Haben Beamte weggesehen?Polizei ermittelt gegen Andrews Leibwächter

In Großbritannien ziehen die Verstrickungen in den Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein immer weitere Kreise. Inzwischen wird flächendeckend ermittelt. Nun rücken auch die Personenschützer des in Ungnade gefallenen Ex-Prinzen Andrew in den Fokus.
Die britische Metropolitan Police hat einem Medienbericht zufolge "vorläufige Untersuchungen" eingeleitet, die das Verhalten ehemaliger Personenschützer des früheren Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor betreffen. Auslöser der Untersuchung sind laut der BBC Aussagen eines namentlich nicht genannten ehemaligen leitenden Met-Beamten gegenüber dem Sender LBC. Dieser behauptet demnach: Mitglieder des Schutzteams könnten während der Besuche auf Jeffrey Epsteins Insel "Little St. James" vorsätzlich die Augen vor kriminellen Aktivitäten verschlossen haben. Es geht dabei um Beamte der Spezialeinheit Royalty and Specialist Protection (RaSP).
Das Team soll Andrew mindestens zweimal auf die Insel begleitet haben, wobei einmal sogar Epsteins Privatjet genutzt worden sei. Laut dem Informanten gab es um die Jahrtausendwende Bedenken, dass Leibwächter ihren Schutzbefohlenen zu nahe standen. Personal habe zudem "Angst" davor gehabt, bei Kritik herabgestuft zu werden.
Die Metropolitan Police betonte laut BBC in einer Stellungnahme, dass bisher "kein Fehlverhalten festgestellt" wurde. Die aktuellen Nachforschungen dienten dazu, die Faktenlage zu klären. Sollten sich konkrete Anhaltspunkte für Fehlverhalten ergeben, würde das Independent Office of Police Conduct (IOPC) eine weiterführende Untersuchung übernehmen.
Doch die Nachforschungen beschränken sich längst nicht mehr nur auf die Hauptstadt. In einem beispiellosen Vorgang prüfen Polizeikräfte in fast allen Teilen Großbritanniens ihre Akten auf Verbindungen zum Epstein-Netzwerk. Die Met Police ermittelt zudem gegen den ehemaligen Minister Peter Mandelson wegen des Verdachts der Weitergabe von Marktwissen an Jeffrey Epstein. Die Thames Valley Police untersucht den Vorwurf, eine zweite Frau sei für Prinz Andrew nach Großbritannien geschickt worden.
Die Polizei von Essex, Bedfordshire und West Midlands überprüft Flugprotokolle und die Nutzung der Flughäfen Stansted, Luton und Birmingham durch Epsteins Privatjet. Die Surrey Police untersucht einen Vorwurf von Menschenhandel und sexuellem Übergriff aus den 1990er Jahren. Die schottische Polizei sucht nach Zeugen bezüglich Epsteins Flügen über den Flughafen Edinburgh.
Angesichts der "Millionen von Dokumenten" und der Komplexität internationaler Rechtsprechung hat der Rat der Polizeichefs (NPCC) eine nationale Koordinierungsgruppe eingerichtet. Die Behörden stehen vor der Mammutaufgabe, Millionen von Dokumenten aus den USA zu sichten und internationale Zuständigkeiten zu klären. Während Prinz Andrew weiterhin jede Form von Fehlverhalten bestreitet, machen die Ermittler deutlich, dass die Aufarbeitung dieses komplexen Geflechts aus Macht, Geld und Missbrauch noch Jahre in Anspruch nehmen könnte.