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"Die Höhle der Löwen" Wer verarscht, der wird gefressen

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Eine Löwin auf Streifzug: Judith Williams (2. v. l.) inmitten der "Trinitiy"-Präsentation.

(Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

In der Löwenhöhle hat jeder Investor seine eigene Meinung. Überschreitet man als Gründer jedoch eine Grenze, rücken alle Löwen eng zusammen. Im Rudel werden dann die Zähne gefletscht oder die Kuschelzoo-Tatzen ausgefahren.

Über den Sinn und Unsinn einer vermeintlich bahnbrechenden Erfindung lässt sich natürlich streiten. Was der eine für sinnvoll und revolutionär hält, entlockt dem anderen nicht mal ein müdes Lächeln. Auch in der Löwenhöhle schwanken die Damen und Herren Williams, Wöhrl, Thelen, Maschmeyer, Dümmel und Kofler bisweilen hin und her. Ein keimfreier Stauschlauch ("daisygrip"), ein spannendes Möbelsystem für genervte Kommodenauf- und -abbauer ("Pazls"), ein Aktivitätstracker für Hunde ("furryfit") und Leckeres aus der Keksteig-Abteilung ("Spooning Cookie Dough") sorgen in der Löwenhöhle für eine ausgewogene Pro-Contra-Balance.

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Super Sache: Rudolf Wild und seine Harke.

(Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Wenn es allerdings hart auf hart kommt und die Investoren keine Grauzonen erkennen, dann präsentiert man sich als verschworene Einheit, die sich nur schwer auseinanderreißen lässt. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das Produkt für Begeisterungsstürme oder zusammengezogene Augenbrauen sorgt.

"Der Hut ist schon mal gut"

In der zweiten Folge der fünften DHdL-Staffel sorgen vor allem zwei Start-Up-Gründer für ein Zusammenrücken der Löwensessel. Der eine davon wirbelt dabei nicht nur mit seiner Erfindung, sondern auch mit seinem außergewöhnlichen Gründerprofil viel Staub auf. Mit Strohhut und Gartenschürze entert Rudolf Wild das TV-Studio und outet sich als ältester Düsentrieb des Landes. "Der Hut ist schon mal gut", schwärmt Judith Williams.

Der 79-jährige Tischlermeister aus Oberfranken beeindruckt aber nicht nur mit seiner perfekt sitzenden Outdoor-Garderobe. Auch die mitgebrachte "Ruwi", eine der kompletten Gartenarbeit den Kampf ansagenden All-in-One-Harke, hat es den Investoren angetan.

Gartenarbeit im Spaziergang

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Ralf Dümmel hat bei der Harke zugeschlagen.

(Foto: MG RTL D / Frank W. Hempel)

Zwar drücken am Ende nicht alle Löwen auf den imaginären Ich-mache-ihnen-ein-Gebot-Buzzer. Aber das stört nur am Rande, schließlich sitzt ja einer mit im Boot, der bei derartigen Produkten fast immer zuschlägt. Sein Name: Ralf Dümmel. Sein Auftrag: Leuten wie Rudolf Wild einen Weg in die große, weite Baumarkt-Welt zu pflastern. Nach einer knuffigen Umarmung und einem festen Handschlag klatschen von Rückenschmerzen geplagte Hobbygärtner in der ganzen Republik begeistert in die Hände. Dank "Ruwi", Rudolf und Ralf wird die Gartenarbeit demnächst zum Spaziergang.

Ähnlich viel Euphorie erhofft sich auch die 27-jährige Kimberly Lang aus Österreich. Aber statt mit offenen Armen wird die überzeugte Mode-Revoluzzerin von einem Rudel Löwen empfangen, das bereits nach wenigen Minuten genervt mit den Zähnen fletscht.

Kimberlys Bekleidungssystem "Trinity" kommt bei den Investoren ungefähr genauso gut an wie ein AfD-Plakat in Berlin-Kreuzberg. "Du willst uns jetzt verarschen, oder?", raunt Frank Thelen durchs Studio.

Verbale Massenkeile

Nö, eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil: Satte 500.000 Euro fordert die dauergrinsende Reißverschluss-Expertin für 10 Prozent ihrer Firmenanteile. Das ist mal 'ne Hausnummer - allerdings keine, mit der sich die Löwen hier und heute auch nur annähernd locken lassen. Statt Kohle gibt's verbale Massenkeile.

Kimberly versteht die Welt nicht mehr: "Wie jetzt? Das Wickelkleid von 1974 hat doch auch die Modewelt gerockt?", mault die Österreicherin. Da hat sie natürlich recht. Aber ein starrer Reißverschluss zwischen Bluse und Rock? Da schlägt sogar eine Branchenfachfrau wie Judith Williams die Hände vors Gesicht, genauso wie die restlichen Löwen, die sich abseits des Tüftler-Mainstreams, konfrontiert mit den Extremen der Branche, wieder einmal als wahlweise brüllende oder kuschelige Gemeinschaft präsentierten.

Quelle: n-tv.de