlich, die Vorstellung, wie die Kollegen ihre "Kicker" um den Schutzumschlag des "Playboys" legen. Aber wir kommen vom Thema ab, außerdem hat der Frequent Traveller, der vielleicht als einziger den "Playboy" vermissen wird, wenn er länger ohne Gattin unterwegs ist, nun wirklich andere Möglichkeiten, an nackte Haut heranzukommen.

Wobei: Ist der Frequent Traveller wirklich der Einzige, der den Playboy" vermissen wird? Was machen jetzt die ganzen kleinen Jungs, die den "Playboy" unter Papas Bett oder auf dem WC, versteckt unterm "Landlust"-Abo, gebraucht haben, um sich sexuell aufklären zu lassen? Romantischer Humbug ist das, denn jeder Pubertist hat ein Smartphone, mit dem er sich alles aus dem Netz fischen kann, was er möchte, am leichtesten wohl unbekleidete Frauen. "Versteht mich nicht falsch", wird der Redakteur Cory Jones von der "Times" zitiert: "Mein zwölfjähriges Ich ist sehr enttäuscht von meinem jetzigen Ich. Aber wir tun das Richtige." In den USA ...

Ja, die Leser des US-"Playboys müssen jetzt auf die frischen Studentinnen verzichten, und wir können uns weiterhin angucken, wie alternde Schauspielerinnen sich in fortgeschrittenem Alter noch einmal entblößen. Auch wenn es weder Julia Biedermann noch Ingrid Steeger oder Susan Stahnke wirklich weitergeholfen in der Karriere: Ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit, doch dann war das Honorar auch schon wieder weg und die Damen mussten Werbung für Darmspiegelungen oder Pissoirs für Frauen machen - und wenn gar nichts mehr geht zum Schluss, dann eben ab in den Dschungel.

In den USA beugt sich "Playboy"-Gründer Hugh Hefner nun dem Zeitgeist. Es soll weiterhin schöne Fotos geben, aufreizende Posen, aber mit mehr Stoff. Es gibt so viele Möglichkeiten, und der Zug, mit Nacktheit zu provozieren, ist eh abgefahren - da wird "man" in den USA also auf andere Magazine ausweichen müssen, die eh weitaus pornographischer sein können als ein "Playboy"-Shooting.

Gehirn ist das neue Botox

Und der "Pirelli"-Kalender, der seinem exklusiven Kundenkreis die schönsten Frauen so zeigte, wie Gott sie schuf? Der macht jetzt auf intellektuell. Ist Gehirn denn dann sowas wie die neue Spitzenunterwäsche ? Ist IQ sexier als Botox? Und sollte eine Frau, die was zu sagen hat - so eine Frau kann immerhin Befehle geben ("Zieh' dich aus!") oder sagen, was sie will ("Ich hätt's gern so") - dann doch attraktiver sein als ein Bunny mit Puschel am Hintern und geschürzten Lippen?

Bei "Pirelli" hat man für nächstes Jahr Top-Fotografin und Top-Feministin Annie Leibovitz verpflichtet - sie "shootete" Frauen mit Köpfchen im besten Alter wie die Performance-Künstlerin Yoko Ono (82), Musikerin Patti Smith (68), Schriftstellerin Fran Lebowitz (64), Wohltäterin Agnes Grund (77), aber auch die 19-jährige Bloggerin Tavi Gevinson oder die Mittdreißigerinnen Amy Schumer (Comédienne) und Serena Williams (Tennisgranate). Um das Ganze abzurunden, hat man allerdings noch Super-Model Natalia Vodianova zum Posieren eingeladen, die soll ja auch nicht doof sein.

Angezogene, intelligente Frauen - das ist auf jeden Fall provozierender als gefotoshoppte Nacktheit. Und ein neuer Trend, der sich gern durchsetzen darf. Dann klappt's auch mit dem Nachbarn. Und dem Job. Und den Kindern. Und den Männern. Vielleicht.

Quelle: ntv.de

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