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Farid Bang und Kollegah Plattenfirma beendet Arbeit mit Rappern

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Kollegah (rechts) und Farid Bang sehen sich durch ihre Liedzeilen Antisemitismus-Vorwürfen ausgesetzt.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstens)

Der Echo-Skandal um die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah zieht immer weitere Kreise. Nun verkündet BMG: Ein weiteres Album mit den Künstlern wird es vorerst nicht geben. Kritiker werfen der Plattenfirma Zynismus vor.

Das Musikunternehmen BMG hat die Kooperation mit den beiden Rappern Kollegah und Farid Bang vorerst gestoppt. "Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen", sagte BMG-Vorstandschef Hartwig Masuch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir entschuldigen uns bei den Menschen, die sich verletzt fühlen." Gegen den Vorwurf des Antisemitismus nahm Masuch die beiden ausdrücklich in Schutz. "Ich finde diese Zeilen auch geschmacklos", sagte er. Die Bertelsmann Music Group (BMG) hatte in Kooperation mit den Musik-Labels der beiden Künstler, Banger Musik und Alpha Music Empire, das umstrittene Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" (JBG3) veröffentlicht.

"Meine Mitarbeiter und ich stehen mit den Künstlern in Kontakt, und die distanzieren sich klar von jeder Form von Antisemitismus. Das tun wir auch", so Masuch weiter. Kunst-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit deckten nicht Antisemitismus und Rassismus ab. "Es gibt klare Grenzen. Das sagen bei uns alle Mitarbeiter."

Kollegah und Farid Bang, die mit ihrer Musik einen Zugang zu Jugendlichen haben, hätten sich dafür entschuldigt, wenn sie Menschen mit ihrer Musik verletzt hätten. Sie hätten auf mehreren Kanälen mehrfach ganz klar deutlich gemacht, dass sie keine antisemitische Haltung vertreten. "Damit erreichen sie die jungen Menschen direkt und geben eine wichtige Botschaft in diese Zielgruppe hinein", sagte Masuch. "Natürlich ist das ein Riesenwarnschuss. Wir müssen überall, wo wir in Songs Inhalte vertreten, noch intensiver hinschauen."

Auf Anfrage der dpa sagte der BMG-Chef allerdings auch: "Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde."

"Rohes Wegrutschen junger Menschen"

Die Bertelsmann Music Group will nun eine Kampagne gegen Antisemitismus starten. Die Firma schiebt das Projekt mit rund 100.000 Euro an. "Gemeinsam mit sachverständigen Organisationen sollen Projekte zur Bekämpfung der besorgniserregenden Entwicklung an Schulen ausgesucht werden", heißt es in einer Pressemitteilung von BMG. Der Schwerpunkt soll in Berlin liegen.

Farid Bang und Kollegah waren in der vergangenen Woche in der Kategorie Hip-Hop/ Urban National mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow" hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen von BMG in einer Mitteilung "Zynismus" vor. Dieser beschreibe "genau das Dilemma unserer Gesellschaft, in der ein rohes Wegrutschen junger Menschen aufgrund einer sinn- und werteentleerten Unternehmenspolitik und einer ausschließlich am Gewinnstreben orientierten Publikationsstrategie immer möglicher erscheint." Dies alles mit dem Anspruch zu verknüpfen, die künstlerische Freiheit zu verteidigen, sei "pure Heuchelei".

Derweil will die israelische Pianistin und fünffache Echo-Preisträgerin Yaara Tal ihre Trophäen - im Gegensatz zu anderen Musikern - nicht zurückgeben. Sie finde dies wohlfeil und heuchlerisch, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". "Damit wird nichts besser, es trifft nicht die gesellschaftliche Problematik, mit der wir alle umgehen müssen." Der Skandal liege darin, dass die Gesellschaft "solche Texte überhaupt hinnimmt als Unterhaltungsmusik, dass Konzerte besucht und CDs verkauft werden", sagte die 1955 als Tochter von Holocaust-Überlebenden geborene Pianistin. "Das Schlimmste ist, dass es junge Menschen sind, die solche Musik quasi widerstandslos schlucken."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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