Streit um Urheberrecht"Bang Boom Bang"-Macher ziehen vor Gericht

Die Kiffer-Komödie "Bang Boom Bang" ist seit fast 30 Jahren nicht nur im Ruhrpott absoluter Kult. Jetzt sorgt der Film aktuell wieder für Schlagzeilen. Vor Gericht geht es ums Urheberrecht, nachdem ein Cannabis-Unternehmen zwei wichtige Figuren einfach übernommen hat.
Der Ruhrpott-Klassiker "Bang Boom Bang" gilt seit seinem Kinostart 1999 als absoluter Kultfilm. Seither läuft die Kiffer-Komödie ununterbrochen in einem Bochumer Kino, das sind inzwischen 27 Jahre und damit ein Rekord. Jetzt sorgt eine Neuinterpretation des Stoffs für einen Streit, der vor dem Bochumer Landgericht verhandelt wird.
Grund dafür ist, dass zwei Figuren aus "Bang Boom Bang" im Mittelpunkt des Kurzfilms "Keeks letztes Ding" stehen. Der wurde im vergangenen Jahr gedreht, feierte in Bochum Premiere und knüpft inhaltlich an die Ereignisse des Films von 1999 an. Dafür kehrte der 57-jährige Oliver Korittke, heute dem Publikum eher dank der "Wilsberg"-Krimis bekannt, als Kiffer Keek zurück. Martin Semmelrogge taucht als Geist von Schlucke auf, um gemeinsam mit seinem alten Kumpel einen Joint durchzuziehen. Außerdem mit dabei waren unter anderem Rapperin Nura und Seriendarsteller David Bredin, Regie führte Marian Meder. Produziert wurde das Ganze von den bekannten Filmproduktionsfirmen btf und WTF aus Köln. Auftraggeber war ein Großunternehmen aus Paderborn, das medizinisches Cannabis vertreibt.
Das Problem: Offenbar hatte niemand dafür so wirklich eine Genehmigung der Rechteinhaber, allen voran Regisseur Peter Thorwarth, der einst gemeinsam mit Stefan Holtz auch das Drehbuch für "Bang Boom Bang" entwickelt und die Geschichte in seiner Geburtsstadt Unna gedreht hatte. Eigentlich hatten er und der verantwortliche Produzent Christian Becker eine Fortsetzung von "Bang Boom Bang" immer abgelehnt, auch wenn diese bei den Fans sicher gut angekommen wäre.
Forderung von 300.000 Euro
Es heißt, man habe zwar Kontakt mit dem Cannabis-Unternehmen gehabt, die Nutzung der Figuren sei jedoch ausdrücklich untersagt worden. Nun fordern sie 300.000 Euro wegen Verletzung des Urheberrechts, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Ein erster Vergleich ist demnach gescheitert. Zwar bot das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Summe zwischen 50.000 und 100.000 Euro, die in Teilen für wohltätige Zwecke gespendet werden sollte. Doch für die Kläger gehe es nicht oder nicht nur ums Geld: Sie wollen die kreative Kontrolle über ihre Figuren und Geschichten sichern.
Im Gerichtssaal treffen laut des Berichts neben den Juristen auch die Macher selbst aufeinander sowie Semmelrogge und Korittke, die als Zeugen geladen sind. Produzent Christian Becker, in der Vergangenheit auch beteiligt an Filmen wie "Jim Knopf" und "Fack Ju Göhte", findet jedenfalls, Oliver Korritke habe "den Film und seine alten Freunde für eine Handvoll Gras verkauft". Für den heute mit seiner Familie in München lebenden Peter Thorwarth war "Bang Boom Bang" der Start in eine erfolgreiche Karriere. Er drehte weitere Kinofilme, darunter "Was nicht passt, wird passend gemacht", "Goldene Zeiten" und "Die Welle", aber auch internationale Netflix-Produktionen wie "Blood Red Sky" und "Blood & Gold".