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Wirft "fundamentale Fragen" aufWas der Skandal um Andrew für die Monarchie bedeutet

24.02.2026, 12:25 Uhr
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In Großbritannien wird gerade viel über Andrew und die Monarchie diskutiert. (Archivbild) (Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa)

Die Schlinge um den in den Epstein-Skandal involvierten Andrew zieht sich immer weiter zu. Ein Prinz ist er längst nicht mehr, nun soll er auch noch streng vertrauliche Unterlagen weitergegeben haben. Was aber bedeutet das alles für die Zukunft der britischen Monarchie?

In Großbritannien ist derzeit viel vom Niedergang der Monarchie die Rede. Auch wenn es noch nicht ganz so weit sein sollte, ist der Skandal um den Ex-Prinzen Andrew und dessen Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eine Zäsur, die in der Geschichte Großbritanniens ihresgleichen sucht. Von allen Ämtern, Titeln und Ehrungen entkleidet, verbrachte er seinen 66. Geburtstag in der vergangenen Woche auf einer Polizeiwache, während die Ermittler mehrere Anwesen durchsuchten. Die Angelegenheit werfe "fundamentale Fragen für die Institution der Monarchie auf", sagt der Verfassungsexperte und Royal-Kenner Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway.

Andrew, zweitältester Sohn der verstorbenen Queen Elizabeth II., war bis zur Geburt von Prinz William Zweiter in der britischen Thronfolge. Die Rolle des "Spare", der royalen Reserve für den Fall, dass der oder die Erstgeborene ausfällt, ist keine unproblematische, wie Prescott betont. Schon die jüngere Schwester von Elizabeth II., Prinzessin Margaret, sei damit todunglücklich gewesen. Auch das Drama um Prinz Harry zeige, wie anfällig die Zweitgeborenen für Krisen und Konflikte seien.

Was passiert, wenn Andrew angeklagt wird?

Andrew beließ es freilich nicht bei bloßen Eskapaden. Seine Verbindung zum verstorbenen US-Multimillionär Epstein, der einen Missbrauchsring betrieb, dem viele Mädchen und Frauen zum Opfer fielen, könnte noch ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Bislang lautet der Verdacht lediglich auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Doch eines der Epstein-Opfer, Virginia Giuffre, hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Er streitet das vehement ab.

Sollte gegen Andrew Anklage erhoben werden, könnte es für das Königshaus äußerst peinlich werden, glaubt Prescott. Ihm zufolge dürfte es dann zu einem Prozess vor einem Geschworenengericht kommen, bei dem öffentlich verhandelt wird. Dass König Charles III. dabei in den Zeugenstand gerufen wird, hält er allerdings für ausgeschlossen. Der britische Souverän, in dessen Namen in Großbritannien Strafverfahren geführt werden, unterliegt nicht denselben Regeln wie die Bürger seines Landes.

Möglich aber wären wohl Vernehmungen von Palastmitarbeitern. Wer hat was mitbekommen von Andrews Treiben? Dabei könnte so manches ans Tageslicht gezerrt werden, was die Royals lieber für sich behielten. Viel tun können sie dagegen jedoch nicht. "Sie werden damit letztlich leben müssen", sagt Prescott. Ersparen könne Andrew das dem Königshaus allerdings, wenn er im Fall einer Anklage auf schuldig plädiere.

Könnte die Affäre Charles zum Abdanken bewegen?

Seit Jahren wird spekuliert, König Charles könne eines Tages wie andere europäische Monarchen das Zepter an seinen ältesten Sohn William weiterreichen. Dass die Affäre um Andrew so eine Entwicklung wahrscheinlicher macht, hält Prescott nicht für ausgeschlossen. Doch er gibt zu bedenken, dass es dem König bislang einigermaßen gut gelungen sei, Schaden von sich abzuwenden. Charles habe den Eindruck erweckt, gut mit der Sache umgegangen zu sein, indem er Andrew seine Titel aberkannte und ihn aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge hinauskomplimentierte.

"Ich denke, die Menschen haben eine Menge Mitgefühl für den König und die Situation, in der er sich befindet", so Prescott. So gelte es als weithin anerkannt, dass Charles sich gegen die Rolle seines Bruders als Handelsbeauftragter der Regierung ausgesprochen habe. Der Verdacht, Andrew könne in dieser Position vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben haben, brachte die Ermittlungen gegen ihn ins Rollen.

Reich des Königs könnte weiter schrumpfen

Der nächste Schritt könnte nun sein, dass Andrew aus der Thronfolge ausgeschlossen wird. Dort nimmt er immerhin noch den achten Rang ein. Weil der britische Monarch jedoch nicht nur britisches Staatsoberhaupt ist, sondern auch an der Spitze von 14 weiteren Commonwealth-Nationen steht, ist dafür die Zustimmung aus allen diesen Ländern notwendig. Australien und Neuseeland signalisierten bereits die Bereitschaft, mitzuziehen.

Sorgen bereiten dürften dem Palast jedoch vor allem karibische Staaten, die bereits mit der Staatsform der Monarchie hadern. Barbados kappte die Verbindung zur ehemaligen Kolonialmacht im Jahr 2021 und wurde zur Republik. Ähnliche Bestrebungen gibt es auch in Jamaika. Anstatt ein Gesetz zu verabschieden, das nur Andrew aus der Thronfolge streicht, könnten diese Staaten gleich ganz mit der Monarchie brechen, glaubt Prescott.

Tendenz zur Verschlankung der Königsfamilie

Der Experte geht auch davon aus, dass der Fall Andrew die ohnehin geplante Verkleinerung des britischen Königshauses beschleunigen könnte. "Ist da wirklich noch ein Appetit für eine royale Großfamilie?", fragt Prescott und liefert gleich die Antwort: Er könne sich vorstellen, dass als Folge der Andrew-Affäre etwa die Zweitgeborene des derzeitigen Thronfolgers William, die zehnjährige Prinzessin Charlotte, künftig einmal keine royalen Aufgaben mehr übernehmen werde.

Auch in der Rückschau hinterlässt die Andrew-Affäre einen bitteren Geschmack, denn letztlich war es seine Mutter, die es versäumt hatte, Andrew in die Schranken zu weisen. "Unsere Sicht auf Queen Elizabeth war, dass sie eine ziemlich makellose Monarchin war", sagt Prescott. Doch der Andrew-Skandal hinterlasse einen dunklen Fleck in ihrem Vermächtnis, der in künftigen Biografien seinen Niederschlag finden werde.

Quelle: ntv.de, Christoph Meyer und Jan Mies, dpa

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