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Plädoyers im Weinstein-Prozess Verteidigung zweifelt Zeugen-Aussagen an

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Harvey Weinstein mit seinen Anwälten vor Gericht.

(Foto: AP)

Zahlreiche Frauen bezichtigen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein der Vergewaltigung. In zwei Fällen muss sich der 67-Jährige nun in New York vor Gericht verantworten. Gleich zu Beginn der Eröffnungsplädoyers wird deutlich, welche Strategie Weinsteins Anwälte verfolgen.

Die Verteidigung des ehemaligen Hollywood-Moguls Harvey Weinstein hat bei dessen Vergewaltigungsprozess in New York den mutmaßlichen Opfern widersprüchliche Aussagen vorgeworfen. Es gebe Beweise von diesen Zeugen selbst, die zeigten, dass ihre Vorwürfe nicht wahr seien, sagte Weinstein-Anwalt Damon Cheronis bei seinem Eröffnungsplädoyer in New York. "Er (Weinstein) war nicht dieser meisterhafte Manipulator." Zuvor hatte Staatsanwältin Meghan Hast Weinstein bei ihrem Eröffnungsplädoyer als Vergewaltiger bezeichnet und dessen mutmaßliche Übergriffe bei mehreren Frauen in drastischer Detailtiefe beschrieben.

"Alles, was Frau Hast Ihnen gerade erzählt hat, sind keine Beweise. Sie war nicht da", sagte Cheronis. Der Verteidiger zeigte eine Reihe von Botschaften von Zeugen der Anklage, die diese nach den mutmaßlichen Taten an Weinstein geschickt haben sollen. So schickte die Produktionsassistentin Mimi Haleyi nach Darstellung der Anwälte eine Mail an Weinstein, in der sie Bedauern darüber äußerte, dass sie sich so lange nicht gesehen hätten. Die Nachricht ist demnach mit "Peace & Love" ("Frieden und Liebe") unterschrieben. Über die Schauspielerin Jessica Mann sagte Cheronis, sie habe zu Weinstein nach der mutmaßlichen Vergewaltigung "Ich liebe dich, das tue ich immer" geschrieben.

"Weinstein war der Typ, der die Schlüssel für das Schloss hatte"

In dem Prozess gegen Weinstein geht es vor allem um zwei Frauen: Der heute 67-Jährige soll eine von ihnen im Jahr 2006 zum Oral-Sex gezwungen, die andere 2013 vergewaltigt haben. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Insgesamt hatten mehr als 80 Frauen Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen und damit die weltweite MeToo-Bewegung ausgelöst. Viele der mutmaßlichen Taten fanden jedoch nicht in New York statt oder sind zu lange her, um verhandelt zu werden. Der Prozess soll etwa zwei Monate dauern. Weinstein hatte immer wieder gesagt, die sexuellen Kontakte seien einvernehmlich erfolgt.

Mit den heutigen Auftaktplädoyers startete der Prozess nach mehr als zwei Wochen inhaltlich. Erwartet wird ein harter Kampf zwischen Anklage und Verteidigung um die Glaubwürdigkeit der Zeugen - am Ende entscheiden die zwölf Geschworenen über Schuld oder Unschuld. Die Verteidigung der Hauptanwältin Donna Rotunno wird scheinbar darauf beruhen, dass Weinsteins Sex mit den Frauen einvernehmlich gewesen sein soll, weil diese sich davon einen Karriereschub versprochen hätten. "Harvey Weinstein war der Typ, der die Schlüssel für das Schloss hatte, in das jeder rein wollte. Und die Leute haben ihn benutzt und benutzt und benutzt", hatte sie dem Magazin "Variety" gesagt.

In dem Prozess waren in den ersten Wochen zwölf Geschworene und drei Ersatzjuroren aus einem Pool von ursprünglich mehr als 600 Personen ausgewählt worden. Ein großer Teil war ausgeschieden, weil sich viele potenzielle Geschworene für befangen erklärten. Staatsanwältin Illuzzi-Orbon unterdessen warf der Verteidigung bei der Auswahl der Geschworenen vor, systematisch jüngere weiße Frauen ausschließen zu wollen. Richter James Burke redete den Kandidaten ins Gewissen: "Dieser Prozess ist kein Referendum über die MeToo-Bewegung."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa