"Ich habe viel geweint"Sylvie Meis sagt in Einbruchsprozess aus

Für Sylvie Meis ist es nicht nur ein materieller, sondern auch ein seelischer Schaden: 2023 klauen Diebe aus ihrer Hamburger Wohnung wertvolle Designer-Taschen. Ein Täter steht nun geständig vor Gericht - und wird nach emotionalen Worten von Meis zu Haft verurteilt.
Zweieinhalb Jahre sind seit dem Einbruch in ihre Hamburger Wohnung vergangen - doch der Schock sitzt immer noch tief bei Sylvie Meis. Am Tag der Urteilsverkündung gegen einen der Täter sagte die TV-Moderatorin vor dem Landgericht Hamburg als Zeugin aus - und schilderte dabei Momente, die sie nach eigener Aussage bis heute verfolgen.
Im Juli 2023 hatten Einbrecher mehr als 40 Designer-Taschen aus dem Zuhause der 47-Jährigen gestohlen. Der Wert der Beute: rund 530.000 Euro.
Vor Gericht schilderte Meis eindringlich den Moment, als sie nach einem Urlaub in ihre Wohnung zurückgekehrt sei und bemerkt habe, dass eingebrochen worden war. "Ich habe sehr viele Sachen in meinem Leben erlebt. Nichts konnte mich darauf vorbereiten", sagte sie laut RTL. Die Alarmanlage sei eingeschaltet gewesen, doch die Luxustaschen - Stücke von Hermès, Chanel und Yves Saint Laurent - seien verschwunden gewesen. Ihr sei "ganz kalt geworden", als sie den Diebstahl bemerkt habe.
Taschen bleiben verschwunden
Die gestohlenen Stücke hätten für sie nicht nur einen materiellen Wert, erklärte die Moderatorin. Sie habe die Sammlung über Jahre aufgebaut. Ihre erste Hermès-Tasche habe sie 2005 gekauft - nach einem Jahr Wartezeit.
"Jede Tasche hatte eine Geschichte. Es war ein Investment, für das ich hart gearbeitet habe", sagte Meis vor Gericht. Sie habe ihre Sammlung bewundert wie andere Menschen Kunst. Seit dem Einbruch bewahre sie ihre verbliebenen Taschen an einem anderen Ort auf und könne sie nun nicht mehr wie früher jederzeit bewundern.
Zwar komme ihre Versicherung für den entstandenen finanziellen Schaden auf, doch das sei nur ein schwacher Trost. Zum einen sind die gestohlenen Taschen bislang nicht wieder aufgetaucht. Zum anderen habe der Einbruch bei ihr auch seelische Wunden hinterlassen, so Meis. "Ich habe ein Jahr nicht durchgeschlafen. Ich habe viel geweint", berichtete sie. Überraschende Geräusche, die sie nicht sofort einordnen könne, lösten seitdem bei ihr feuchte Hände aus, dazu kämen Herzrasen und häufige Panikattacken - vor allem in den Abendstunden, wenn sie allein sei.
DNA-Spuren führten zum Täter
Besonders eindringlich war das, was Meis vor Gericht über ihren Sohn sagte. "Mein Kind hat mich immer gefragt, ob wir in der Wohnung sicher sind", erläuterte sie. Man habe ihr stets versichert, dass die Wohnung dank eines Privataufzugs zu den sichersten in Hamburg gehöre. Dieses Versprechen habe der Einbruch zerstört, bei dem die Täter über ein Baugerüst in den fünften Stock des Hauses geklettert waren, wo sie die Terrassentür zum Penthouse aufbrachen.
Trotzdem sei die Wohnung weiterhin ihr Zuhause, ihr Sohn dort aufgewachsen, erklärte Meis. Aus Unsicherheit kontrolliere sie allerdings noch heute abends regelmäßig ihren Schrank, ob noch alles da sei.
Auf der Anklagebank saß ein 42-jähriger Vater von zwei Kindern, der bereits zuvor in Österreich zweifach vorbestraft war. Über DNA-Spuren kamen die Ermittler ihm auf die Schliche. Er gab zu, mit einem weiteren Täter in die Wohnung von Meis eingedrungen zu sein. Einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" zufolge erklärte er aber auch, "nicht der Kopf der Sache" gewesen zu sein. Er habe für seine Mithilfe an der Tat 15.000 Euro erhalten. Aus Angst wolle er keine weiteren Namen von Tatbeteiligten nennen.
Täter bittet um Verzeihung
Der 42-jährige Angeklagte wandte sich nach seiner Aussage laut RTL direkt an Meis. "Ich bitte um aufrichtige Verzeihung. Es war nicht meine Intention, Ihnen Schmerzen zu bereiten", sagte der Mann.
Meis erklärte, sie glaube ihm, dass er die Tat bereue. Die "Hamburger Morgenpost" zitiert sie mit den Worten: "Ich habe verstanden, dass Sie eine Entscheidung getroffen haben, die Sie bestimmt sehr, sehr bereuen. Ich bin ein Mensch, der nicht in Hass lebt. Und deswegen finde ich es einfach so schlimm, dass durch diese Tat, die passiert ist, so viele Menschen negativ betroffen sind. Es tut mir so unendlich leid für Ihre Kinder."
Noch an diesem Prozesstag wurde das Urteil gesprochen: Der Angeklagte muss wegen schweren Wohnungseinbruchdiebstahls in Tateinheit mit Sachbeschädigung für vier Jahre ins Gefängnis.