Unterhaltung

VIP VIP, Hurra!Unsere Serienhelden sterben - was bleibt von Eric Dane?

27.02.2026, 17:01 Uhr Bildschirmfoto 2026-02-21 um 21.32.44Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
00:00 / 07:04
Dieses-von-Netflix-via-AP-veroeffentlichte-Foto-zeigt-die-Schauspieler-Eric-Dane-l-und-Brad-Falchuk-in-einer-Episode-von-Famous-Last-Words
Schauspieler Eric Dane in einer Episode von "Famous Last Words". (Foto: picture alliance/dpa/Netflix/AP)

Er war der schöne Arzt aus "Grey's Anatomy". Doch erst in seinem letzten, nach seinem Tod ausgestrahlten Interview wurde Eric Dane wirklich sichtbar. Die Promikolumne dieses Mal über Abschied, Einsamkeit und ein ungewöhnliches Streaming-Format.

Bei der Nachricht über den Tod des Schauspielers Eric Dane dachte man zuerst: 53 Jahre alt, das ist doch kein Alter! Und man dachte auch daran, wer in diesem noch jungen Jahr bereits diese Erde verlassen hat, denn nur wenige Tage zuvor verstarb der Schauspieler James Van Der Beek mit 48 Jahren an Darmkrebs.

Wenn man die Namen nebeneinanderlegt, merkt man erst, was da gerade passiert: Eric Dane und James Van Der Beek innerhalb weniger Tage, Shannen Doherty, die 2024 ihrem langen Brustkrebsleiden erlag, Matthew Perry aus "Friends" und davor Luke Perry, der 2019 nach einem Schlaganfall starb. Es sind unsere Serienhelden aus "Beverly Hills, 90210", "Dawson's Creek" oder "Grey's Anatomy", die für viele in den Neunzigern mehr waren als bloße TV-Unterhaltung. Natürlich ist jeder Tod erschütternd, egal wann. Aber wenn die Gesichter verschwinden, die einen durch die eigene Jugend begleitet haben, merkt man plötzlich, dass nicht nur sie älter geworden sind. Sondern auch wir.

Und sie alle waren in einem Alter, in dem man noch viele Pläne hat, mitten im Leben steht und vielleicht gerade erst begonnen hat, diese im Vergleich doch recht kurze Reise mit anderen Augen zu sehen. Schließlich glaubt man, wenn man jung ist, man habe alle Zeit der Welt.

Und dann kommen Krankheiten - und im wahrsten Sinne des Wortes das Leben dazwischen. Dank sozialer Medien, die immer mehr Fluch als Segen sind, haben wir heute oft die Möglichkeit, einen ungeschönten Blick in die Welt der Prominenten zu erhalten. Shannen Doherty erzählte davon, wie sie sich auf ihr Ende vorbereitete, und James Van Der Beek sagte noch kurz vor seinem Tod, er wünsche sich, wir würden das neue Jahr nicht im Winter, sondern im Frühling begrüßen. Dann, wenn die Natur wieder anfängt zu blühen und nicht im Grau des Januars.

Man begleitet diese Menschen ein Stück weit auch auf ihrer letzten Reise, doch wenn sie dann wirklich gegangen sind, fühlt es sich - zumindest für einen Augenblick - unwirklich an. So war es bei Shannen Doherty, so war es bei James Van Der Beek, und so ist es nun auch bei Eric Dane, der für viele nur der charmante und charismatische "McSteamy" aus "Grey's Anatomy" war.

Einsam in einem Raum voller Leute

Erst im vergangenen Jahr machte er öffentlich, an ALS zu leiden, jener unheilbaren Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems, bei der Körper nach und nach aufgibt, während der Geist oft klar bleibt. Was mich in diesen Stunden mehr beschäftigt als jede seiner Rollen, ist das Streaming-Format, auf das er sich im November 2025, nur wenige Monate vor seinem Tod, eingelassen hat. "Famous Last Words" heißt es bei Netflix. In diesem Format spricht man über sein Leben. Darüber, wie man sich selbst sieht, über das, was man vielleicht bereut oder worauf man besonders stolz ist - mit dem Wissen, dass dieses letzte Interview erst in die Welt hinausgeht, wenn man selbst nicht mehr da ist.

Die Idee stammt aus Dänemark, wo der Journalist Mikael Bertelsen für den öffentlich-rechtlichen Sender TV2 das Format "Det Sidste Ord" entwickelte. Seit 2020 haben bekannte Persönlichkeiten vor der Kamera schon über ihr Leben gesprochen. Diese Gespräche wurden archiviert, um erst nach ihrem Tod gesendet zu werden. In Dänemark hatte das etwas Zurückhaltendes, beinahe Intimes. Als Netflix das Konzept übernahm, wurde daraus ein internationales Format. Die Idee aber blieb dieselbe: Jemand spricht selbst, bevor andere über ihn sprechen.

Eric Dane, der wusste, dass ALS kein Befund ist, der sich wegtherapieren lässt, sprach in diesem letzten Interview vor allem über sein Innenleben. So sagte er: "Ich kann mich in einem vollen Raum einsam fühlen."

"Ich bin glücklich"

Auch seinen Kampf gegen die Sucht und seine Traumata, die ihn, wie er sagte, "auf zellulärer Ebene" geprägt hatten, klammerte er nicht aus: der frühe Verlust seines Vaters, die mangelnde Empathie seiner Mutter, Depressionen und viele Zweifel. Das eigene Leben ist eben nicht nur eine fortwährende Erfolgsgeschichte. "Es gibt keinen Grund, in einem einzelnen Moment glücklich zu sein, aber ich bin es."

Zu wissen, bald nicht mehr da zu sein, und dennoch über Glück zu sprechen. Diese Einstellung lässt einen Menschen, der weiß, wie schnell seine Zeit abläuft, nicht im Dunkel. Auch wenn er selbst nicht daran glaubte, dass irgendwas kommt, wenn das Licht erst einmal ausgegangen ist. Natürlich kann man kritisch fragen, ob Streamingplattformen der richtige Ort für letzte Worte sind, ob es nicht merkwürdig ist, wenn ein Abschied in einen Veröffentlichungsplan passt. Aber vielleicht geht es genau darum, die eigene Geschichte nicht aus der Hand zu geben.

Ja, Eric Dane war Schauspieler. Aber er war eben nicht nur der Charismatiker im OP-Kittel, sondern auch Vater von zwei Töchtern, Billie und Georgia, Ehemann, Freund - ein Mensch mit vielen Brüchen im Lebenslauf. Dieses aufgezeichnete Interview bewegt vor allem deshalb so sehr, weil da eben kein Star sitzt, den man aus einer Serie kennt, sondern ein Mensch, der über Einsamkeit und Hoffnung spricht. Und der seinen Kindern ein Vermächtnis mitgibt, das keine Rolle so leisten kann.

Und ja, da sitzt ein Mann im Rollstuhl, der durch diese Krankheit gezeichnet ist und kaum noch sprechen kann. Aber wenn man hier eines nicht sieht, dann einen todkranken Patienten, sondern jemanden, der, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen, bis zum Schluss gekämpft und den Kopf oben gehalten hat.

Quelle: ntv.de

HollywoodPromi-PaarePromi NewsTodesfälle