Klage gegen BoulevardpressePrinz Harry erscheint zum Prozess-Showdown in London

Prinz Harry und weitere Prominente werfen einem britischen Zeitungsverlag systematische Datenschutzverletzungen vor. Nun startet der Prozess in London. Dafür ist der Prinz extra angereist.
Am Londoner High Court hat am Montag ein aufsehenerregender Prozess begonnen. Prinz Harry sitzt gemeinsam mit Sir Elton John, Schauspielerin Elizabeth Hurley und weiteren Prominenten im Gerichtssaal. Ihr gemeinsamer Gegner ist Associated Newspapers Limited, der Verlag hinter "Daily Mail" und "Mail on Sunday". Der Vorwurf der Kläger lautet: systematische und unrechtmäßige Informationsbeschaffung über fast zwei Jahrzehnte hinweg.
Die Vergehen sollen zwischen 1993 und 2011 stattgefunden haben. Die prominenten Kläger bezeichnen sich selbst als Opfer "abscheulicher krimineller Aktivitäten". Der Verlag weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück.
Der Gerichtssaal war am Montagmorgen bis auf den letzten Platz gefüllt. Prinz Harry - im dunkelblauen Anzug mit dunkelblauer Krawatte - verfolgte die Ausführungen seines Anwalts aufmerksam aus der vorderen Reihe. Hurley erschien in Begleitung ihres 23-jährigen Sohnes, Schauspieler und Model Damian Hurley. Auch die britische Schauspielerin Sadie Frost, Ex-Frau von Jude Law, gehört zu den Klägern.
Erbitterter Kampf gegen Boulevardpresse
Der Prozess, der auf neun Wochen angesetzt ist, gilt als Prinz Harrys finaler Showdown mit den britischen Medien. Der Herzog von Sussex führt seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen die Boulevardpresse seines Heimatlandes. Sollte das Gericht zugunsten der Kläger entscheiden, wäre dies laut deren Anwalt David Sherborne eine "Katastrophe" für den Verlag. Dessen pauschale Dementis würden dann als das entlarvt, was die prominente Klägerschar darin sieht: Lügen.
Sherborne ging britischen Medienberichten zufolge in seiner Eröffnungsrede direkt in die Offensive. Er beschrieb die Verteidigungsstrategie des Verlags als "Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen"-Taktik. Die Dementis seien "aggressiv" wiederholt worden, doch die Beweise sprächen eine andere Sprache.
Verlag hat "Leben zerstört"
"Es gibt unwiderlegbare Beweise", dass hochrangige Mitarbeiter des Verlags von der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung wussten, erklärte Sherborne vor Gericht. Dies sei "kein sauberes Geschäft" gewesen, so der Jurist. Er präsentierte dem Gericht Dokumente, die Telefonrechnungen, Sozialversicherungsnummern, Flugdaten und sogar medizinische Unterlagen der Kläger enthalten sollen - Informationen, die auf keinem legalen Weg beschafft werden könnten.
In seinen schriftlichen Ausführungen formulierte es Sherborne drastisch: "Es kann kaum Zweifel daran geben, dass Journalisten und Führungskräfte aller 'Mail'-Titel an der Kultur der unrechtmäßigen Informationsbeschaffung, die das Leben so vieler Menschen zerstört hat, beteiligt waren oder sich daran mitschuldig gemacht haben."